Wasser marsch

Anhaltende Hitze: So kämpft die Stadtgärtnerei um Oltens Grün

Täglich werden von den Mitarbeitern der Stadtgärtnerei 50'000 Liter Wasser verteilt. Trotzdem leidet Oltens Flora und stellt auf Stressmodus. Obwohl sich viele Anwohner vor allem um die alten Bäume sorgen, werden diese nicht bewässert. Aus gutem Grund.

Seit mehr als drei Wochen fahren Markus Gloor, Karin Tschumi und Hanspeter Eggnauer von der Stadtgärtnerei jeden Morgen mit ihren Wassertanks aus. Ihre Aufgabe: Bewässern. «Alle anderen Gartenarbeiten können warten», sagt Gloor. Gegen halb acht füllt er am Hydranten seinen 2000-Liter-Tank. Dann zieht er die tonnenschwere Fracht mit seinem Traktor durch die Stadt und giesst das öffentliche Grün.

Jeder Jungbaum bis zu einem Alter von drei Jahren bekommt 150-200 Liter. Das Wasser wird in ein bei der Pflanzung im Boden verankertes Rohr eingespeist und gerät so direkt in die Wurzelregionen des Baumes. Ist der Tank leer, wird er am nächsten Hydranten wieder aufgefüllt. Ist Gloor nach zwei bis drei Tagen mit seiner Tour fertig, fängt er wieder von vorne an. Manche Bäume, Birken zum Beispiel, brauchen sogar täglich Wasser.

Insgesamt 50'000 Liter werden momentan täglich von der Stadtgärtnerei für die Bewässerung bezogen. «Wenn wir das nicht machen, verreckt alles und wir müssen für teures Geld neue Bäume pflanzen», sagt Gloor, während er auch den Lavendel in der Rabatte rund um den Baum giesst. Vor allem am Rand muss er viel wässern. «Der Stein wird besonders heiss.»

Noch ist genug Wasser da

Die Stadtgärtnerei steht im engen Austausch mit der für die Wasserversorgung zuständigen Aare Energie AG. Noch ist ausreichend Wasser vorhanden. Die Gärtner können so viel beziehen, wie sie für eine ausreichende Bewässerung der Grünflächen benötigen. Im Fokus der Stadtgärtnerei stehen vor allem Jungbäume, Kübelbepflanzungen, Rabatten, öffentliche Parks und Sportrasen. «Die Hitze hat uns seit einigen Wochen im Griff», sagt Bereichsleiter Thorsten Güllekes. Er bekommt in letzter Zeit immer wieder Anrufe von besorgten Bürgern, auf deren Grundstück sichtlich leidende Gehölze stehen.

Tatsächlich befinden sich viele Bäume offensichtlich im Wasserstress, werfen Blätter und teilweise ganze Astpartien ab. Doch Güllekes gibt Entwarnung: «Das sind alles natürliche Schutzmassnahmen. Über die Spaltöffnungen auf der Unterseite der Blätter verdunstet ein Grossbaum bis zu 400 Liter Wasser am Tag. Bei grosser Trockenheit, wie sie derzeit vorherrscht, wirft der Baum Blätter ab, um die Verdunstungsoberfläche zu verringern und Wasser zu sparen. Ein ganz normaler Prozess, mit dem der Baum sich selber schützt. Altbäume sind aber meist so tief verwurzelt, dass sie auch in extremen Trockensituationen noch Wasser finden.»

Ein kräftiges Abendgewitter ist im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Das meiste Wasser fliesst dann oberflächlich ab. «Der Boden bräuchte in der aktuellen Situation mindestens fünf Tage konstanten Regen, damit das Bodengefüge wieder richtig Wasser aufnehmen kann», sagt Güllekes. Doch dann wandert sein Blick auf die Wettervorhersage: «Es will einfach kein Niederschlag kommen.»

Die Rasen in den Parkanlagen sollten sich nach einem langersehnten Landregen in jedem Fall wieder schnell regeneriert. Grössere Trockenschäden sind zum Glück bislang ausgeblieben, eventuelle Ausfälle werden im Herbst ersetzt. Trotzdem sind die Schweizer Stadtgärtnereien im Zuge des Klimawandels gezwungen umzudenken und vermehrt auf Pflanzen aus dem Mittelmeerraum zu setzen. Das weiss auch Güllekes, der damit in ein Dilemma kommt. Eigentlich will er in Olten lieber einheimische Gehölze sehen und keine hitzeresistenten Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, wie zum Beispiel Kiefern oder Föhren.

Letzter Starkregen ist 52 Tage her

Am 13. Juni hat es in der Region Olten zuletzt stark geregnet. Knapp 60 Liter pro Quadratmeter fielen an diesem Mittwoch, der heute 52 Tage zurückliegt. Es folgte die grosse Trockenheit. Im gesamten Juli regnete es zusammen in etwa so viel, wie an jenem 13. Juni. Im August fiel kein einziger Tropfen auf die Messstationen in Gösgen und Olten.

Die Schweiz erlebt laut MeteoSchweiz die niederschlagsärmste April-Juli-Periode seit fast 100 Jahren. Zum fehlenden Regen gesellt sich eine Rekordwärme, welche bislang sogar jene aus dem Hitzejahr 2003 übertrifft. Und es ist keine Besserung in Sicht. Die Temperaturen bleiben auch kommende Woche hoch, mit Regen ist höchstens lokal durch Gewitter zu rechnen.

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