Olten

Familienfreundliche Variante gewählt: Buslinie 504 muss nicht abspecken

Ab Dezember 2017 wird Olten SüdWest im Überbrückungsjahr 2018 nur noch zu den Hauptverkehrszeiten mit dem Bus bedient.

Die öV-Verbindung zwischen Bahnhof und SüdWest bleibt im Übergangsjahr unverändert erhalten. Das kostet die Stadt aber noch einmal knapp 210 000 Franken.

Soll die Buslinie 504, die seit Dezember 2015 den Bahnhof mit Olten SüdWest verbindet und in den Nebenverkehrszeiten auch den Schöngrund erschliesst, für ein weiteres Jahr im gewohnten Umfang betrieben werden? Oder soll die 504 redimensioniert werden und ausschliesslich die Verbindung zwischen Bahnhof und SüdWest sicherstellen und dies auch nur zu den Hauptverkehrszeiten? Ein Unterschied, gewiss. Die erste Variante würde die Stadt mit knapp 210 000, letztere noch mit rund 80 000 Franken belasten. Der Stadtrat hatte sich in seiner Botschaft dennoch für die teurere, weil umfassendere und damit konsequentere und quartierfreundlichere Variante ausgesprochen.

Notwendig geworden war der gestrige Entscheid des Gemeindeparlaments übrigens, weil die Anbindung des Quartiers nach zweijährigem und ausschliesslich von der Stadt finanziertem Versuchsbetrieb wider Erwarten erst Ende 2018 in ein Definitivum überführt werden kann. Zudem ist die Zahl der Fahrgäste (knapp 60 000 seit Dezember 2015 statt der erwarteten 100 000) nicht ausreichend, um den Versuchsbetrieb ins kantonale öV-Programm aufnehmen zu können. Damit wäre die Stadt die Kosten losgeworden. Immerhin: Ab 2018 wird die Line 511 (Gäu) das Quartier SüdWest bedienen, nachdem die definitive Einrichtung einer Busspur in Hägendorf ungesetzt ist. Das Gebiet Schöngrund wird dann allerdings wieder ohne Anbindung sein.

Nun: Das Parlament entschied sich nach einer etwas längeren Debatte deutlich für den Erhalt der Vollvariante. Mit 27 zu 16 Stimmen (bei 2 Enthaltungen) gab die Legislative dem vollen Liniendienst den Vorrang und votierte damit im Sinne des Stadtrates.

Klare Kante

Die Trennlinie im Parlament lief entlang des längst bekannten Links-Rechts-Schemas. Während Grüne und Sozialdemokraten – nicht wirklich überraschend – für eine Weiterführung der Linie im gewohnten Umfang plädierten, sprachen sich FDP und SVP geschlossen für eine Redimensionierung des Angebots aus. Diesmal sorgte die CVP/EVP/GLP-Fraktion für eine deutliche Mehrheit. Bis auf zwei Ausnahmen votierten alle Fraktionsmitglieder für Variante 1. Bei SVP und FDP gabs – so quasi als Kulminationspunkt der Oppositionshaltung – hingegen auch Stimmen, die mit einer kompletten Streichung der Busverbindung im Übergangsjahr spielten und selbst das minimierte Angebot von Variante 2 verwarfen. Wie pikant die Debatte verlief, machte Philippe Ruf (SVP) vielleicht am deutlichsten, als er Stimmen aus Olten SüdWest zitierte, welche sich über das opulente Busangebot wundern würden. «Weils die Bewohner dort gar nicht wollen», so Ruf.

Für die Bürgerlichen blieb die voll ausgebaute Verbindung eine überflüssige Luxuslösung. Zwar: Nicht alle drückten sich so plakativ aus wie Ernst Eggmann (SVP), der die Linie 504 als eine «Geldvernichtungslinie» bezeichnete. Aber es wurde schon deutlich, dass man sich bei FDP und SVP mit der schmalen Belegung der Busse untertags äusserst schwertat. «Zwei Jahre lang haben wir jetzt den Probebetrieb laufen lassen und kommen zu solch kläglichen Fahrgastzahlen», rief etwa Heinz Eng (FDP) in Erinnerung. «In der Privatwirtschaft hätte man einem solchen Projekt schon nach einem Jahr den Stecker gezogen», schob er hinterher und Urs Knapp (FDP) rief in Erinnerung, dass allenfalls auch ein Referendum drohen könnte, wenn Geld so grosszügig gesprochen würde für ein Angebot, welches offensichtlich keinem oder lediglich einem geringen Bedürfnis entspreche.

Mehr Weitblick, bitte

Für die Befürworter der Vollvariante waren Argumente dieser Provenienz nicht gültig. Fritz Buser (SP) mahnte mehr Weitblick an, die Grüne Myriam Frey Schär hieb in dieselbe Kerbe und stellte rhetorisch die Frage in den Raum: Welche Einwohnerschaft wollen wir in Olten SüdWest? Und sie reichte die Antwort gleich selber nach: «Nicht Singles oder Paare, sondern vor allem Familien. Und Familien sind auch tagsüber auf eine vernünftige Anbindung angewiesen.» Nicht wenige der Vollvariantenbefürworter werteten diese Lösung auch als ein Lenkungsmittel im erzieherischen Sinn.

«Wenn wir das Vollangebot jetzt für ein Jahr unterbrechen, so werden wir womöglich Mühe haben, die Leute wieder zum Umsteigen auf den Bus zu bewegen», meinte etwa Christoph Fink (CVP) als Sprecher der Geschäftsprüfungskommission. Und die Tatsache, dass der Kanton einen Teil des Angebots mitfinanziere, sei Zeichen dafür, welche Bedeutung dieser Anbindung in Solothurn zukomme. Bedauert wurde lediglich, dass «diese Zwischenlösung für die Dauer eines Jahres eingeschaltet werden muss», wie Eugen Kiener (SP) betonte. Die Anbindung über die Linie 511, wie sie ab Dezember 2018 ansteht, bringe auch Werktätige an ihre Arbeitsplätze. Und dieses Angebot sei notwendig. Denn: «Viele jungen Menschen können nicht mehr Auto fahren», so Kiener weiter.

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