Olten

Auf eine schöne Fasnacht: ein Bierchen mit Rahel und Reto

Säli-Zünfter Obernaar Reto dr Auerletscht trägt ab sofort den Fez und stösst mit seiner Vorgängerin an.

So viel vorweg: Der Fez passte. Der Fez, den der neue Obernaar vom alten Obernaar am Hilari aufgesetzt bekommt. Eine Zeremonie, die meist ohne viel Federlesens, aber bei guter Stimmung auf dem Ildefonsplatz über die Bühne geht. Dann strecken die Zünfter die Nasen aus ihren Lokalen und streben meist in Formation und gut gelaunt dem Schauplatz der Fezübergabe zu. Ab und zu streicht dabei ein leiser Zigarrenduft übers Gelände, Fackeln brennen, Fasnachtslaternen streuen Licht ins Dunkel. Auch am Samstag war das nicht anders.

Alles andere passte natürlich auch. Also: Auf Rahel Nobs, dem letztjährigen Obernaaren-Rätschwyb mit dem charmanten Fasnachtsauftritt, die partout keinen eigentlichen Fasnachtsnamen annehmen wollte und die zusammen mit ihrer Zunft die Stadt be- und verzauberte, folgt der Säli-Zünfter «Reto dr Auerletscht, alias Reto Wollschlegel.

Sein Name: Programm; oder sagen wir – gelebte Praxis. Dies hatte er im Vorfeld der Fasnachtszeit schon mal verlauten lassen. Und zwar, weil er ganz häufig, (er sagte damals «meistens»), der Letzte seines Zunftstandes sei, der das Feld räume. Und deshalb gehörte zum offiziellen Auftritt, dass Reto dr Auerletscht hoch und heilig versprach, am Aschermittwoch werde er mit Garantie der Allerletzte sein, der das Feld räume. Er brauchte dabei um seine Glaubwürdigkeit nicht im Geringsten zu bangen.

Koa bayrische Band

«Mia san mia» bringt er als Motto mit und löst so «Spettacolo Confetti» ab. In Stein gemeisselter Ausfluss des bayerischen Selbstverständnisses. Aber wer gedacht hatte, bereits zur Fezübergabe am Hilari fahre das Bierfass auf, um eine Winterfestzeltbierfassgaudi zu inszenieren, der irrte. «Das Fahrzeug mit Blaulichtanlage ist noch nicht fertig», so Oltens neuer Obernaar trocken.

Hilari 2019 Olten

Gesangeinlagen mit Eigentext gehören zum vertrauten Bild einer Fezübergabe – eine Kostprobe.

Immerhin: Mit dem scheidenden Alt Obernaar Rahel teilte sich Reto dr Auerletscht aus dem Steinguthumpen dann doch ein Bierchen. Was eigentlich sich schon mal ganz verheissungsvoll anfühlte und die entsprechende Hoffnung aufkeimen liess.

Und wer vermutet hätte, es würden, weil Gesangeinlagen mit Eigentext zum vertrauten Bild einer Fezübergabe gehören, etwa Melodien der Spider Murphy Gang («Mir san a bayrische Band») zu hören wären: Fehlanzeige, koa bayrische Band. Zum Handkuss kamen das Österreicher-Trio «S.T.S.» mit der Melodie zum Klassiker «Fürstenfeld» und die «Beatles». Erst die Zugabe, freiwillig gewährt, nahm sich in homöopathischer Dosis der Festzeltstimmung an.

Nun, wenn das Pulver noch nicht verschossen ist, lässt die Zukunft umso mehr hoffen. Das Versmass jedenfalls passte schon mal, und was die charmanten Neckereien zwischen Alt und Neu (unter den Obernaaren natürlich) angeht: Da werden sich die Säli-Zunft und Reto dr Auerletscht nicht verstecken müssen, auch wenn die Fasnachtspoesie der Sälianer eine mit herberem Cachet sein dürfte.

Der Rest der Fezübergabe wie immer: gut gelaunte Zünfter beiderlei Geschlechts in friedvoller Vorfasnachtseinigkeit. Man wünscht sich gegenseitig – eine schöne Fasnacht. Was auch so viel wie eine «gute Fasnacht» heisst. Natürlich werde sie gut, die Fasnacht, sagte Werner Scheibler in seiner Zunftkluft: «Aber erst muss sie beginnen.» Ende Februar ist es so weit. Dann heisst’s «Mir san mir».

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