Die Schweiz ist ein Berufsbildungsland. Rund sieben von zehn Schulabgängerinnen und Schulabgängern wählen hierzulande den Berufsbildungsweg, auch im Kanton Solothurn. Das kommt nicht von ungefähr, denn die Schweiz verfügt über ein ausgezeichnetes Berufsbildungswesen, das andere Länder zu kopieren versuchen und dessen Erfolg sich an der Berufsmeisterschaften SwissSkills in Bern widerspiegelt. Dabei sind auch acht Berufsschülerinnen und -schüler des Berufsbildungszentrum (BBZ) Olten: sechs Gebäudereinigerinnen und -reiniger, eine Fachfrau Gesundheit (FaGe) sowie eine Logistikerin.

Durchlässigkeit bis zur Uni

Die Berufsmesse in Bern, an der die 900 besten jungen Berufsleute aus 135 verschiedenen Berufen um den Schweizermeistertitel kämpfen, zeigt, wie attraktiv die Berufslehre ist. Kein Wunder, denn durch die Durchlässigkeit im Bildungswesen hat die hiesige Berufsbildung weiter an Attraktivität gewonnen: Über die Berufsmittelschule stehen den Absolventen einer Berufslehre die Türen zu den Fachhochschulen und bis zu den Universitäten offen.

Einen Beruf erlernen und sich gleichzeitig mit einer Maturität für einen Studienweg befähigen – was will ein leistungswilliger, kluger Jugendlicher mehr. Schade nur, dass die in die Lehre integrierte Berufsmaturität gar nicht mehr so gefragt ist und heute gegen zwei Drittel der Berufsmaturanden den einjährigen Lehrgang nach Abschluss der beruflichen Grundausbildung wählen.

Leider hat dieser Trend massgeblich auch mit der mangelnden Ausbildungsbereitschaft von Lehrbetrieben zu tun. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Sonst laufen die Lehrbetriebe Gefahr, dass sich leistungsbereite, tüchtige Jugendliche mit einem gut gefüllten Schulsack anders orientieren. Das darf nicht geschehen, denn die Schweiz soll ein Berufsbildungsland, das als Erfolgsmodell über Europa hinaus Vorbildcharakter hat, bleiben.

Berufsbildung für Erwachsene

Dass hierzulande der überwiegende Teil der Schulabgänger eine Berufslehre machen, ist erfreulich. Weniger erfreulich ist: In der Schweiz sind mehr als eine halbe Million Erwachsene gering qualifiziert oder haben keinen zeitgemässen Abschluss, im Kanton Solothurn sind es etwa 25'000 Personen. Und es existieren landesweit nur wenige Angebote, um einen Abschluss nachzuholen oder bereits erworbene Kompetenzen anerkennen zu lassen.

Dies verwundert insofern, als die Berufsbildung für Erwachsene auf der bildungs- wie sozialpolitischen Agenda steht. Sie gilt als Instrument zur Linderung des Fachkräftemangels und als Mittel zur Armutsprävention und -bekämpfung. Durch die sogenannte Nachholbildung soll deshalb auch Erwachsenen ein Berufsabschluss ermöglicht werden. Besonders stark engagiert sich in diesem Bereich das BBZ Olten, das ein eigenes Modell entwickelt hat und heute über die grösste Nachholbildungsorganisation der Schweiz verfügt: Derzeit absolvieren in Olten rund 300 Personen eine Nachholbildung.

Vielfältiges Angebot

In der Nachholbildung am BBZ Olten werden folgende Berufe angeboten: Anlagenführer, Detailhandelsfachmann, Gesundheitsberufe (FaBe, Fachfrau Gesundheit), Gebäudereiniger, Logistiker und Tierpfleger. Neben der Nachholbildung gibt es am im Bereich der Erwachsenenbildung am BBZ Olten Olten noch weitere Bildungsangebote: Sprachkurse, Lehrgänge Sachbearbeitung für Personalassistenten und Sachbearbeiter Rechnungswesen/Logistik, Kurse für Lernende (zum Beispiel Vorbereitungskurse Berufsmittelschule, diverse andere Vorbereitungs- und Fachkurse, Informatik-Anwendung), höhere Berufsbildung (Logistikbranche, Coiffeurgewerbe) sowie Kurse für Neubürger und Berufsbildner. Das Angebot ist also sehr vielfältig.

Herausforderungen der Zukunft

Blick in die Zukunft: Im Zusammenhang mit der Industrie 4.0 und der Digitalisierung in der Wirtschaft stehen das Berufsbildungswesen und die Berufsfachschulen vor grossen Herausforderungen. Der Bund bzw. das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI hat diesbezüglich das Projekt «Berufsbildungsstrategie 2030» lanciert. Gefordert ist eine weitere Modularisierung der Grundbildung. Denn es geht darum, die Effektivität der dualen Bildung für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes auch in Zukunft sicherzustellen. SwissSkills sollen auch künftig überzeugen!