Es ist 18.35 Uhr. Vor der Bäckerei Allenspach in Olten wartet eine kleine Gruppe von Oltner Freiwilligen mit einem leeren Zweirad-Anhänger. Auf einmal schliesst eine Mitarbeiterin von innen die Tür auf. Drinnen stehen zwei Plastikkisten voll Berliner und einige Brötli bereit zum Mitnehmen. «Rest-Ware werfen wir gewöhnlich bei Ladenschluss weg», sagt die Mitarbeiterin.

Ab heute aber voraussichtlich nicht mehr. Raphael Schär, einer der Freiwilligen, nimmt die Kisten entgegen und fixiert sie auf dem Anhänger. Nun gehts auf die rechte Aareseite, zum Oltner Gemeinschaftskühlschrank «Restessbar».

Das Prinzip ist einfach: Aus Läden und Restaurants der Region Olten werden täglich essbare Lebensmittel eingesammelt, die zum Beispiel aufgrund des erreichten Mindesthaltbarkeitsdatums, sonst weggeworfen werden. Freiwillige bringen die Ware dann zum öffentlich zugänglichen Kühlschrank, wo sich jede und jeder daraus bedienen kann.

Kühlschrank im Vorgarten

«Während heute in der Schweiz noch viel geniessbares Essen weggeworfen wird», sagt Tobias Vega, ein projekttragender Freiwilliger, «gibt es Leute, die sich bestimmte Lebensmittel gar nicht leisten können.» Am öffentlichen Kühlschrank sollen sich aber nicht nur solche Leute bedienen können, sondern zum Beispiel auch solche, die ein Zeichen gegen Foodwaste setzen möchten. «Er ist wirklich offen für alle.»

Wie viel Foodwaste entsteht in der Schweiz

An der Rosengasse 16, im Vorgarten des Reihenhauses eines Freiwilligen, stehen auf einem Tisch zwei kleine Kühlschränke. Ältere Modelle mit vergilbtem Lack. Aber sie funktionieren. Der 30-jährige Raphael Schär fasst zum Zahlenschloss, das am Kühlschrank angebracht ist, und öffnet es. «Obwohl das Prinzip sehr simpel ist, steckt bereits einiges an Arbeit dahinter», sagt er.

Unterstützung erhielt der Verein von der Rest essbar Winterthur, die schon Anfang 2014 lanciert wurde. «Auf ihre Empfehlung hin haben wir uns entschieden, die beiden Kühlschränke mit einem Zahlenschloss abzuschliessen», sagt er. Damit behalten sie zumindest ein wenig die Übersicht über das Kommen und Gehen am Kühlschrank. Der Code für das Zahlenschloss kann per SMS, Telefon oder Mail aufgerufen werden.

Kein Fleisch und Fisch

«Wir wollen und können aber nicht alle Nutzer und Nutzerinnen überprüfen», sagt Raphael Schär. Und trotzdem – eine gewisse Kontrolle müssen sie haben: Der Verein «Olten im Wandel», der den Kühlschrank finanziert, hat sich dazu verpflichtet, die geltenden Hygiene- und Gesundheitsstandards einzuhalten. Alles was in den Kühlschrank gelegt wird, wird mit einem Farbkleber markiert. Täglich kontrollieren Helfende, dass keines der Lebensmittel sechs Tage nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch angeboten wird. Gebäck, Gemüse und Früchte werden jeweils nach Sichtkontrolle sortiert. 

Nur so genehmigt die kantonale Lebensmittelbehörde die Restessbar. Inklusive einer Verbotsliste: Fleisch und Fisch zum Beispiel dürfen nicht weitergegeben werden. Deshalb werden hauptsächlich die Helfer und Helferinnen den Kühlschrank auffüllen. «Würde jeder sein Tupperware mit eigenen Resten in den Kühlschrank stellen, würde es mit der Qualitätskontrolle schwierig werden.» Gemüse, Früchte und Trockenware, wie zum Beispiel Reis und Mehl, können Nutzer aber vorbeibringen.

Raphael öffnet einen der zwei Kühlschränke. Die ersten zwei Abteilungen sind bereits mit Brot vom Vortag gefüllt. «Es wissen noch nicht viele vom Kühlschrank», sagt er. Sie hätten auch noch nicht gross Werbung gemacht, lediglich über Facebook. «Wir wollen mit den Nutzern wie auch den Geschäften langsam wachsen, so können wir die Übersicht behalten bzw. abklären, wie gross die Nachfrage konkret ist.» Damit will der Verein auch vermeiden, dass er selber Foodwaste produziert.

An der offiziellen Einweihung vom letzten Donnerstag versammelten sich bei Kerzenlicht rund 10 Helfer und Helferinnen vor den vollen Kühlschränken. Celine Müller (26), Studentin Soziale Arbeit, gehört zum kleinen Team. «Ich finde es ethisch verwerflich, Essen wegzuschmeissen. Vor allem weil es mit viel Energie produziert wurde.»

Deshalb werde sie gerne auch Routen übernehmen, um das Projekt zu unterstützen. Die Helferin Andrea Hänggli (35) hat bei der Einweihung auch ihre zwei Kinder mitgenommen. «Wir versuchen zu Hause generell, möglichst wenig wegzuwerfen», sagt sie. «Und wenn wir es mal tun, dann nicht vor den Kindern.» Denn: Foodwaste soll es in der Zukunft nicht mehr geben.