Kappel

Bekannt aus der SRF-Sendung «Auf und davon»: Die «Dorfstross-Buebe» finden «neue Heimat»

Sie sind dicke Kumpels seit Kindertagen und machen so gut wie alles gemeinsam: Robin (24) und Mischa Furrer (23) sowie Thomas Nick (22), die zusammen mit drei weiteren Jungs an der Dorfstrasse in Kappel aufgewachsen sind und hier gemeinsam die «Dorfstross-Buebe» bilden. Nun sind sie in Kanada gelandet.

Unter diesem Namen haben sie für die Kappeler Dorfchilbi auch einen Verein gegründet und betreiben hier jeweils gemeinsam und mit Helfern die Brücke mit Bar über der Chilbimeile. Seit September sind die Burschen nun gemeinsam auf Weltreise – und aktuell wegen des Coronavirus früher als geplant bei den schweizweit bekannten Kult-Auswanderern aus der SRF-Serie «Auf und davon», Christine und Hermann Schönbächler gelandet, die mit ihren Kindern Natascha, Richi und Alexandra im kanadischen Rosswood (Provinz British Columbia) an der Westküste leben.

Bewegte Tage liegen hinter den Dorfstross-Buebe. Gerade die Letzten hatten es in sich. Gestartet sind die Drei als «Wäutreis-Buebe» am 15. September, genau eine Woche nach der Kappeler Chilbi. Wenn ich jetzt mit ihnen gemeinsam über eine Stunde per Whatsapp-Call – bei uns am frühen Morgen und bei ihnen schon am späten Abend – unser Gespräch führe, sind sie bereits seit über einem halben Jahr unterwegs. Derweil haben sie laut Online-Tagebuch 92419 Kilometer hinter sich und sind im zehnten Land auf dem mittlerweile vierten Kontinent unterwegs. Es ist Tag 204 von geplanten 265. Jetzt hat ihnen nach Erlebnissen in Sri Lanka, Thailand, Australien, Neuseeland, Südamerika und an der Westküste der USA das Coronavirus einen Streich gespielt.

Im Grand Canyon vom Virus eingeholt

Die drei Jungs waren vom 14. auf den 15. März zusammen mit dem Hägendörfer Dennis Grossen, der sie in Flagstaff überraschte, im Grand Canyon unterwegs. Hier konnten sie wegen ersten virusbegründeter Absagen nach einer 11 Kilometer langen Wanderung im Grand Canyon Village direkt am Colorado-River auf dem Angels-Campground übernachten.

Kontakt zur Aussenwelt und News zur aktuellen Situation hatten sie nicht immer und so erfuhren sie später, dass die Schweiz «dicht» sei. «Von der Lage in den USA war noch nicht viel zu vernehmen», so Robin Furrer. «Doch bereits der nächste Campground und viele andere waren wegen Corona geschlossen und so haben wir entscheiden müssen, wie die Reise weitergeht.» Im Kontakt mit den Eltern und im Glauben, in der weiten Natur sicher zu sein, wollten sie die Reise weiterführen. Doch wegen der sich abzeichnenden Schliessung der Campgrounds machte es wenig Sinn, in den USA zu bleiben. «Wir sagten: Wir gehen nach Kanada. Aber nur, wenn wir bei Schönbächlers unterkommen. Bereits im Dezember hatten wir via Facebook angefragt, ob wir sie besuchen dürften», erklären die Drei. «Auf die Frage, ob wir auch längere Zeit und etwas früher vorbeikommen könnten, kam von Christine Schönbächler schnell ein positiver Bericht. Wir könnten im Gästehaus wohnen.» Doch Kanada werde die Grenze bereits am nächsten Tag um 21 Uhr schliessen. «Wir hatten also 29 Stunden Zeit, bei einer reinen Fahrzeit von 18 Stunden. Nach dem Besuch im McDonald’s, wo wir WLAN hatten und den Bescheid erhielten, schwangen wir uns ins Auto und fuhren die 1930 Kilometer zur kanadischen Grenze, wo wir den Mietwagen zurückgaben und dann per Taxi zur Grenze fuhren. Nach 40 nervenaufreibenden Minuten gab’s die Stempel für die Einreise.» Nach weiteren 1650 Kilometern Reise im neuen Mietwagen landete das Trio schliesslich in Terrace, wo die Schönbächlers stets einkaufen und sie mit dem Auto abholten.

Und jetzt: warten auf bessere Zeiten

Seit nun zwei Wochen sind die Drei jetzt bei Schönbächlers, wo sie derzeit die einzigen Besucher sind und das Gästehaus bewohnen dürfen. Mittlerweile ist auch die von der Familie zur Sicherheit auferlegte Quarantäne und die angesagte Distanz ausgelaufen und die Schweizer können den 53-jährigen Buschmann auf seinem 20 Hektaren grossen Waldstück bei der Arbeit als Förster, als Jäger und Selbstversorger begleiten, sich zudem als Fischer versuchen und vom ehemaligen Schweizer Meister im Sport-Holzfällen und erfahrenen Lachsfänger, Pilzsammler und Bärenjäger Einiges lernen.
Der Elektriker, der Lastwagenmechaniker und der Geomatiker/Gerüstbauer erhielten von den Auswanderern einen grossen Ford Explorer, den sie in Schuss bringen mussten und für ihren Aufenthalt gebrauchen können. Die Jungs kochen teils selber oder Christine Schönbächler kocht für alle und gibt was rüber. Auch am Geburtstag von Mischa am 28. März hätten Schönbächlers gekocht und dann das Essen rübergebracht, wo sie zu Dritt noch feiern konnten. «Wir haben drei Betten, ein Bad, Küche, eine Stube – es ist perfekt für uns.»

Nach der Quarantäne gabs für alle Pizza am Feuer, wie Robin Furrer verrät. Und untereinander gab man sich ein erstes Mal die Hände. «Für die Lebensmittel können wir einen «Poschtizettel» schreiben und dann bringt uns Christine die Lebensmittel aus der 50 Kilometer entfernten Stadt mit», sagt Robin Furrer. «Doch nun seien gewisse Lebensmittel in den Läden wegen «Hamsterern» rationiert worden und Christine hätte beim letzten Einkauf fast den ganzen Tag in der Stadt verbracht, um mal hie und da einen Liter Milch und andere Sachen mehr einkaufen zu können. «Auch die Fleischtheken seien nicht mehr so voll, hat sie uns erzählt.»

Alle weiteren Buchungen storniert

Von Kanada selbst haben die Weltenbummler bisher noch nicht viel gesehen. «Wir haben keinen Plan, wie es weitergehen soll. Als die Schweiz die Reisenden im Ausland aufrief, nach Hause zurückzukehren, waren wir bereits in Kanada in sicherer Bleibe und nicht in einem Hotel. Aber es gefällt uns hier sehr und die Familie ist sehr nett. Hier können wir auch bleiben. Es scheint uns hier auch sehr sicher. Die Gegend am Rande der Zivilisation ist ja so gut wie menschenleer. Und die Bären schlafen auch noch», tönt es von den Dreien. Alle weiteren Buchungen haben die Kappeler abgesagt.

Aber: Wie schnell sich doch alles ändert in Coronazeiten. Gestern kam die Mitteilung: «Wir werden am kommenden Montag nach Hause fliegen. Trotz Chaos in den letzten Reisetagen wird für uns speziell der Aufenthalt bei Schönbächlers, die hier in der Abgeschiedenheit ihren Traum leben, in wunderbarer Erinnerung bleiben», erklärt das Trio unisono.

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