Olten

Einblicke in die unbekannte Welt der Prostituierten

Lysistrada zeigt eine Doku zu «Lovemobil». (Symbolbild)

Am 11. und 12. November zeigt die Fachstelle Lysistrada den Dokufilm «Lovemobil» in einer Schweizer Vorpremiere in Olten.

Fast unverschämt stimmungsvoll sind sie, die Bilder von den Lovemobilen – zu Mini-Bordellen umfunktionierten Wohnwagen – an einer Deutschen Fernverkehrsstrasse, die Elke Margarete Lehrenkrauss aufgenommen hat: bunte Lichter in der Windschutzscheibe, Eiszapfen am Dach, ein Frauenkörper im Gegenlicht. Die filmische Schönheit dieser Bilder kontrastiert mit dem harten Alltag der Frauen, die in diesen Wohnwagen als Prostituierte arbeiten. Sie kommen aus Osteuropa oder Afrika und hoffen in Deutschland auf das schnelle Geld und ein besseres Leben. Aber der Preis dafür ist hoch.

Neben Milena aus Bulgarien und Rita aus Nigeria porträtiert Lehrenkrauss auch Uschi, eine deutsche Sexarbeiterin, die nicht mehr selber anschafft, sondern den weitgereisten Frauen Wohnwagen vermietet – und ihnen schamlos hohe Mieten abknöpft. Wehren können sich die Sexarbeiterinnen kaum: Der ökonomische Druck ist zu gross, die arbeitsrechtliche Situation zu schwierig. Kommt hinzu, dass niemand wissen darf, als was Rita und Milena arbeiten. Und dass es ihnen die gesellschaftliche Stigmatisierung verunmöglicht, eine andere Arbeit zu ergreifen. Die Perspektivlosigkeit ihrer Situation, die von Einsamkeit und Langeweile geprägt ist, ist bedrückend. Als schliesslich auch noch eine Kollegin umgebracht wird, macht sich in den Lovemobilen die Angst breit.

Differenziert und respektvoll

«Lovemobil» zeigt differenziert auf, was am Leben und Arbeiten von prekarisierten Sexarbeiterinnen – also solchen mit wenig Bildung, schlechten Sprachkenntnissen und ohne soziales Umfeld – alles schwierig ist. Respektvoll und feinfühlig begleitet er die Frauen, lässt sie selbst zu Wort kommen und gibt dadurch intime Einblicke in deren Welt. Das macht den Film zu einer echten Perle.

Und obwohl es diese Form der Prostitution in der Schweiz nicht gibt, sind es gerade Frauen wie Rita und Milena, die auf die Unterstützung von Organisationen wie Lysistrada angewiesen sind. Sie brauchen das Ohr von Menschen, die ihnen unvoreingenommen begegnen und sie im vollen Wissen um ihre Situation beraten können – am besten in ihrer Muttersprache. Und sie brauchen eine Stimme, jemanden, der sich für sie einsetzt, weil sie selber es nicht können oder wollen. Diese beiden Aufgaben übernimmt die Fachstelle Lysistrada. Um zu zeigen, womit es die Mitarbeiterinnen von Lysistrada (auch) zu tun haben, hat die Fachstelle «Lovemobil» nach Olten geholt und präsentiert den Film an zwei Abenden in einer exklusiven Schweizer Vorpremiere. Wie immer findet Cinema Lysistrada in Zusammenarbeit mit dem Kino Lichtspiele statt. (mgt)

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