Filmset in Olten

Band «Roamer» dreht Musikvideo im japanischen Low-Budget-Stil

Videodreh mitten in der Oltner Altstadt ohne viele konstante Zuschauer: Dafür gabs viele neugierige Blicke von Passanten.

Videodreh mitten in der Oltner Altstadt ohne viele konstante Zuschauer: Dafür gabs viele neugierige Blicke von Passanten.

Auf unkonventionelle Weise drehte am Dienstagnachmittag der Filmemacher Kohei Yamaguchi in der Oltner Altstadt das neue Musikvideo für die Oltner Indie-Rock Band Roamer.

Der Mann, der in einem alten Rollstuhl über das Pflaster der Oltner Hauptgasse rattert, ist kein Gehbehinderter. Trotzdem braucht er den grauen Stuhl mit Rädern - für seine Arbeit: Ausgestattet mit einer Kamera und einem Stativ wird er von einer Helferin vor sein Filmobjekt gefahren, um es so ruhig wie möglich zu begleiten. Der «Star» vor der Kamera ist ein selbst ernannter Oltner: Samuel Blatter, Frontsänger der Oltner Indie-Rock-Band Roamer. Und das Ziel der Filmaktion in der Oltner Altstadt ist der Dreh eines Musikvideos zum neuen Lied «What the Hell».

Den Blick des Frontsängers sieht man durch die dunkle Ray-Ban-Brille nicht. Seine Miene ist aber ernst. «Ich versetze mich in die Rolle, die der Regisseur mir gegeben hat: Etwas zwischen einem Menschen und einem Geist», sagt Blatter. Er ist für diesen zweiten Drehteil als einziger der Band dabei. «Wie das Video am Schluss genau aussehen wird, wissen wir nicht. Aber wir vertrauen unserem Regisseur, ein langjähriger Freund von mir», so Blatter und schaut zum Mann, der immer wieder vom Rollstuhl hüpft, den fünf Statisten Anweisungen gibt und durch das Kameraobjektiv schaut: Kohei Yamaguchi, japanischer Filmemacher und Fotograf.

Er spricht Englisch, kein Deutsch. Einzelne Wörter aus der Schweizer Umgangssprache kennt er aber. «Gäu», aber auch «Schäisse» zum Beispiel. Oft benutzt er das Wort aber nicht, obwohl er der Anzahl Takes nach vielleicht sogar Grund dafür hätte. Stets mit einem Lächeln erklärt der 36-jährige Japaner den Laien-Statisten wie sie zu stehen und schauen haben. «Es ist schwierig, mit Laien einen Film zu drehen», sagt er und lächelt geduldig.

Selbstmord als Leitthema

Improvisation und Flexibilität sind bei diesem Low-Budget-Dreh gefragt. «Eigentlich lege ich vor dem Dreh eine Schiene auf den Boden, darauf kann dann die Kamera gleiten», erklärt Yamaguchi, der letzten Samstag in Luzern noch die Filmpremiere seines letzten Werks feierte. «Wenn man aber nicht viel Zeit und Geld hat, tut es auch ein Rollstuhl. Man muss eben kreativ werden», sagt er lachend.

Während des Drehs ist das Lied «What the Hell» nicht zu hören. Dafür spielen am sonnigen Dienstagnachmittag an jeder Ecke Strassenmusiker aller möglichen Genres. Samuel Blatter lässt sich aber nicht ablenken. Das Lied, zu dem er den Clip dreht, handelt von Selbstmord. Damit wurde er in seinem Freundeskreis mehrmals konfrontiert.

«Ich habe drei Freunde durch Selbstmord verloren. Bei zweien war es so, dass sie ständig zwischen Genie und Wahnsinn pendelten. Beides auch Musiker, die mir sehr nahe standen.» Im Lied «What the Hell» verarbeitet er seine Wut. «Die Wut darüber, dass sie mich und ihre Freunde und Familien verlassen haben und dass ich sie nicht dafür verprügeln kann, weil sie ja nicht mehr hier sind.»

Wenn er das Lied singe, sei es für den 32-Jährigen jedes Mal eine Erinnerung an die vergangene Zeit. «Die unvergessliche Zeit, die ich mit diesen grossartigen Menschen erleben durfte, und eine Art, ihnen die Ehre zu erweisen und sie in Erinnerung zu halten.»

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