Region Olten

Co-Gewerbe-Präsident fordert für die Gastrobetriebe: «Lieber später öffnen, dafür richtig»

Das erste digitale Wirtschaftsfrühstück fand mithilfe der Anwendung Microsoft Teams statt.

Das erste digitale Wirtschaftsfrühstück fand mithilfe der Anwendung Microsoft Teams statt.

Das erste digitale Wirtschaftsfrühstück, organisiert von der FDP Olten, erhielt gute Noten. Die vier Referenten zeigten, wie stark die Region Olten von der Coronakrise betroffen ist.

Beim ersten digitalen Wirtschaftsfrühstück am Dienstagmorgen gab es nicht einmal nennenswerte Startschwierigkeiten: Da und dort funktionierte der Zugangscode nicht gleich oder jemand hatte das Mikrofon noch nicht auf stumm geschaltet, so dass Hintergrundgespräche hörbar waren. Ansonsten konnte man in der Chatfunktion der Anwendung Microsoft Teams viele Dankesmeldungen lesen. Selbst der Oltner Stadtpräsident Martin Wey, der morgens um sieben Uhr aus seinem Büro im Stadthaus zugeschaltet war, lobte die Organisatoren rund um die abtretende FDP-Parteipräsidentin Monique Rudolf von Rohr für den gelungenen Anlass. Ihr Nachfolger David Plüss hielt am Ende des rund 70-minütigen virtuellen Treffens das Schlusswort.

Wie stark die Coronapandemie auch Folgen auf die Region hat, zeigten die vier Referenten aus unterschiedlichen Wirtschaftssparten. Am stärksten betroffen ist das Gastro- und Hotelgewerbe, wie ein Einblick von Co-Gewerbe-Olten-Präsident Darko Bosnjak zeigte: «Wir sind im gleichen Sturm, aber nicht im gleichen Boot.» Das Hotel Olten hätte die Auswirkungen bereits sehr früh gespürt und war die ganze Lockdown-Zeit geschlossen. Rund 50 Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. «Die wenigen, die noch arbeiten und im Homeoffice sind, nehmen nur Anullationen entgegen.» Geschäftsführer Bosnjak, der das Hotel am vergangenen Montag wiedereröffnet hat, rechnet mit einer langsamen Erholung: Bis im September erwartet er nur rund 60 Prozent des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zudem hofft er auf den Inlandtourismus, obwohl dieser die ausbleibenden Umsätze ausländischer Gäste nicht kompensieren könnte. Punkto Eröffnungszeitpunkt für die Gastrobetriebe hat er eine klare Meinung: «Lieber später öffnen, dafür richtig.» Wenn im einem kleinen Restaurant wie dem «Stadtbad», das das Hotel Olten ebenfalls betreibt, nur die Hälfte der Gäste zugelassen seien, lohne sich das nicht. Derzeit plant der Bundesrat, die Gastrobetriebe ab 8. Juni wieder schrittweise öffnen zu lassen.

Einen klaren Umsatzverlust hinnehmen musste auch das Warenhaus Coop City in der Oltner Innenstadt. Auf rund 30 Prozent beziffert Geschäftsführer Hans Ruedi Kern die Ausfälle, weil der Nonfood-Bereich wegen der Vorgaben des Bundes für den Verkauf komplett gesperrt werden musste. Rund 30 Prozent der Mitarbeiter waren in Kurzarbeit, weitere Angestellte wurden in der Food-Abteilung oder gar in anderen Coop-Filialen eingesetzt. Wenn das Coop City am 11. Mai den Warenhaus-Bereich wieder eröffnen darf, rechnet Kern mit einem weniger grossen Ansturm wie bei den Baumärkten oder Gärtnereien. «Ich gehe von 50 bis 70 Prozent der Kundenfrequenzen im Vergleich zur Zeit vor der Coronakrise aus.»

Beim regionalen Industrie- und Handelsverein ist die Coronakrise ebenfalls zu spüren, wie Präsident Urs Nussbaum ausführte. Seine Firma R. Nussbaum AG, die Armaturen und Systeme für die Sanitärtechnik produziert, sei bisher hingegen mit einem «blauen Auge davongekommen»: Die erteilen Aufträge würden ausgeführt, allerdings kämen derzeit keine Anschlussaufträge rein – wegen der zu grossen Unsicherheit. Zu schaffen macht dem Unternehmen auch der eingeschränkte Personenverkehr mit der EU, weil so Fachkräfte nicht ein- und ausreisen könnten.

Einen Einblick in die Welt der Hauseigentümer gab Markus Spielmann, Geschäftsführer des entsprechenden kantonalen Verbandes. Der Preiszerfall bei Büroräumlichkeiten sei bereits im Gange, sagt der Rechtsanwalt, der ebenfalls für die FDP im Kantonsrat sitzt. Er kenne KMU, die weniger Bürofläche benötigten, weil sie Alternativen dazu wie Homeoffice entdeckt hätten. Zudem macht er sich für eine Basler Lösung im Streit um die Mietzinsen stark: Je ein Drittel der Miete sollen Mieter, Vermieter und der Kanton übernehmen. Diese Lösung sei besser, als jene, welche die Wirtschaftskommission des Nationalrats vorschlage: nämlich dass die Mieter während des Lockdowns nur 30 Prozent der Miete zahlen müssten. «Das geht gar nicht», sagt er dazu.

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