Also bitte: wo gibts das noch? Leopard, den man auf Schultern trägt? Klar, am Oltner Kinderumzug des Schmutzigen Donnerstag, wo sich Prinzessinnen und Pinguine, Pandas und Piraten, Astronauten und Arktisforscher nicht «gute Nacht», sondern «guten Tag» sagen oder im ungünstigsten Fall einander einfach schnöde mit Konfetti bewerfen. Aber unter all den Gestalten regen sich auch bunte Köche, etwa jene aus dem «Fröschelaich», der Kinderstube der Fröscheweid-Zunft.

«Das Tollste am Umzug sind die Kleider», sagt Ellin Schenk, 12, aus Wangen bei Olten. Das kann man verstehen: Mütze, Schürze, Kochbluse: alles perfekt gestylt. Aber die kräftigen Augenbrauen samt grossmächtigem Schnauzer über der Oberlippe hat der «Fröschelaich» nicht selber hinbekommen, oder? «Nein, den hat uns meine Mutter verpasst», so die zwölfjährige Meret Widmer heiter.

Kinderumzug Olten 2019 bko

So bunt, verrückt und laut war der diesjährige Kinderumzug in Olten.

Nur Nico Schenk, 11, aus dem Wangner Trio wirkt etwas grimmig. Echt? «Das sieht nur so aus», sagt er und lacht. Ja klar, der aufgemalte Schnurrbart machts halt aus. Und weshalb das Küchentenue? «Das entspricht dem Zunftsujet», sagt Ellin Schenk. «Mini Beiz– dini Beiz – sini Beiz!» Ach so, ja. Dann ist alles klar.

Jim Knopf fehlt auch nicht

Und da wären auch noch die Figuren von Jim Knopf und dessen Lokomotivführer Lukas. Sie führen Emma mit, die Lok. In der Vorfasnachtszeit haben sich Vater Dominik Balz und Sohn Joshua aus Winznau die Lok zusammengebastelt und sie bemalt. «Es war eine schöne Zeit, die wir zusammen verbracht haben damit», sagt Vater Balz mit Russ verschmiertem Gesicht, während Jim Knopf schon mal in der Lok Platz genommen hat. «Wer die Fasnacht in die Wiege gelegt bekommt, der macht da einfach mit», sagt Lukas, der Lokomotivführer, noch.

Wer sich auch noch gut gemacht hätte am Umzug: die Höckeler Chnöpf. Die Kinderabteilung der Oltner Höckeler-Zunft existiert seit rund 5 Jahren. Zwischen 5- und 16-jährig, sind die Jungnarren als Bio-Bauern kostümiert. Mit wild wuchernden Bärten im Gesicht und mit umgebundener sauberer Schürze machen sie aber nicht mit am Umzug, sondern gehen auf Beizentour und singen Schnitzelbänke. Und noch nicht mal die übelsten, wie der Flyer verrät. Deren Chef, Christoph Liechti, meint, der Umzug sei meist unbefriedigend und nicht gut organisiert. So sei der Entschluss gefallen, in den Restaurants der Stadt stattdessen Schnitzelbänke zu singen.

Chäpsli-Revolver ade

Und sonst: wenig Cowboys, kaum ein Indianer, kaum ein Chäpsli-Revolver am Umzug. Die Fasnachtshelden früherer Tage sind ausgestorben. Die Zeiten haben geändert. Hübsche Prinzessinnen wollen allenfalls noch von einem Kreuzritter erobert sein, der lautlos mit seinem Schwert in der Luft fuchtelt. Wenn überhaupt. Oder dann lieber das zaghafte Zebra unter dem Kinn kraulen. Und schliesslich ist das Risotto auf dem Ildefonsplatz auch nicht zu verachten. Ja klar, genau so geht Kinderfasnacht heute.