Olten

90 Millionen für neuen Bahnhofplatz: Auch ein Hauch von Andaare schwingt mit

Bis zum Jahr 2028 soll er fertig sein, der neue Bahnhofplatz Olten. Kostenpunkt: 90 Millionen Franken. 25 Prozent davon hat die Stadt zu tragen.

Oltens Stadtpräsident Martin Wey nannte das Projekt «fast das Jahrhundertvorhaben.» An der Vernissage zur öffentlichen Mitwirkung am Montagabend im Stadthaus wurde klar: Der Bahnhofplatz sitzt im Herzen der Stadt, auch wenn der Begriff Platz etwas überdehnt scheint. Im Wesentlichen ist und bleibt er auch nach der Umgestaltung ein Verkehrsknoten, allerdings mit Attraktivitätskomponenten. Oder wie Wey auch meinte: «Das Vorhaben sorgt für einen frischen Auftritt der Stadt.» Nicht nur in städtebaulicher Hinsicht.» Die umfassende Neuorganisation und Neugestaltung des Areals beschreibt Wey als «pointiert zukunftsweisendes Produkt.»

Ein Hauptziel: die Entflechtung der Verkehrsströme

Das Vorhaben Neuer Bahnhofplatz Olten hat die verschiedenen Mobilitätsbedürfnisse von Stadt und Region im Auge: Ausreichende Kapazität für alle Verkehrsteilnehmenden auf der Kantonsstrasse, ein ausgebauter Bushof, eine Velostation für 1250 Velos mit Werkstatt, die Entflechtung von öffentlichem Verkehr, Taxis, Kurzzeitparking sowie Kiss+Ride, wie das schnelle Ein- oder Aussteigen lassen auch heisst. Das Projekt sorgt hindernisfrei für klare Verhältnisse zwischen dem neugestalteten Platz auf Stadtniveau und den Unterführungen auf Aarelevel. Das schafft den langersehnten Link zum Aareraum. Kaum ein anderer Bahnhof nämlich verfügt über eine derart attraktive Lage mit direktem Zugang zum Fluss und einer Terrasse mit Aussicht auf Altstadt und Jurakulisse. Kaum ein anderer Bahnhof allerdings nimmt diese Chance auch so schlecht wahr wie jener Oltens.

Der neue Aaresteg und die Bahnhofterrasse sollen dieses Bild so quasi auf Wasserebene korrigieren. Das einstige Andaare-Projekt erlebt ein Mini-Revival.
Auf Stadtebene markiert ein grosses, dem Perronverlauf folgendes Dach den Eingangsbereich zum Bahnhof und gibt diesem eine neue Identität. Auf Bahnhofquai und Gösgerstrasse werden insgesamt sechs Doppelhaltestellen für den öffentlichen Busverkehr platziert, vier auf der Gösgerstrasse und zwei auf dem Bahnhofquai. Abgestimmt auf das neue Buskonzept Olten-Gösgen-Gäu sollen sie eine ausreichende Kapazität auch in Zukunft gewährleisten.
Der bislang nicht explizit bestehende Bereich Kiss+Ride wird in der Bahnhofstrasse, wo sich die heutigen Taxistandplätze befinden, verortet. Zur Verfügung steht eine Haltebucht für rund sechs Fahrzeugen zum kurzzeitigen Ein- und Aussteigenlassen von Personen. Das Parkieren im eigentlichen Sinn ist nicht erlaubt. Für die Taxis sind sieben Abstellplätze auf Höhe Hardeggunterführung vorgesehen.

Parkieren: hauptsächlich unterirdisch

Die übrige Bahnhofparkierung wird aber hauptsächlich unterirdisch erfolgen. Im neuen Parking im Untergrund zwischen Areal Bahnhof Nord (grob gesagt, der heutigen Betriebszentrale SBB und der Personenunterführung Hardegg) werden 16 Kurzzeitparkfelder, 12 Mobility-Stellplätze, 58 Park+Ride-Parkfelder sowie 120 Abstellplätze für Motorräder untergebracht. 50 weitere Park+Ride-Felder werden vorerst oberirdisch neben dem Areal Bahnhof Nord angeordnet. Im Planungshorizont bis rund 2030 werden auch sie im Areal Bahnhof Nord in den Untergrund verlagert. Ein autonomes Parkhaus dagegen ist aus verkehrstechnischen Gründen nicht vorgesehen. Die Zufahrt zum Parking erfolgt über das im Zuge der privaten Überbauung Bahnhof Nord entstehende Parkhaus.

Projektierungskosten vors Parlament

Nach der Mitwirkung wird das vorliegende Betriebs- und Gestaltungskonzept abhängig vom Ergebnis allenfalls angepasst. Voraussichtlich im Mai/Juni 2020 wird dem Oltner Gemeindeparlament der städtische Anteil an den Projektierungskosten unterbreitet. Die Erarbeitung des Bauprojektes dauert bis 2022. Voraussichtlich 2023 wird ein Nutzungsplanverfahren zum Einholen der Bewilligungen durchgeführt, im Zeitraum 2022/23 findet eine Volksabstimmung statt. Rund 90 Millionen Franken soll das Projekt kosten, von denen die Stadt Olten einen Viertel zu tragen hat; die restlichen Kosten werden vom Bund (Agglo-Programm und Umsetzungsvereinbarung Bund/SBB), von den SBB Immobilien und vom Kanton übernommen. Diese Angaben weisen aktuell eine Genauigkeit von ± 30 Prozent auf.

Die Realisierung des Neuen Bahnhofplatzes ist auf den Zeitraum 2025 bis 2028 vorgesehen. Das Bauen unter Verkehr bedingt eine Aufteilung in verschiedene Bauphasen und zum Teil weiträumige Verkehrsmassnahmen. Angestrebt ist der Baubeginn im Süden, mit Erstellung des Aarestegs und der Velostation in den ersten Phasen. Damit ist eine bestmögliche Entflechtung des Fuss- und Radverkehrs von den darauffolgenden Intensivbaustellen zu erreichen.

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