Technologie-Preis
Die kleine Pumpe dieser Hägendörfer Firma rettet Leben

Die Hägendörfer Medizintechnologie-Firma Sensile Medical ist für den wichtigsten Schweizer Technologie-Preis nominiert. Das Unternehmen stellt Abgabesysteme für flüssige Medikamente her. Und ist damit ein innovativer Betrieb.

Rahel Bühler
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Sensile-Medical-CEO Derek Brandt und Verkaufsleiterin Sandra de Haan präsentieren eines ihrer Abgabesysteme für Flüssigmedikamente.

Sensile-Medical-CEO Derek Brandt und Verkaufsleiterin Sandra de Haan präsentieren eines ihrer Abgabesysteme für Flüssigmedikamente.

BRUNO KISSLING

Unscheinbar und ganz klein ist sie, die Kerntechnologie des Medizintechnolgie-Unternehmens Sensile Medical aus Hägendorf. Die Rede ist von einer Mikropumpe, einem zweiteiligen Kunststoffstück, mit dem ein flüssiges Medikament aus einem Fläschchen durch eine Nadel in den Körper des Patienten gepumpt wird. Ein Patient kann seine Medikamente in unterschiedlicher Weise zu sich nehmen: Tabletten, Sprays oder auch, und dies kommt immer häufiger vor, in flüssiger Form.

Üblicherweise erfolgt die Verabreichung der flüssigen Arzneimittel in Form von Spritzen. Hier setzt die Technologie von Sensile Medical an. In jahrelanger Arbeit hat das Unternehmen ein Abgabesystem für Flüssigmedikamente entwickelt, bei welchem sich der Patient nicht mehrmals täglich eine Nadel setzen muss. Je nach Typ sieht das System wie eine kleine Schachtel aus, die in die Handfläche passt und sich der Patient mit einer Art Heftpflaster auf die Haut kleben kann. Darin befindet sich das Fläschchen mit dem Medikament. Es gelangt durch die eingangs erwähnte Mikropumpe zur Nadel, welche auf der zum Körper gekehrten Seite der Schachtel liegt.

Der Patient sieht die Nadel also nicht. Die Schachtel befindet sich je nach Bedarf mehrere Tage am Körper des Patienten. Die Mikropumpe wird durch einen Motor angetrieben, welcher den Strom von wiederaufladbaren Batterien oder einem Akku bezieht. «Damit haben erfunden, was für Patienten einfach zu bedienen und kostengünstig für das Gesundheitswesen ist», weiss Verkaufsleiterin Sandra de Haan. Zum Einsatz kommt dieses System zum Beispiel bei Diabetes, Parkinson oder multipler Sklerose.

Gegründet wurde die Firma 2004 im zugerischen Baar. «Bis 2006 war eine Garage mit zwei, drei Angestellten unser Geschäftssitz. Als wir erkannten, dass unser System funktioniert, entschlossen wir uns, eine richtige Firma daraus zu machen und zügelten nach Hägendorf», erzählt Derek Brandt, CEO des Unternehmens. Hägendorf sei als Standort ideal, da die Gemeinde in der Mitte von Basel, Bern und Zürich liegt. Mit den neuen Räumlichkeiten konnte das Unternehmen denn auch rasch wachsen und beschäftigt zur Zeit 56 Angestellte; mit Potenzial nach oben. Das Ziel, so Brandt, sei es, bis in zwei Jahren um die 100 Personen zu beschäftigen. Und genau dort liegt das Problem: «Wir haben einige Projekte in der Pipeline, doch es ist äusserst schwierig, qualifizierte Arbeitnehmer zu finden.» Das Manko liegt vor allem bei den Ingenieuren. «Es gibt zu wenig Ingenieure für die Anzahl freier Arbeitsplätze», stellt Brandt klar.

Von der Idee zum fertigen Produkt, wie es vom Arzt verschrieben wird, bedarf es eines langen Arbeitsprozesses. Derek Brandt: «Zuerst bekommen wir von einem Pharmaunternehmen den Auftrag, ein Gerät für eine spezielle Therapie zu entwickeln. Anschliessend werden Patienteninterviews durchgeführt, um herauszufinden, wie das Medikament verwendet wird. Daraufhin geht es an die Konstruktion des Produkts und am Schluss an die Herstellung.» So stellt das Unternehmen quasi das Bindeglied zwischen Pharmaunternehmen, welche die Medikamente herstellen, und Patienten, welche das Medikament brauchen, dar. Zu Sensile Medicals Kunden gehören mittlere und grosse Pharmaunternehmen aus dem Ausland, deren Namen weder der CEO noch die Verkaufsleitern sagen will, bzw. kann. «Geheimhaltung wird in unserer Branche grossgeschrieben», heisst es.

In Hägendorf befindet sich das Büro, die Geräte produzieren externe Partnerfirmen in Europa. Die Geräte sind auch mehrsprachig aufrüstbar – man denkt also global. Nur: Auf dem Markt befindet sich zur Zeit noch nichts. Allerdings nicht mehr lange. «Im nächsten Jahr wird das erste Produkt in der Schweiz lanciert, ein zweites ebenfalls nächstes Jahr in Amerika», erklärt Brandt. Dass ein bestimmtes Abgabesystem von der Untergäuer Firma hergestellt wurde, sieht der Konsument jedoch nicht; die Geräte sind nicht mit dem Namen des Technologieunternehmens versehen.

Mit der Entwicklung dieser Abgabesysteme hat sich die Firma eine Nomination für den Swiss Technology Award in der Kategorie «Innovation Leader» eingeheimst. «Dass wir nun zu den besten drei gehören, sehen wir als Bestätigung unserer Arbeit», erklärt Brandt. Natürlich möchten wir den Titel mit nach Hause nehmen, aber wir erhoffen uns von der Bewerbung vor allem, dass man auf uns aufmerksam wird. Nicht speziell Kunden, davon haben wir momentan genügend, aber Mitarbeiter.»