Kurt Stocker, Ehren-Fukorat, sei Dank. Vor ziemlich genau fünf Jahren hat der Mann so etwas verfasst wie einen kleinen Oltner Fasnachtsalmanach, in stupender Übersichtlichkeit und erfrischender Leichtigkeit. Grund dafür: «Es gab jeweils in Fasnächtlerkreisen immer wieder Diskussionen, weshalb ein Eckpunkt der hiesigen Fasnacht so und nicht anders heisst, seit wann es diesen gibt und wer dafür verantwortlich zeichnet», erklärt Stocker. «Und eben ja, dann hab ich diese kleine Broschüre verfasst, um ein paar Details festzuhalten», sagt er noch. Aber mehr zu den einzelnen Bräuchen und Traditionen der städtischen Fasnacht wisse er wirklich nicht, räumt er ein. «Was ich zusammentragen konnte, steht schwarz auf weiss in der Broschüre.»

So muss es sein: Kurz und knapp, damit möglichst viel Fasnachtswissen im Kopf hängen bleibt, ohne dass dieses den Naarensinn verdrängen würde. Wie hat doch Kurt Stocker festgehalten: «Wer nicht närrisch ist, schadet der Fasnacht.» So nämlich lautete der Slogan der Fasnacht 1946, nachdem zwischen 1940 und 1945 die Naarenzeit aufgrund der weltpolitischen Lage auf Eis gelegt worden war und das 1928 gegründete Fasnachts-Umzugs-Komitee (heute eigenartigerweise die Fuko geheissen) offensichtlich befürchtete, der Naarensinn in Olten sei zwischenzeitlich abhandengekommen. Dem war nicht so: Sämtliche institutionellen Eckpunkte der Fasnacht stammen just aus der Nachkriegszeit.

Beschränken wir uns beim kleinen Rundkurs auf drei Eckpunkte der Oltner Fasnacht: Naarestopf (Fasnachtseröffnung), den Mäni (Fasnachtszepter) und die Fezübergabe (Hilariakt).

Der Naarestopf: Am längsten aus dieser fasnächtlichen Dreifaltigkeit währt der «Naarestopf», der – auf Anregung eines Ehren-Fukorates – erstmals 1949 praktiziert wurde. Erst als Teil der Chesslete am Schmutzigen Donnerstag, ab dem Jahr 1953 erschien es jedoch ratsamer und pointierter, den «Stopf» bereits am Vorabend durchzuführen. Mit dem «Stopf», mundartlich für Tritt, sollte der Obernaar seine Füdlibürger aus der warmen Stube hinausbefördern, um sie für die Fasnacht zu «motivieren», wie man heute sagen würde.

Der Mäni: Die Geschichte des Fasnachtszepters, in Olten «Mäni» geheissen, ist eine etwas undurchsichtige. Gemäss Kurt Stocker ist noch nicht einmal sicher, ob der derzeit gebräuchliche Mäni noch das Original aus dem Jahr 1958 darstellt. Sicher hingegen ist: Der seinerzeitige Obernaar Manfred Fink (Tannzapfe) monierte damals ein fehlendes Zepter, welches er dann auf eigene Kosten herstellen liess und welches er später dem Rat für künftige Obernaaren zur Verfügung stellte. Der damalige Sekretär des Fukorates, der gemäss Stocker immer für eine besondere Idee gut war, taufte die «Krönungsinsignie» in Anlehnung an den Vornamen des edlen Spenders Manfred auf «Mäni». Ein Name, der blieb. Wenn auch nicht physisch: Mehrfach nämlich verschwand Mäni, um später wieder aufzutauchen. Im Original? Wer weiss. Wer Obernaaren in ihrem Amt beobachtet, kommt gelegentlich zur Ansicht, dieses Holzding sei wenig beliebt und werde mit Vorliebe als Instrument zur Gleichgewichtsfindung benutzt.

Die Fezübergabe: Sie ist der jüngste Eckpfeiler der Oltner Fasnacht und hat ihren Ursprung im Jahr 1975. Damals litt Otto Binkert (Höckeler) als Obernaar unter den milden Fasnachtstemperaturen. Ein Hitzestau veranlasste ihn schliesslich, auf eigene Faust eine leichte Kopfbedeckung, einen Fez, mit der Aufschrift «Obernaar» zu bestellen. Seither erhält jedes Fasnachtsoberhaupt vor der Einkleidung seinen Fez überreicht, wie ihn der Rat seit Gründung der Fuko trägt. Die Fezübergabe findet traditionellerweise jeweils zu Hilari auf dem Ildefons-platz statt und bildete den eigentlichen Auftakt zur Fasnachtszeit. Na dann: Grande Carnevale 15 kann kommen.