Die von 935 Genossenschaftern besuchte und vom einheimischen Conférencier «Mige» Stalder gewohnt humorvoll moderierte 116. Generalversammlung der Raiffeisenbank Untergäu barg gleichzeitig auch ein kleines Jubiläum in sich. Denn es war die 10. GV, seit sich die damaligen Raiffeisenbanken Hägendorf-Rickenbach, Wangen und Kappel-Boningen-Gunzgen zusammengeschlossen hatten. Für Roland Bannwart, den Vorsitzenden der Bankleitung, eine ideale Gelegenheit, in seinem Geschäftsbericht auf ein erfolgreiches Jahrzehnt zurückzublicken.

Weitsichtiger Entscheid

Tatsächlich sind die Zahlen beeindruckend und unterstreichen die Weitsichtigkeit des damaligen Entscheids. So stieg die Bilanzsumme seit der Fusion um satte 50 Prozent von 582 auf 876 Millionen Franken. Die Kundengelder wuchsen in der gleichen Zeit gar um 57 Prozent von 446 auf 699 Millionen Franken. Und auch die Zunahme der Ausleihungen um 35 Prozent von 528 auf 714 Millionen Franken darf sich sehen lassen – «auch wenn wir in diesem Geschäftsbereich», so Roland Bannwart, «den zunehmend schärferen Konkurrenzkampf spüren.»

Weil die Raiffeisenbank Untergäu auch 2017 überaus solid gewirtschaftet hat (siehe Box), ist die erfreuliche Geschäftsentwicklung Balsam für die Seele des Geschäftsleitungsvorsitzenden angesichts der Negativschlagzeilen aus der Raiffeisen-Zentrale in den vergangenen Wochen. «Wir sind uns das nicht gewohnt, sorgen wir doch mit unserem täglichen Einsatz an der Kundenbasis für den guten Ruf unserer Bankengruppe. Und ich kann ihnen versichern: Wir sind immer noch Raiffeisen», betonte Roland Bannwart.

Imageschaden korrigieren

In die gleiche Kerbe schlug auch Viktor Müller, der aus aktuellem Anlass die «Causa Vincenz» ebenfalls kurz streifte. «200 Jahre nach der Geburt von Friedrich Wilhelm Raiffeisen hat die Genossenschaftsidee – Geld aus der Region für die Region – nichts von ihrer Aktualität eingebüsst», unterstrich der Verwaltungsratspräsident in seinem Jahresbericht. «Deshalb müssen wir auch nicht die genossenschaftliche Struktur unserer Bank hinterfragen. Jedoch besteht Handlungsbedarf beim Verhältnis zwischen den Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz – mit dem Ziel, den Imageschaden zu korrigieren.»

Das Unschöne an der ganzen Sache ist laut Viktor Müller, «dass die Schweizer Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr Hervorragendes geleistet und das beste Ergebnis in ihrer Geschichte erzielt haben. Doch dieser grosse Erfolg ist durch die jüngsten Negativmeldungen leider etwas in den Hintergrund gerückt. Wir stehen jedoch weiterhin für eine seriös arbeitende Bank.»

Über deren Zukunft – insbesondere über die Gestaltung des Vertriebs – hat der Verwaltungsrat gemäss seinem Präsidenten im vergangenen Jahr intensiv diskutiert. «Wir werden neue, auch digitale Kanäle nutzen. Denn wer in diesem Bereich nicht Schritt hält, wird nicht mehr lange wettbewerbsfähig bleiben», ist Viktor Müller überzeugt. Dazu gehöre auch ein flexiblerer Einsatz des Personals beispielsweise für Kundengespräche zu Hause.

Time to say goodbye

Apropos Personal: Mit Ruth Grolimund (sie trat 1994 in die damalige Raiffeisenbank Wangen ein) und Marc Rechsteiner (auch er begann 1995 bei der Raiffeisenbank Wangen) gehen zwei langjährige Mitarbeitende der Raiffeisenbank Untergäu Ende März in Pension. «Die beiden hinterlassen eine grosse Lücke, verlieren wir doch fast 50 Jahre Raiffeisen-Know-how», sagte Roland Bannwart. Er wünschte den beiden viel Glück für die neue Lebensphase und überreichte ihnen unter dem Applaus der Genossenschafter Abschiedsgeschenke.

Ihr Pensionsalter bereits erreicht hat Maja Brunner. Dass sie aber immer noch viel Drive draufhat, bewies die Schweizer Sängerin – passend zum GV-Motto «Swissness» – mit ihrem glanzvollen, zum Schunkeln einladenden Auftritt.