Olten

«Du sollst anständig bauen» – so aktuell wie nie

Drei Bewohner der Cuben, Christian Röthenmund, Marc Thommen, Urs Stuber (Zertifizierungsstelle Solothurn), Regierungsrätin Esther Gassler, Peter Ungerer und Daniel Blaser (OLTRA AG)Bruno Kissling

Drei Bewohner der Cuben, Christian Röthenmund, Marc Thommen, Urs Stuber (Zertifizierungsstelle Solothurn), Regierungsrätin Esther Gassler, Peter Ungerer und Daniel Blaser (OLTRA AG)Bruno Kissling

Am Freitag wurden mit den Mehrfamilienhäusern Cubus 1 und 3 die ersten Minergie-A-Gebäude im Kanton zertifiziert. Regierungsrätin Esther Gassler hofft, dass Gebäude wie diese von der Ausnahme zum Standard werden.

Im Oltner Bornfeld stehen mit den Cuben 1 und 3 zwei Gebäude mit Pionierstatus. Mit ihnen wurden nämlich gestern Freitag die ersten Minergie-A-Gebäude im Kanton Solothurn zertifiziert. Die Zertifikats-Übergabe an die Bauherrschaft OLTRA AG übernahm Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler.

Bei diesem höchsten aller Energie-Standards müssen der Aufwand für Wärme und Lüftung sowie der Restbedarf vollständig mit erneuerbaren Energien gedeckt sein; dies geschieht im Fall der Cuben mit Fotovoltaikanlagen auf den Dächern. Pflicht sind ausserdem Haushalts- und Bürogeräte sowie Leuchten von bester marktgängiger Technik. Zudem existieren Limits für den Aufwand zur Herstellung des Gebäudes und zur Beschaffung der Systeme und Komponenten (Graue Energie).

«Bauten mit Vorbildcharakter»

Genau dieses Energie-Konzept wurde von Regierungsrätin Gassler gelobt: «Schön, gibt es im Kanton Solothurn Bauherren, die sich einer nachhaltigen Bauweise verpflichtet fühlen und Bauten mit Vorbildcharakter erstellen.» Die Cuben würden sich in eine Vielzahl gelungener und zukunftsweisender Energieprojekte im Kanton reihen.

Obwohl: Das Streben nach Energieeffizienz und der verstärkten Nutzung von erneuerbaren Energien ist gemäss Gassler gar nicht so neu – schliesslich sei im ältesten Baugesetz des Kantons Bern angeblich nur ein einziger Satz gestanden: «Du sollst anständig bauen.» Für sie stand fest, dass diese Worte «heute eben auch energieeffizient und erneuerbar» bedeuten.

Energieeffizienz Rechnung tragen

Und mit den Worten «anständige Bauten brauchen anständige Bauherren» leitete Christian Röthenmund, Geschäftsführer Minergie, zu Marc Thommen von der Bauherrschaft
OLTRA AG über. Dem Begriff der Energieeffizienz sowie den höchsten Ansprüchen der Energiezukunft wollte die OLTRA AG gerecht werden, erklärte dieser und zeigte sich überzeugt: «Minergie A bedeutet einerseits erhöhten Umweltschutz, andererseits mehr Komfort und Lebensqualität für die Wohnungsbesitzer.» Gleichzeitig sei der Minergie-A-Standard der anspruchsvollste, betonte Thommen.

Das ehrgeizige Projekt wurde dementsprechend zeitig aufgegleist. Projektleiter Peter Ungerer von der Ungerer AG erwähnte denn auch, dass man schon früh mit der Zertifizierungsstelle in Kontakt trat und die Standards P und A ins Projekt einfliessen liess. «Ziehen die Beteiligten von Beginn an am gleichen Strick, kann man alles – zum Beispiel den mit einer Zertifizierung verbundenen administrativen Aufwand – bewältigen», begründete er.

Aufgabe ist kein «Pappenstiel»

Dass das Bauen nach Minergie-A-Standard kein leichtes Unterfangen ist, wurde von Christian Röthenmund mehrmals wiederholt: «Es ist definitiv kein Pappenstiel.» Verglichen mit einem Einfamilienhaus gestalte sich die Situation bei einem Mehrfamilienhaus zusätzlich schwierig. Denn die Grösse der Dachfläche, auf der die Fotovoltaikanlage steht, sei bei Mehrfamilienhäusern nicht viel grösser. «Nur wohnen darin mehr Menschen, was den Energiebedarf steigert.» Aus diesem Grund sei eine gute Ausrichtung der Fenster oder eine optimale Gebäudehülle von grosser Bedeutung.

Umso stolzer über die erfolgreiche Realisierung des Projekts war man dann gestern bei der Zertifizierung. Thommen und Röthenmund teilten die Auffassung, dass die Werthaltigkeit bei einer Minergie-A-Wohnung besser sei. «Dank der eigenen Fotovoltaik-Anlagen ist man unabhängig von steigenden Energiepreisen», meinten die beiden unisono. Begeistert zeigte sich Röthenmund ferner vom Tablet im Eingangsbereich der Cuben, welches die Energieproduktion der Fotovoltaikanlagen anzeigt. «Damit wird das Bewusstsein für den Energiebedarf spielerisch gefördert.» Förderung will auch Esther Gassler betreiben, die am Ende ihrer Rede meinte, dass Objekte wie diejenigen im Bornfeld zum Standard werden müssten. Mit den schweizweit insgesamt 53 nach Minergie-A-Standard zertifizierten Mehrfamilienhäusern stellen die Cuben momentan aber noch die Ausnahme dar.

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