Vor knapp zwei Wochen musste sich das Amtsgericht unter Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei mit einem besonders schweren Delikt befassen. Ein Kenianer wurde unter anderem der mehrfachen Vergewaltigung, der mehrfachen sexuellen Nötigung, der mehrfachen Schändung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern und der Gefährdung des Lebens beschuldigt.

Genauer soll der Beschuldigte seine zum Zeitpunkt des ersten Übergriffs nur elfjährige Stieftochter während dreier Jahren rund 51 Mal vergewaltigt haben. Einen dieser sexuellen Übergriffe hat er sogar gefilmt, was dem Amtsgericht während des Prozesses als aussagekräftiger Beweis diente.

Stieftochter über Jahre vergewaltigt: Kenianer verurteilt

Stieftochter über Jahre vergewaltigt: Kenianer verurteilt

Rolle als Vaterfigur ausgenutzt

Das Opfer, die Tochter der Lebensgefährtin des Beschuldigten, sah im heute 41-Jährigen eine Vaterfigur, weshalb sie Geborgenheit bei ihm suchte. Laut dem Amtsgericht hat er diese Situation schamlos ausgenutzt und seine Stieftochter zu sexuellen Gefälligkeiten gezwungen, indem er ihr drohte, die psychisch angeschlagene Mutter zu verlassen. Ausserdem hat er sie mit anderen Gefälligkeiten gefügig gemacht und ihr beispielsweise ein Handy gekauft. Etwa alle zwei Wochen hat sich der Beschuldigte an dem Mädchen vergangen. Er hat auch nicht von ihr abgelassen, als diese sich krümmte und Schmerzlaute ausstiess. So führte er dem Mädchen sowohl körperlichen als auch seelischen Schaden zu.

Grund für diese Taten waren: Die sexuelle Befriedigung durch die Vergewaltigung des Täters sowie Rache an der Mutter des Opfers, mit welcher der Beschuldigte eine ständige On-Off-Beziehung führte. Trotzdem zeigt der Kenianer keine Reue. Denn in seinen Augen habe sich zwischen dem Kind und ihm eine Liebesbeziehung entwickelt. Dass diese nicht einvernehmlich war, sei ihm nicht bewusst.

Missbrauch mit Handy gefilmt

An der Urteilsverkündung vom Montag verkündete Amtsgerichtspräsident Orfei, dass sich die Angaben des Opfers mit denjenigen des Beschuldigten decken. Der im Alter von 14 Jahren in die Schweiz eingereiste Mann ist folglich geständig.

Hauptanklagepunkt ist die Tat vom 11. August 2015, welche der Beschuldigte mit seinem Handy festhielt. Weil der Beschuldigte dem damals 14-jährigen Mädchen K. o.-Tropfen verabreichte, musste sich dieses während des Aktes mehrmals übergeben. Trotzdem liess der Beschuldigte nicht von ihr ab.

Weil der Beschuldigte während dieses ersten Aktes aber nicht zum Samenerguss kam, erfolgte am selben Tag nur eine halbe Stunde später ein zweiter Missbrauch. Deswegen erachtet das Amtsgericht diese «Missetat», wie Orfei den Akt nennt, als schwerstes Delikt.

Knapp zwei Jahrzehnte in Haft

In der Gerichtsverhandlung vom 26. April forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von 16,5 Jahren, der Verteidiger des Beschuldigten hingegen 4,5 Jahre. Aufgrund der Tatschwere entschied das Amtsgericht jedoch, den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren und 1 Monat zu verurteilen. Als Vollzugsbegleitung auferlegte das Amtsgericht dem Kenianer zusätzlich eine ambulante Behandlung.

Dem Opfer muss der Beschuldigte eine Genugtuung von 70'000 Franken zahlen, wie sie auch von der Opferverteidigerin gefordert wurde. Nach der Urteilsverkündung wird die Verhandlung ohne ein weiteres Wort geschlossen und der Kinderschänder in Hand- und Fussschellen aus dem Gerichtssaal geführt.