Theater

Christoph Schwager spielt sie alle: Eine Reise nach Peru und durch dessen Geschichte

Christoph Schwager steckt mitten in den Proben zu «Dios mio. Mehr Gold!»

Christoph Schwager steckt mitten in den Proben zu «Dios mio. Mehr Gold!»

«Dios mio. Mehr Gold!» eröffnet die Saison im Oltner Schwager Theater. Auch Conquistador Francisco Pizarro hat darin das Wort.

Nein, es sei kein moralinschweres Stück, «Dios mio. Mehr Gold!». Es bildet den Saisonauftakt im Schwager Theater Olten, dieses rund 75-minütige und autobiografisch versetzte Erzähltheater aus der Feder von Christoph Schwager, der darin viele Rollen verkörpert und Cristobal heisst. «Ich bin immer ein bisschen skeptisch, wenn auf der Bühne moralisiert wird», so der 63-Jährige. Obwohl: Ganz umhin kommt man wohl dabei nicht, jedenfalls nicht als Theatergast.

Denn «Dios mio. Mehr Gold!» spielt in Peru, lässt auch Francisco Pizarro, den spanischen Conquistador auftreten, aus dem Off redet der böhmische Jesuitenpater Samuel Fritz. In dessen Missionsgebiet wurden vor rund 300 Jahren knapp 40 Indianersiedlungen, darunter sechs Städte geschaffen, Indianer angesiedelt, angelernt zur Arbeit und zu einem christlichen Leben erzogen. So etwas wie Zündstoff aus heutiger Perspektive.

Warum ausgerechnet Peru und nicht anderswo?

Aber warum ein Erzähltheater, welches in Peru spielt? Insider werden’s wissen. In den 1980er-Jahren lebte und arbeitete Schwager mit seiner Frau Lisbeth in Lima, der peruanischen Hauptstadt. Operationsgebiet Armenviertel.

Als Seelsorger engagierte er sich in der Jugendarbeit und am Aufbau von Basisgemeinden. 2016, knapp 30 Jahre nach diesem Einsatz, kehrten die beiden noch einmal an ihre einstige Wirkungsstätte zurück. Schwager sagt: «Ich glaube, in Peru mehr gelernt zu haben, als ich die Bewohner der Armenviertel lehren konnte. Erfahren hab’ ich die Wertschätzung des Moments, Gastfreundschaft, Herzlichkeit, die Wirkung des positiven Geistes.»

Der zeitliche Abstand habe die Sichtweisen verändert, so Schwager, der vor drei Jahrzehnten von der sogenannten Befreiungstheologie fasziniert und getrieben war; einer Theologie die sich als «Stimme der Armen» versteht und zu ihrer Befreiung von Ausbeutung, Entrechtung und Unterdrückung beitragen will.

«Die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmung wurde zum Ausgangspunkt des Erzähltheaters», sagt Schwager. Er betritt die Bühne, erstmals so grosszügig seine mit autobiografischen Aspekten verdichtete Geschichte erzählend und erstmals mit einem Instrument, dem Cajon. Die reichen Männer spielen Hauptrollen: Pizarro, der damals reichste Mann des Planeten; Fritz, der die Lehren des Christentums verbreitete und eben Cristobal, der seine Gegenwärtigkeit in Peru mit einem Reichtum an Erfahrungen gleichsetzt. So ist das Stück in seiner Inhaltlichkeit quasi eine Trilogie dreier Lebenswelten. «Es sind unterschiedliche Erzählstränge, die sich in diesen gut 75 Minuten abwickeln, gelegentlich auch miteinander verflochten daherkommen», erklärt Schwager.

Raffiniertes Bühnenbild gehört dazu

Was «Dios mio. Mehr Gold!» ebenfalls auszeichnet: das Bühnenbild von Valerie Soland. Wer Vereinfachungen mag, die mit allerlei aufeinandergeschichteten kubischen Elementen skizzierte Geländeform erkennen kann, an der sich Häuser oder Bretterbuden am Berg festkrallen wie Fliegen an Fensterscheiben, muss bei diesem Stück zu Hause sein. «Viele Touristen haben Südamerika auf ihren Reisen kennen gelernt und deshalb einen Bezug zu Peru», findet Schwager.

Die Inkasiedlung Machu Picchu ist eigentlich der Klassiker für Peru-Besuchende. «Dabei haben sich die Touristen sicher auch ein bisschen mit der Geschichte Perus auseinandergesetzt», so der Autor von «Dios mio. Mehr Gold!», dem bei der Textarbeit auch Paul Steinmann zur Seite gestanden hat.

Ein Mix aus Information und der Erzählung gelebter Abenteuer mache den Reiz dieses Theaterabends aus, sagt Schwager. Der habe auch musikalisch, tänzerisch und mimisch etwas zu bieten. Und alles gespickt mit Humor. Mit dem Tourneestart von Schwagers Stück rückt Peru näher.

Dios mio. Mehr Gold!

Schwager Theater, 23./24. Oktober, jeweils 20 Uhr;

Reservationen unter www.oltentourismus.ch Tel. 062 213 16 16.

Autor

urs huber

urs huber

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