Trenpunkt

«Derzeit kommen Disneymotive gut an»: Solothurner Firma entwirft Kleider für die Welt

Bei der Firma Trendpunkt in Hägendorf werden Kleider entworfen, die in der ganzen Welt verkauft werden. Statt eines Shootings in Südafrika wurden die neusten Kollektionen in der Region in Szene gesetzt.

Über die Seidenstrasse von Schanghai bis zur ersten Jurakette: Bei Trendpunkt, unweit der Teufelsschlucht, spriessen die Ideen für Mode aus engelweichen Stoffen. Von Hägendorf finden Kleider aus Kaschmir und anderen feinen Materialien den Weg in Europas Garderoben. Aber: Das Coronavirus durchkreuzt derzeit nicht nur die Reisepläne vieler Ferienhungriger; auch so manches Unternehmen sieht sich gezwungen, kurzfristig neue Wege zu gehen.

Für das Hägendörfer Textilunternehmen Trendpunkt Anlass, seine Mode vor der eigenen Haustür in Szene zu setzen. Die neuen Kollektionen der hauseigenen Marken «Princess goes Hollywood» und «Frogbox» sollten ursprünglich unter der Sonne von Kapstadt ins Licht gerückt werden. «Locations, Fotograf, Models und unsere Flüge, alles war gebucht», erzählt Marketingleiterin Rahel Schenk.

Zügig musste also ein neuer Plan her. Statt Kap der guten Hoffnung, Tafelberg und südafrikanischer Weinberge dienten kurzerhand die grünschimmernde Teufelsschlucht, die farbenfroh beschirmte Oltner Kirchgasse sowie Kanten und Ecken des Steinbruchs in Egerkingen als Kulisse für die aktuellen Spätsommer- und Herbst-Winterkollektionen. Erfreut seien sie über die positiven Reaktionen gewesen, als es darum ging, die notwendigen Bewilligungen einzuholen. «Von allen Angefragten haben wir sofort eine Zusage erhalten. Im Steinbruch veranstaltete man für uns sogar ein kleines Barbecue», erzählt Schenk.

Vom Mechaniker zum Modeschöpfer

Vor dem Unternehmenssitz ist Kuhglockengeläut zu vernehmen, hin und wieder lässt sich ein Reh blicken im Garten hinter dem Haus. Die Konzepte und Zeichnungen für Kleider, die ihre Käuferschaft in ganz Europa findet, entstehen wenige Meter vom Eingang zur Teufelsschlucht entfernt. Die Wiege der Damenmode aus Hägendorf liegt abseits der modischen Epizentren wie Paris, Mailand oder London.

Trotzdem oder gerade deswegen ist sie nicht blass und unauffällig, sondern farbenfreudig, aufsehenerregend. Blumenreiche Muster, verspielte Drucke und leuchtende Farben erheischen Aufmerksamkeit. Vom kleinen Strickwarenproduzenten entwickelte sich das Unternehmen in den vergangenen vierzehn Jahren zu einer etablierten Grösse in Sachen Damenmode. Gründer und Inhaber von Trendpunkt, Christian Gehrig, tauschte nach einer Ausbildung zum Automechaniker 1981 den Schraubenschlüssel und Blaumann gegen Massband und Sakko.

Ein Teil selber entwerfen

Als Quereinsteiger heuerte er im Vertrieb eines Genfer Modeunternehmens an und fand Gefallen an der neuen Materie. Er gestaltete sein erstes eigenes Shirt, entwickelte später auf Mandatsbasis ganze Kleiderkollektionen, erfand eingängige Namen für neue Modelabels und verkaufte seine Ideen und Konzepte an Textilunternehmen.

Bis heute lässt er es sich nicht nehmen, hin und wieder ein Teil selbst zu entwerfen. Jedes Jahr entsteht eine limitierte Serie an Herrenmode, die für Familie und Freunde gedacht ist. «Beim Geschäft konzentrieren wir uns aber auf das, was wir am besten können», sagt Gehrig. Damit meint er hochwertige Damenmode, die mitunter mit witzigen Details aufwartet. «Beim Design von Männermode hingegen darf man nicht viel wagen. Denn hat Mann ein Teil, das ihm passt und gefällt, will er immer
wieder dasselbe.»

Zwanzig Angestellte und einige Saisonaushilfen arbeiten derzeit für Gehrig in Hägendorf, darunter sieben Modedesignerinnen.

, meint Gehrig mit einem Schmunzeln.

Was bei der Käuferschaft derzeit gut ankomme, seien lizenzierte Disneymotive wie Mickey und Minnie Mouse. «Damit bringen wir gute Stimmung in eine schwierige Zeit», sagt Gehrig, dessen Geschäft von der Coronakrise nicht unbehelligt blieb.

Seine Kundschaft, darunter der stationäre Handel mit rund 2000 Verkaufsstellen, von kleineren Boutiquen bis hin zu grossen Warenhäusern in Deutschland, Frankreich, Belgien und weiteren Ländern, hatte wegen des Lockdowns mit Umsatzeinbussen zu kämpfen. Zeitgleich zogen die Verkäufe im Onlinehandel rasant an und konnten die Umsatzverluste teilweise auffangen. «Wären wir mit unseren Marken nicht auch stark im Internet präsent, hätten wir ein gröberes Problem», so Gehrig. Bei Vermarktung und Vertrieb im Internet setzt man auf Social Media, grosse Onlinehändler und eigenen Shop.

Die Bluse reist im Zuge aus China an

Produzieren lässt Gehrig seine Mode in der Türkei, Griechenland, Bulgarien, Indien und China. Bei der Wahl der Produktionsstandorte spielen unter anderem Qualitätsstandards, Ressourcen und Transportwege eine Rolle. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte wurde vor kurzem eine Kollektion mit dem Zug von China nach Europa geliefert. 21 Tage dauert der Bahntransport auf der Neuen Seidenstrasse von Schanghai bis München. «Um ein Vielfaches schneller als mit dem Schiff und ökologischer als mit dem Flugzeug», sagt Gehrig.

Er, der von Olten in zwölf Minuten an seinem Arbeitsplatz ist, schätzt auch für seine Ware kurze Wege. Künftig soll deshalb die Produktion in Europa ausgebaut werden. Dazu würde passen, wenn die Hägendörfer fürs nächste Shooting wieder vor die eigene Haustür träten. An extravaganten Laufstegen mangelt es in der Region bekanntlich nicht.

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