Olten

Das Buchfestival ist eröffnet: Weniger Müsterli und Bücher, dafür mehr Platz in der Schützi

Am Donnerstagabend ging das dritte Buchfestival mit dem Müsterli-Abend los, an dem alle fünf Künstlerinnen und Künstler nochmals in der Schützi zusammenkamen, wo mehrere tausend Bücher zum Verkauf stehen. Insgesamt gibt es an drei Tagen 49 Veranstaltungen an 14 verschiedenen Standorten.

Das Konzept sei noch geheim, sagte Inhaber Urs Bütler von der einheimischen Buchhandlung Schreiber bei der Medienkonferenz Ende September noch. Nun, am Donnerstagnachmittag konnte er den erstmaligen Auftritt seines Unternehmens am Buchfestival nicht mehr verheimlichen. Sogar das dreidimensionale Modell, das die Buchhandlung extra erstellt hat, war vor Ort zu sehen. «Wir wollten im Vergleich zu den Vorderjahren luftiger, einladender und verführerischer werden», sagte Bütler bei einer exklusiven Führung noch vor dem offiziellen Start um 17 Uhr.

Und tatsächlich: Im Vergleich zu den letzten beiden Jahren, als Bücher Lüthy aus Solothurn für den Bücherverkauf zuständig war, wirkt das Kulturzentrum weniger überladen: Es gibt mehr Platz zwischen den neu auch runden Tischen, wo unter anderem einzelne Verlage mit ihren Büchern präsentiert werden. Im Vorraum neben der Bar lädt eine Lounge zum längeren Schmökern ein, vor der kleineren Bühne sind rund 100 Stühle platziert, oben auf der Galerie gibt es ebenfalls weitere Stühle und Stehtische für rund 60 Personen. Das neue Konzept ist gemäss Bütler im Team entstanden, unter Beizug einer professionellen Dekorateurin. Die Buchhandlung wendet dafür einen mittleren fünfstelligen Betrag auf. 1400 Titel stehen zum Verkauf, rund 5000 Bücher wurden in die Schützi gekarrt.

Die Buchbranche sei «die schönste Branche der Welt» sagte David Ryf danach in passender Atmosphäre zum offiziellen Start vor dem Müsterli-Abend. Der Geschäftsführer des Schweizer Buchzentrums in Hägendorf machte den anwesenden Behörden- und Kulturvertretern Mut: Der Branche ginge es viel besser als gemeinhin angenommen: Die Buchverkäufe seien in den vergangenen Jahren nämlich stabil geblieben. 40 Prozent davon würden online abgesetzt.

Beste Werbung für das Kulturgut Buch in seiner breiten Vielfalt machten später die fünf Künstlerinnen und Künstler des Münsterli-Abends, die nach 21.30 Uhr alle nochmals in der Schützi zusammenkamen. Der Flumenthaler Christian Zimmermann erzählte von seinen Wanderungen mit einem umgebauten Einkaufswagen durch Australien und nach Moskau; der deutsche Kabarettist Bernd Gieseking davon, was er von der finnischen Sprache hält («eine Naturkatastrophe»). Die Schweizer Bestsellerautorin Blanca Imboden las eine Kolumne übers Zugfahren vor, der Berner Mundartautor Guy Krneta drei Kurztexte. Und der Barfussgeher Martl Jung aus Bayern zeigte einen kurzen Filmausschnitt seiner Wanderung über die Alpen.

Dieses Jahr neu war, dass die fünf Künstlerinnen und Künstler nur noch an fünf statt sieben Standorten zeitgleich auftraten. Die Organisatoren wollten so für mehr Besucher in den einzelnen Lokalen sorgen. Dies ist ihnen nur zum Teil gelungen. Im Café Grogg vermeldete Wirt Klaus Kaiser, dass von drei Veranstaltungen deren zwei gut bis sehr gut besucht waren. «Eine fand aber im intimen Rahmen statt.» Im Kulturlokal Coq d’Or war nur die Lesung zum Start um 18.30 Uhr voll, in den nachfolgenden beiden Lesungen waren gemäss Geschäftsführer Daniel Kissling noch rund zehn Leute anwesend.

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