Wer sich am Samstagabend in die Schützi begab, bekam bereits aus der Distanz die energiegeladenen Klänge des diesjährigen Oltner Open Airs zu Ohren. «We do whatever the fuck we want», liess der Frontmann der Solothurner Crossover-Band «Freezes Denya» die Zuhörer wissen. Und was die auch optisch authentisch daherkommenden Rockherren da auf der Bühne auf dem Vorplatz der Schützi machten, kam an.

«Ich mag es, wenn es einmal so richtig reinhaut», kommentierte ein Besucher den kraftvollen Gitarrensound, den die vier Musiker auch einmal von gemächlicheren Sequenzen im jazz- oder reggaeartigen Stil unterbrechen liessen.

Auch andere Besucher liessen sich hiervon begeistern und fühlten sich zeitweise zum Mitsingen animiert. Ein erfreuliches Bild für die Organisatoren, die am Vorabend weitaus weniger Gäste verzeichnen konnten. «Der Freitag wurde uns leider verregnet», sagte OK-Mitglied Nils Löffel. Es seien zu wenig Eintritte gewesen, um ihre Rechnung aufgehen zu lassen. «Wir hoffen, das heute kompensieren zu können. Bislang sieht es gut aus.»

OltenAir 2019

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Frauenband dreht zum Schluss richtig auf

Gut auszusehen vermochte auch die Performance der Zürcher Sängerin Evelinn Trouble auf der Bühne im Innern der Schützihalle. Ihr Gemisch aus Pop, Rock und einer Prise Rap stiess bei den Zuschauern auf Zustimmung, wenn auch nicht bei allen auf gänzliche Begeisterung. «War ganz okay», meinte einer der Besucher, ein anderer hätte sich etwas «mehr Dreck» gewünscht. «Das war mir etwas zu elektronisch», empfand der Kenner von Troubles Musik deren Live-Umsetzung. Im Anschluss an Troubles Darbietung liess sich auf der Aussenbühne eine weitere feminin dominierte Performance wahrnehmen. Das deutsche Rock-Duo Gurr – begleitet von einer zusätzlichen Gitarristin und einem Schlagzeuger – steigerte den Druck allerdings nur allmählich. «Haut mich jetzt nicht gerade um», fand ein Zuhörer, der sich gerade (womöglich nicht nur der Musik wegen) an der Kaffeebar etwas Wachhaltendes genehmigte.

Aufs Ende ihres Auftrittes hin presste das Rock-Duo Gurr das Gaspedal dann aber doch noch etwas entschiedener zu Boden, indem sie dem Publikum temporeichen Rock mit mehrstimmigen Gesängen um die Ohren hauten. Eines der Bandmitglieder nutzte die angehobene Stimmung letztlich gar zu einem kurzen Stagediving. Der Künstler liess sich durch die Masse tragen.

Nach 23 Uhr fand das Geschehen nur noch im Innern statt. Die gut gefüllte Halle liess sich ab dann zunächst von der deutschen Rockgruppierung Long Distance Calling beschallen. Gesangsaffine Besucher warteten hierbei allerdings vergeblich auf Textsequenzen: Die Vier-Mann-Band spielt ausschliesslich Instrumentalstücke. Die melodiösen E-Gitarrensoli, die sie über ihre druckvollen Rockstücke ertönen liessen, vermochten zwar durchaus zu begeistern, wirkten nach dem dritten gesangslosen Stück dann aber doch irgendwann etwas fad. Das empfand auch ein Zuhörer so: «Für mich bräuchte es einfach noch ein bisschen Gesang.»

Diesen lieferte der anschliessend auftretende Tessiner Rocker Andrea Bignasca umso intensiver. Härter als auf seinen eher poppigen Studioaufnahmen führte er die Gäste mit seiner kräftigen Stimme in die Nacht hinein, die danach für einige Besucher zur Musikauswahl von DJ Rockette noch etwas länger andauerte.