Olten

Collie Herb zu seinem neuen Mini-Album: «Ich habe einfach drauflos geschrieben»

Collie Herb nimmt sich auf der neuen EP erzählerisch mehr Freiheiten.

Collie Herb nimmt sich auf der neuen EP erzählerisch mehr Freiheiten.

Der Oltner Musiker Collie Herb meldet sich mit seinem Mini-Album «Lingo» zurück – im nächsten Jahr folgt dann ein richtiges Album.

Seit die knielangen Dreadlocks weg sind, ist der Musiker Collie Herb einfacher zu übersehen als auch schon. Ihm fällt jedoch die vorübergehende Journalistin auf, beziehungsweise deren Turnbeutel: «Bei dem Fairtrade-Label habe ich mal gearbeitet», erzählt er lächelnd. «Für die Firma habe ich meinen ersten und einzigen Song auf Englisch geschrieben.»

Bald wendet sich das Gespräch den neusten Liedern zu. Am 25. Oktober erscheint von Collie Herb alias Patrick Bütschi die neue EP «Lingo», eine Art Mini-Album mit kürzerer Spielzeit als ein normales Album. «Die EP ist ein Teaser für mein richtiges Album, das nächstes Jahr erscheint», verrät der Oltner, der mittlerweile in Aarau lebt. «Lingo» bedeutet Slang, und seinen eigenen musikalischen Lingo will er auf dieser EP kreieren. Viele Songs sind in Paris entstanden, wo er ein halbes Jahr verbrachte. Dort hatte er Zeit, abseits des Alltags Texte zu schreiben und Lieder zu komponieren.

Sechs Monate nach der Rückkehr in die Schweiz entschied er sich, eine EP mit fünf Songs zu veröffentlichen. «Die EP ist ein Momentum, wie ich mich gerade fühle», sagt er: «Einfach machen». So hat er etwa früher nur beschrieben, was ihm selbst direkt widerfahren ist. In den neuen Texten nimmt er sich erzählerisch mehr Freiheiten. «Ich habe mich losgelöst vom Kopflastigen und einfach drauflos geschrieben», führt er aus. Sein neues Album, zu dem er noch keine Details verraten will, werde differenzierter. Während er an einem Album lange feilt, nahm er die EP an drei Abenden auf. Zu seinem aktuellen Gefühl passt auch, dass er etwa die Cover-Grafik selbst entwarf und auf die Zusammenarbeit mit einer Agentur verzichtete.

Collie Herbs Songs, die im Bereich Reggae, Dancehall und Afrobeats anzusiedeln sind, kommen meist mit einer positiven Grundstimmung daher. «Ich würde mich schon als positiv eingestellt beschreiben», sagt er. «Was nicht heisst, dass ich nicht auch andere Seiten kenne.» Auch diese lassen sich mit positiven Songs verarbeiten, findet er. Das Klischee von Reggae als Feelgood-Musik, das gleich Assoziationen wie Karibikstrand, Sonnenschein und Cocktails weckt, lehnt er für sich ab: «Mir geht es um den Inhalt.» Damit dieser für möglichst viele zugänglich ist, schreibt er alle Lieder auf Mundart. «Wir leben alle in einer Gesellschaft mit vielen Einflüssen», beschreibt er seine Haltung. «Abkapseln ist keine Option.» Seine positive Einstellung will er mit der Musik weitergeben. «Im Internet spüren sich viele Leute nicht mehr und verbreiten Hass», stellt er fest. «Ich bin ein Gegenpol zu den Kommentarspalten-Kriegen. Wenn du positiv und freundlich bist, gewinnst du immer.»

«Dreadlocks nicht mit der Musik direkt verbunden»

Nicht nur zu den Sozialen Medien, sondern auch zur Digitalisierung generell ist Collie Herbs Meinung gespalten. «Die Frage nach dem Finanziellen würdest du mir nicht stellen, wenn ich Bäcker wäre», erwidert er auf die entsprechende Frage. Die Gratismentalität sowie billige Streaming-Dienste wirken sich auf ihn als Musiker aus. Andererseits nutzt er diese auch selbst. «Die Digitalisierung bietet ja auch Chancen.» Insgesamt nimmt die Wichtigkeit von Live-Auftritten zu, was ihm entgegenkommt: «Am liebsten würde ich sowieso nur auf der Bühne stehen», sagt er lachend. Er könnte auch Musik machen, die sich besser verkaufen liesse.

Dass er lieber macht, was ihm gefällt, zeigt sich auch in seinem Lied «Sie so», das als Single bereits vorab erschienen ist. Darin beschreibt er, wie andere ihn ungefragt zutexten mit Ideen, wie seine Musik noch besser sein könnte. Und auch auf seine Dreadlocks, die seit dem letzten Album abgeschnitten sind, geht er im Lied ein: «Apropos, dä mit de Dreads sigi schad», findet einer der Besserwisser im Song. «Ich habe meine Dreadlocks nicht mit der Musik direkt verbunden», sagt er. Seine Frisur sollte nie sein Wiedererkennungsmerkmal sein, mehr seine Live-Auftritte. «Es stimmt jetzt so ohne Dreadlocks und es stimmte über zehn Jahre lang mit Dreadlocks», stellt er fest.

Vor der Veröffentlichung der EP steht noch einiges auf dem Programm, etwa Promoauftritte in den Medien. Hinzu kommen Proben mit seiner Band The Mighty Roots, die auch an der Plattentaufe in der Galicia-Bar spielt. «Das wird ein Abend, an dem sich die Energie ballt und explodiert», sagt er. Die Vorfreude ist bei ihm deutlich anzumerken. Neben Wegbegleitern wie DJ Lex Killa und Max RubaDub werden auch Spezialgäste auftreten. Anschliessend wird er im November mit der neuen EP im Gepäck in der Schweiz auf Tournee gehen.

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