Olten

Eine Grenchnerin wirtet neu auf dem Sälischlössli

Karmen Müller vor dem Säli Schlössli

Karmen Müller vor dem Säli Schlössli

Nach einem Jahr des provisorischen Betriebs öffnet das Oltner Traditionsrestaurant Sälischlössli am 23. März seine Pforten erneut. Die künftige Hausherrin heisst Karmen Müller und kommt aus Grenchen.

Mit dem Wort Wirtin tut sie sich schwer. «Mir ist lieber, wenn ich als Gastgeberin bezeichnet werde.» Die das sagt: Karmen Müller aus Grenchen, die neue Hausherrin des Sälischlössli, dem Traditionsrestaurant hoch über Olten auf rund 700 Meter über Meer gelegen. Die ausgebildete Köchin und langjährige Gastgeberin im klubeigenen Wirtshaus des FC Grenchen hat sich jenen Traum erfüllt, der «eine gewisse Reifezeit durchmachte», wie sie sagt. Seit Mittwoch jedenfalls ist Karmen Müller die neue Hausherrin des Sälischlössli und ab Mittwoch, 23. März, 12 Uhr, gleichzeitig die neue Gastgeberin.

Zuversicht ist in ihren Augen zu erkennen; eine Zuversicht, die jene brauchen, um auf dem vermeintlich harten gastronomischen Pflaster hoch über der Stadt bestehen zu können. «Ich werde Erfolg haben», meint Karmen Müller heiter. Der am Mittwoch unterzeichnete Pachtvertrag mit der Bürgergemeinde Olten, der Liegenschaftsbesitzerin, jedenfalls ist auf Langfristigkeit angelegt. Die Vertragsbedingungen seien fair, sogar sehr fair. Mehr will die Schlossherrin dazu allerdings nicht sagen. Im Budget für das laufende Jahr hat die Bürgergemeinde Olten knapp 30'000 Franken an Pachteinnahmen vorgesehen.

Felix Frey, Oltens Bürgergemeindepräsident, meint denn auch: «Wir sind sehr zuversichtlich, mit Karmen Müller auf dem Sälischlössli einen stabilen Betrieb zu bekommen. Als Wirtin kann sie Gäste aus der Region Olten und darüber hinaus zufriedenstellen.» Und: Es sei gut, dass der Betrieb schon vor Ostern wieder aufgenommen werden könne und nicht – wie im letzten Jahr – erst im Sommer. Aus der Reihe verschiedener Bewerber sei aus Sicht der Bürgergemeinde nur Karmen Müller infrage gekommen.


Schweiz statt USA


Den Ort, hoch über der Stadt gelegen, kennt die in Grenchen wohnhafte Pächterin aus früheren Zeiten. Private Umstände führten sie in die Gegend. Auch Wanderungen hätten seinerzeit dazugehört, sagt sie im leicht osteuropäisch eingefärbten Dialekt. Im damals noch jugoslawischen Rijeka geboren und aufgewachsen, kam sie mit knapp 19 Jahren in die Schweiz. «Ich bin eigentlich mehr hängengeblieben hier», meint sie schmunzelnd. Im Grunde hätte sie seinerzeit in die USA gewollt. Aber es sei auch so ganz in Ordnung, sie fühle sich wohl hier.

Zwar will sie nicht auf dem Säli wohnen, aber sie sagt: «Werden die Abende lang, ist es durchaus hilfreich, wenn ich in einem Zimmer hier übernachten kann.» Auf die Gastgeberin warten denn auch strenge Zeiten. Zusammen mit einem Koch und einer Aushilfskraft will die im Sternzeichen des Steinbocks geborene Unternehmerin dort oben zum Rechten sehen. Der Koch ist noch nicht auf sicher engagiert, die Aushilfskraft dagegen schon.

Die Küche wird bürgerlich

Die Öffnungszeiten, zu welchen bürgerliche Küche angeboten wird – der Saison angepasste Hausspezialitäten sowie eine kleine Auswahl frisch zubereiteter und einfacher Gerichte –, sind vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Während der Monate April, Mai, September, Oktober und November ist das Restaurant jeweils von Freitag bis Sonntag ab 10 Uhr morgens geöffnet, in den Monaten Juni, Juli und teilweise August sind die Türen täglich ab 10 Uhr geöffnet. Immer sonntags lädt die Gastgeberin ab 8.30 Uhr zum sogenannten Schlosszmorge; angemeldete Gruppen ab 12 Personen werden auch unter der Woche «zu einem feinen Menü empfangen», wie sie sagt.

«Ich muss erst mal sehen, wie sich die Dinge hier entwickeln; wenn Wünsche nach erweiterten Öffnungszeiten laut werden, überdenke ich selbstverständlich das vorliegende Konzept», so Karmen Müller. «Erfahrungen sammeln eben», schiebt die einstige Ehefrau des ehemaligen SVP-Kantonalpräsidenten Heinz Müller nach. Und sie gesteht unumwunden ihre Liebe zu diesem Ort.

Die Grenchnerin vermisst seit ihrer Aufgabe des Stadionrestaurants vor dreieinhalb Jahren die Atmosphäre als Gastgeberin, den gesellschaftlichen Reiz eines Restaurants. Das alles rief nach einer neuen Herausforderung. Im Herbst 2015 dann setzte sie sich erstmals mit der Bürgergemeinde in Verbindung, nachdem sie per Internet von der Pachtmöglichkeit erfahren hatte. «Ich weilte zu diesem Zeitpunkt in den USA», so Karmen Müller. Sie will das Traditionsrestaurant für ein breites Publikum geöffnet haben. Unkompliziert soll das Cachet des Hauses sein. Die Gäste sollen das Haus in guter Erinnerung behalten und wiederkommen.

«Ich werde nicht viel ändern am Inventar», meint sie. Ein neues Buffet wird eingebaut, alles andere sei absolut in Ordnung. Gewinnmaximierung übrigens hat bei der 54-jährigen Mutter zweier erwachsener Söhne nicht erste Priorität, wie sie einräumt. Der Betrieb habe für sie keinen ausschliesslich existenziellen Charakter.

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