Olten

Ein Trio auf der Bühne und 200 «Kultur-Probanden» im Saal

Hauptdarstellende: von links Roman Wyss, Nicole Knuth und Pedro Lenz als unterhaltsames Trio.

Hauptdarstellende: von links Roman Wyss, Nicole Knuth und Pedro Lenz als unterhaltsames Trio.

«Knapp Live» zelebrierte mit Pedro Lenz, Roman Wyss und Nicole Knuth die neue Kultur-Normalität in der Schützi Olten.

200 – so viele Besucher gab es in Olten schon lange nicht mehr an einer öffentlichen Veranstaltung. Die «Kultur-Probanden», wie Thomas Knapp sein Publikum liebevoll nannte, lauschten den Klängen und Stimmen von Pedro Lenz, Roman Wyss und Nicole Knuth bei «Knapp Live» in der Schützi.

Den Abend eröffnet Organisator Thomas Knapp und entschuldigt sich auch gleich für die etwas stickige Luft in der Schützi. Das Gebäude sei «halt nicht Minergie-Standard» und deshalb der spätsommerlichen Hitze gnadenlos ausgesetzt. Prompt tupfen sich einige Gäste, säuberlich in Gruppen getrennt, schmunzelnd den Schweiss von der Stirn. Wenn Pedro Lenz vorliest, nimmt man gerne mal ein paar Schweisstropfen in Kauf.

Verlorenes Portemonnaie provoziert Kicherlaute

Lenz eröffnet den Abend mit einer Geschichte über ein verlorenes Portemonnaie. Sofort steigt die Vorfreude im Publikum spürbar an. Kaum sind die ersten Reime gesprochen, huschen frohlockende Kicherlaute durch die alte Turnhalle – auch an den Stellen, die eigentlich noch nicht witzig sind. Es scheint, als würde die blosse stimmliche Anwesenheit Lenz’ das Publikum nach Monaten der Abstinenz entzücken.

Nach dem ersten Applaus bittet er seine beiden Gäste Nicole Knuth und Roman Wyss auf die Bühne. Die nächsten gut 30 Minuten bieten der Musiker und die Schauspielerin einen satirischen Exkurs über Kulturschaffende, der in einer Tirade gegen Schlagermusik gipfelt. Zum Ohrwurm «Düse, düse, düse, düse im Sauseschritt» klatscht das Publikum sitzend, in bester Schlager-Manier zum Takt. So sieht fein verpackte Schlager- Satire im ironisch-schillernden Schlager-Mantel aus.

Gedankenflüsse am Piano gekonnt untermalt

Danach gibt Pedro Lenz einige seiner Texte zum Besten. Die Lenz’schen Gedankenflüsse über Themen wie extreme Körpergrössen und Reizüberflutung bei «Gschwellti und Crèmeschnitte» werden von Roman Wyss am Piano geschickt pointiert. Vor der Pause lässt sich Lenz zu einem mittlerweile fast schon ikonischen, etwas hüftsteifen Tänzchen verleiten, während Wyss seinen Text über Ferien auf Kuba mit einem mitreissenden Cuban Groove musikalisch unterlegt.

Nach der Pause liest Knuth aus Lenz’ Neuling «70, Der Weg zum Himmel – Siebzig Heldenporträts», einer Sammlung an Sportkolumnen. Wyss begleitet und die beiden schaffen es so, den Geschichten eine neue Ebene zu verleihen. Oder wie es Lenz zu Beginn des Abends formuliert hat: Knuth könne besser hochdeutsch als er, und durch Wyss würden die Texte «musikalisch verbessert». Gebannt verfolgt Lenz, wie seine beiden Gäste einen Text über die «dumpfe Choreografie des Triumphes», sanft begleitet von Queens «We Are The Champions» auf dem Piano vortragen.

Strahlende Augen

Die Kombination gelingt. Das lässt sich neben dem Applaus aus dem Publikum auch aus den Augen von Pedro Lenz ablesen, die erstrahlen, wie es sonst nur Kinderaugen können. Nachdem Lenz im November letzten Jahres mit Simon Spiess und Malcolm Braff zum ersten Mal mit Musikern aufgetreten ist, scheint ihm die Zusammenarbeit immer mehr zu gefallen.

Den Schluss macht Lenz mit Mundart-Anekdoten über Wandergruppen im Zug und Jäger im Wallis. Nach gut zwei Stunden verabschiedet sich das Trio und die gut 200 «Kultur-Probanden» verlassen zufrieden die Schützi. Besucherin Bozena Weasielewska aus Starrkirch bringt das Phänomen Pedro Lenz auf den Punkt: «Seine Texte haben eine bestimmte Tiefe und sprechen zum Teil das aus, was ich selber auch denke.»

Rita Meier aus Dulliken findet: «Es tut gut, nach all den Monaten endlich wieder einmal einen Kultur-Anlass zu besuchen.» Es entsteht so in der Schützi ein kleiner Vorgeschmack auf eine neue Oltner Kultur-Normalität.

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