Es gibt türkischen Kaffee aus weissen Porzellantässchen. «Wir haben auch Milchkaffee», sagt Sefer Alimi. Der Kaffee ist süss, stark und sämig. Sefer Alimi beginnt zu erzählen. Von der Metzgerlehre, der Umschulung und den Vereinen. Er spricht mit albanischem Akzent. Aber schon nach den ersten paar Sätzen wird klar: Sefer Alimi ist ein Oltner und ein Oltner sagt, «heimer», «chöiter» und «was wei die wösse?»

So selbstverständlich wie heute kamen ihm die Schweizerdeutschen Wörter nicht immer über die Lippen. Sefer Alimi war 14 Jahre alt, als er zusammen mit seinen drei Geschwistern in der Schweiz ankam. Die Familie wohnte zuerst ein halbes Jahr in Tecknau, danach und bis heute in Olten. Der Vater war schon länger hier: «Er hat für uns in Mazedonien keine Zukunft gesehen.»

Trotz vielversprechender Aussichten in der Schweiz, war die Ankunft im fremden Land der schwierigste Moment seines Lebens. «Ich konnte die Sprache nicht und hatte keine Ahnung, was mit mir geschieht.» Sefer Alimi vergleicht das Gefühl mit einem Zug ohne Schienen. «Wir konnten nicht mitdiskutieren. Die anderen Kinder haben uns nicht richtig aufgenommen.» Deshalb habe er in der Schule den Kontakt zu seinen Geschwistern gesucht, weil er sich nur mit ihnen verständigen konnte.

Ringend integriert

Gleichzeitig habe er gewusst, dass er sich bemühen musste, wenn er hier künftig Fuss fassen wollte. Die fremde Sprache zu verstehen, war der erste Schritt: «Mir war klar, ich muss so viel Kontakt wie möglich zu Schweizern haben, sonst lerne ich das nie.»

Sefer Alimi meldete sich im Turnverein, ging regelmässig ringen, lernte so fast nebenbei die Sprache und schloss Freundschaften. «Vereine sind zum Integrieren und nicht nur zum Trainieren da», fasst er zusammen, was ihm der Ringsport – neben unzähligen sportlichen Erfolgen – gegeben hat.

Bekannte aus dem Verein halfen ihm später bei der Lehrstellensuche. «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Metzger werde.» Aber im Nachhinein erzählt er begeistert von seinem Job. Während der praktische Teil der Arbeit in der Ausbildung nie ein Problem war, kämpfte Alimi mit dem Schulstoff: «Ich verstand einfach nicht, was ich da las. ‹Was wei die wösse?›»

Der Lehrer ermutigte ihn, nicht aufzugeben und sich Hilfe zu holen. Diese fand er erneut im Turnverein. «Chrigu» erklärte ihm am freien Mittwochnachmittag die Schulbücher. «Bis ich es im Kopf hatte.»

Einbürgerung wegen SVP-Initiative

Heute fühlt sich Sefer Alimi in der Schweiz zu Hause. Mit seiner Frau und den beiden schulpflichtigen Kindern wohnt der 32-Jährige in Olten. In der gleichen Wohnung haben auch seine Eltern ein Zimmer und einen Stock tiefer wohnt der Bruder mit seinen Kindern. «Wir leben als grosse Familie auf zwei Stockwerken.» Er lächelt zufrieden.

Dann wird seine Miene ernster. Vor kurzem habe er sich einbürgern lassen: «Für mich ging es um Sicherheit. Ich weiss ja nicht, was noch alles kommt», sagt er und spielt damit auf die Durchsetzungsinitiative der SVP an. Die Menschen in Olten würden ihn zwar kennen: «Aber wenn wir umziehen würden, kämen die Vorurteile wieder und wir würden auf die feinsten Haare geprüft.» Es sei nie einfach ein Ja, das ihm begegne, meistens spüre er erst einmal Zurückhaltung.

Damit hat er Mühe. Er möchte nicht mit Landsleuten in einen Topf geworfen werden, die in der Schweiz gegen Regeln oder Gesetze verstossen. «Mich beschäftigen die negativen Schlagzeilen sehr», sagt er. «Die Zeitungen berichten so, dass ich mich auch betroffen fühle, obwohl ich nichts gemacht habe.» Er wünscht sich mehr positive Berichte von Menschen wie ihm, die sich anstrengen, engagieren und über die Jahre zu einem Teil der Gesellschaft werden. «Es geht doch um Menschen, nicht Nationen.»

Ein offenes Ohr für alle

Dank seiner Vergangenheit kann sich Sefer Alimi gut in die Situation jener Menschen hineinfühlen, die frisch in der Schweiz ankommen. «Ich habe selber viel profitiert und möchte das weitergeben.» Als Präsident der Ringer-Riege trainiert er auch Flüchtlinge aus Afghanistan. «Sie haben zugeschaut und ich habe sie eingeladen, mitzumachen», sagt er.

Aber Sefer Alimi engagiert sich nicht nur im Turnverein. Als Vorstandsmitglied der interkulturellen Bibliothek Olten Ikubo organisiert er verschiedene Anlässe. Die Ikubo verleiht Bücher in 21 Sprachen. Im Sommer können sich Kinder im Vögelipark zum Beispiel Geschichten in ihrer Muttersprache vorlesen lassen.

Und auch ausserhalb der Vereine kümmert sich der Familienvater um seine Mitmenschen. Er steht allen mit Rat und Tat zur Seite, erklärt ihnen Sinn und Zweck der Steuererklärung und gibt nützliche Tipps für den Alltag in der Schweiz. Er hat für alle ein offenes Ohr und tut, was er kann.

Unfreiwilliger Neustart

Im Moment macht er sich allerdings Sorgen, ob er auch in Zukunft noch alles unter einen Hut bringt. «Ich kann nicht mehr als Metzger arbeiten», sagt er. Wegen eines Kreuzbandrisses, der nicht richtig verheilt, darf er nicht mehr lange stehen und musste sich umschulen lassen: «Ich werde jetzt Lastwagen- oder Carchauffeur», sagt er.

Das sei etwas ganz Neues und bedeute unter Umständen, dass er Schicht arbeiten müsse. «Aber Hauptsache, ich kann wieder arbeiten. Ich bin doch noch viel zu jung, um einfach rumzusitzen.» Er ist gespannt, ob alles klappt und wie der neue Job sein Leben verändert: «Irgendwie fängt jetzt alles wieder von vorne an. Ich muss mich erneut beweisen.»

Podiumsdiskussion zum internationalen Tag gegen Rassismus, heute Montag, 21.3., um 19.30 Uhr, BBZ Olten, Aarauerstrasse 30, es diskutieren: Peter Gomm, Regierungsrat; Tomas Zuber, Kommandant der Kantonspolizei Solothurn; Maisa Khabbaz und
Sefer Alimi als Vertreterin und Vertreter der Migrationsbevölkerung.