Olten

Ein Mann soll auf eine Frau folgen: Mit Raphael Schär wollen die Grünen den Sitz im Stadtrat verteidigen

Raphael Schär soll bei den Grünen auf Iris Schelbert folgen.

Raphael Schär soll bei den Grünen auf Iris Schelbert folgen.

Die Oltner Grünen wollen mit dem bald 33-jährigen Raphael Schär den Sitz der abtretenden Stadträtin Iris Schelbert verteidigen. Zwei Frauen mit Wahlchancen haben für eine Kandidatur abgesagt.

Noch am Wahltag im April 2017 hat Iris Schelbert verlauten lassen, dass sie mit der dritten Legislatur die letzte ihrer Amtszeit als Stadträtin antritt. Die Grünen haben nun vergangenen Donnerstag entschieden, dass sie mit Raphael Schär den einzigen Sitz in der Oltner Stadtregierung verteidigen wollen, wie diese Zeitung exklusiv weiss. Der bald 33-Jährige sitzt seit November 2018 wieder im Gemeindeparlament und führt seither die vierköpfige Fraktion an. Bereits im November 2016 rutschte er nach, schaffte dann aber im April 2017 die Wiederwahl als Bisheriger nicht. Gleich von Beginn weg aufgefallen ist Schär im Gemeindeparlament mit mehreren Vorstössen zu Energiethemen.

Diese Politik will der an der ETH ausgebildete Maschinenbauingenieur auch im Stadtrat weiterführen: «Es gibt sehr viele Themen, die weiterhin eine grüne Stimme brauchen», sagt er auf Anfrage. Er denkt dabei hauptsächlich an den Umgang mit dem Klimawandel in der Stadt; aber auch Gleichstellungsthemen wie gut ausgebaute Strukturen bei der ausserfamiliären Betreuung wie Kindertagesstätte oder Mittagstische beschäftigen den verheirateten, aber noch kinderlosen Schär. Daneben setzt er sich als Mitbegründer des Vereins Lebendige Oltner Nachbarschaft für genossenschaftlichen Wohnraum ein, der bezahlbar ist. Auch beim Verein RestEssBar, der abgelaufene, aber noch geniessbare Lebensmittel sammelt und kostenlos weitergibt, ist er an der Front aktiv. Schär hofft nun, dass trotz Corona im nächsten Jahr ein Wahlkampf möglich ist, damit er seine Bekanntheit noch steigern kann. Er ist im St. Galler Rheintal aufgewachsen und wohnt seit 2014 in Olten.

Aussichtsreiche Frauen wollen nicht kandidieren

Wie kam die Kandidatur der fünftgrössten Partei auf dem Platz Olten zustande? Eine Findungskommission hat insgesamt fünf Papabili «ernsthaft angefragt», wie Präsidentin Myriam Frey Schär auf Anfrage sagt, und dann zusammen mit dem Vorstand der Grünen einen Entscheid gefällt. Die Frage stellt sich, wieso ausgerechnet die gesellschaftlich aufgeschlossenen Grünen einen Mann als Nachfolge einer Frau zur Nomination empfehlen? Frey Schär schreibt dazu: «Wir Grünen leben Gleichberechtigung auf allen Ebenen und haben einen Frauenanteil in politischen Ämtern wie sonst keine Partei. Natürlich schicken wir gerne Frauen ins Rennen, aber wir stehen voll hinter Raphael Schärs Kandidatur, der sich übrigens in Gleichstellungsfragen nicht anders positionieren wird als eine grüne Frau.» Und Schär selbst äussert sich folgendermassen zum Thema: «Gleichstellungsthemen sind mir als junger moderner Mann, der versucht als gutes Beispiel voranzugehen, nicht fremd.»

Vielleicht liegt es auch daran, dass aussichtsreiche Frauen der Findungskommission eine Absage erteilt haben. Myriam Frey Schär, die seit über zehn Jahren im Gemeindeparlament sitzt und seit 2019 auch im Kantonsrat politisiert, hat sich selbst schon früh aus dem Rennen genommen.

Und Anna Engeler, die zehn Jahre Gemeindeparlamentarierin war – dabei sogar das Parlamentspräsidium innehatte –, und seit 2019 im Kantonsrat sitzt, will ebenfalls nicht. Sie schreibt auf Anfrage: «In der Findungsphase wurde ich ebenfalls angefragt als Kandidatin. Für mich persönlich jedoch kam eine Kandidatur aufgrund meiner beruflichen und persönlichen Situation zu keinem Zeitpunkt in Frage.»

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