Oh! Welch Anblick sich der Schreibenden bot, als sie die Baslerstrasse in Trimbach mit dem Velo raufstrampelte: In bunt benähten Jeansjacken und mit tiefhängenden Rucksäcken rauschten sie alle paar Minuten auf dem Töffli vorbei: die älteren und zuweilen auch jüngeren Herren, hin und wieder auch eine Dame. Als gäbe es kein Gestern.

Auf Höhe des «Isebähnli» verliessen die Töfflibuebe und -meitschi die Strasse, bevor sich diese den Hauenstein hinaufwindet. Sie bogen auf den dicht bestandenen Platz vor dem Restaurant ein. Die Luft: abgasgeschwängert von knatternden, röhrenden und hustenden Puch Maxis, Ciaos, Ponys, Piaggios. Der erste Isebähnli Töffli GP konnte beginnen.

Organisiert hatten ihn Isebähnli-Betreiber François Dörfliger und dessen Schwager Martin Sulzer. Die Idee, die sei entstanden, als sie vergangenes Jahr am Red Bull Alpenbrevet im Tessin teilnahmen – eine organisierte Ausfahrt für Töffli. Was lag näher, als dasselbe im «Isebähnli» durchzuführen, das seit Jahrzehnten als Töff- und seit rund einem Jahr auch als Töffli-Treff gilt?

Während Dörfliger am Checkpoint das Startprozedere beaufsichtigte – Fötzel ausfüllen, Startnummer abholen, Töffli checken –, erzählte Sulzer: Rund 15 000 Franken koste so ein Anlass. Die Kosten seien aber komplett durch Sponsoren gedeckt. Dörfliger gab sich indes mit dem ein oder anderen gerissenen Bremskabel ab. «Man hilft, wo man kann», wie er meinte. Kleine Defekte hin oder her, starten würden alle der rund 200 Angemeldeten. Diese waren zumeist aus der Region angefahren, Solothurn, Aargau, Baselbiet. Aber auch aus Appenzell, Zürich, Nidwalden waren sie gekommen.

Wenn Mann die Midlife-Crisis hat

Und sie fühlten es wieder, die Töfflibuebe und -meitschi von einst. Claudio Lang aus Dulliken etwa. Der 51-Jährige war mit seinem Pony Cross 503 hergebraust; dem Modell, mit dem er schon als 14-Jähriger die Gegend unsicher machte. Zu Hause habe er auch eine Harley stehen, sagte er. Aber lieber fahre er eines seiner acht Töffli aus. Die seien einfach gemütlicher. «Und du kannst auch mal eins trinken», sagte er beinahe ernst. Sein 28-jähriger Neffe Sandro Lang wollte sich dieser Aussage nicht anschliessen. Aber auch er sei früher mit dem Töffli zur Schule gefahren. Und das «Umeschrüble» in der Garage sei auch sein Ding. Darauf gebracht habe ihn aber schon sein Onkel.

Wieso kommt jetzt aber der Onkel auf die Idee, wieder mit dem Jugendgefährt rumzukurven? Das weiss GP-Mitorganisator Martin Sulzer, 48, aufgewachsen und erstmals motorisiert in Lostorf, wohnhaft in Kappel, verheiratet, zwei Kinder: «Wir waren 14, 15 Jahre alt, da machten wir uns mit dem Töffli über den Gotthard ins Tessin, haben irgendwo wild gezeltet und sind dann nach Ascona reingeknattert.

Oder wir fuhren zwei bis drei Stunden nach Basel oder Luzern in einen der zwei McDonalds, die es damals gab. Das haben wir eigentlich nur aus Langeweile gemacht, uns wäre sonst am Freitagabend das Gesicht auf die Tischplatte gefallen. Aber wir kamen uns vor wie in der weiten Welt draussen.

Und dann, Mitte vierzig, kommt die Midlife-Crisis, und als Mann fragst du dich: Lasse ich mir einen Ranzen wachsen? Kaufe ich mir eine Harley? Tu ich mir eine junge Freundin zu? Oder mach ich sonst etwas, was mir die Jugend zurückbringt? Weil sonst hast du ja schon alles gemacht: ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt, eine Familie gegründet.

Und dann hockst du da, aber nur Rasen mähen und immer an der Frau umechnüble kanns auch nicht sein. Und in den Männerturnverein eintreten ist auch Schiissdräck – zwei Stunden Füdli schwenken und dann Bier saufen gehen. Also schwingst du dich wieder aufs Töffli, du riechst beim Heimkommen nach Abgasen, und das Lebensgefühl ist auf einen Schlag wieder da. Und du bist ein bisschen ausgebrochen aus dem Alltag, ohne was Dummes angestellt zu haben.

Doof?

Meine Frau fands zuerst doof. Frauen in dem Alter machen ja lieber was für Körper, Geist und Seele, sprich eine Weiterbildung. Meine Frau hat mich zum Beispiel gerade für einen Ernährungskurs angemeldet. Aber ich finde das gut; man tauscht sich ja aus. Dafür hab ich ihr ein Töffli gekauft. Ich hab ihr befohlen, wieder zu fahren – sie war ja früher auch ein Töfflimeitschi. Wir sind seit zwanzig Jahren zusammen. Gemeinsam alt werden ist eine Herausforderung, da muss man die Kommunikation am Laufen hal...»

Er wird unterbrochen. «Fünf – vier – drei – zwei – eins!» schallt es aus dem Megaphon. Die ersten dreissig Fahrer brettern los, den Hauenstein hinauf. Bis ins Thal hinter verläuft die Strecke und kehrt dann wieder nach Trimbach zurück. Unterwegs werden einige Töffli verrecken. Aber das macht nichts.

Gewinnen will hier ohnehin keiner – wer zu früh im Ziel ist, wird sogar ausgeschlossen. Wollen tun sie alle nur eins: durch die Landschaft rattern wie damals, wieder Bueb und Meitschi sein.