Olten

42,195 Kilometer in 4 Stunden und 3 Minuten: Er hat seinen ersten Marathon mit 55 Jahren absolviert

«Die Strecke war fast ein bisschen eintönig», sagt Rolf Arber (Startnummer 5910) über den Marathon in Budapest.

«Die Strecke war fast ein bisschen eintönig», sagt Rolf Arber (Startnummer 5910) über den Marathon in Budapest.

Mit 55 Jahren hat Rolf Arber aus Olten seinen ersten Marathon absolviert – es wird nicht sein Letzter gewesen sein.

Er kennt die Zeit auswendig: 4 Stunden und 3 Minuten. Genau so lange hat der Oltner Rolf Arber für seinen ersten absolvierten Marathon gebraucht. Im Ziel vor gut 14 Tagen in Budapest, nach 42,195 zurückgelegten Kilometern, stiegen in ihm gleichzeitig so etwas wie Stolz, Glück und Erleichterung hoch. Arber nickt. «Es kommt alles eine bisschen zusammen. Du rennst durchs Ziel, bekommst von den Organisatoren eine Medaille umgehängt. Dann wirst du weiter geschleust, der Zielraum muss ja freigehalten werden für die nachfolgenden Läuferinnen und Läufer.» Erst in der Erholungszone sei er sich der Leistung bewusst geworden; Kolleginnen und Kollegen von der Laufgruppe Niederamt hätten gratuliert.

«Es war super», sagt Arber als einer von rund 6000 Marathonläufern in Budapest, völlig unaufgeregt. «Wissen Sie, dem Marathon haftet Mystisches an», erzählt er. Dabei: eine solche Wahnsinnssache seis mit Sicherheit nicht. Wer gesund sei, nicht an markantem Übergewicht leide und ein Aufbautraining absolviere, der «kann sich auch in meinem Alter durchaus an einen Marathonlauf heranwagen. Und natürlich spielt auch eine Rolle, mit welchen Erwartungen jemand ein solches Rennen bestreitet.» Arber macht auf Understatement, hält den Ball flach, wie man so schön sagt. Eine Sensation sei eine erfolgreiche Marathonteilnahme keineswegs. Ein Marathon sei letztlich nichts anderes als ein langes Rennen.

Marathon – das machen viele

Ja eben, Marathon laufen; das machen viele. Stimmt. Arber aber ist schon was Besonderes. Nicht so viele nämlich beginnen nach 55 mit der für Aussenstehende doch epochalen und schon fast mystischen Laufdistanz. Arber dagegen schon. Grund: Der Mann ist seit Jahrzehnten ein eingefleischter Biker, war etwa bei der Bikeschule Olten von Anfang an dabei, leitete Ausflüge und, und, und. Nicht dass ihm dies verleidet wäre, nein. Aber vor ein paar Jahren, riet ihm sein Umfeld, doch was gegen die einseitige Belastung der Beinmuskulatur zu tun. Laufen, so sagte man ihm, sei die ideale Ergänzung. Der Mechaniker liess sich überzeugen, begann im Läuferumfeld beziehungsweise in der Laufgruppe Niederamt zu schnuppern. Und fand Gefallen. «Ich, der ich immer gesagt habe: Wieso laufen, wenn man fahren kann.» Arber lacht.

Item, er merkte rasch: Laufen ist nicht biken. «Am Anfang brachte ich kaum einen am Stück gelaufenen Kilometer zustande», erinnert er sich. Aber das besserte rasch. Der Mann machte zügig Fortschritte und vor knapp zwei Jahren nahm er erstmals an einem Lauf teil, am Langenthaler Stadtlauf. «Es ging wunderbar», sagt Arber in der Rückblende. Und fortan hatte der heute 55-Jährige so etwas wie drei Freizeitbeschäftigungen: Biken, laufen und Modellbau. Arber relativiert. Klar, jetzt auf den Budapester Marathon hin habe er schon ziemlich Zeit investiert. «Aber ich kann auch sehr gut mal nichts machen.»

Reif für den Marathon

Wer sich stets verbessert, Läufe bestreitet und die Lust darauf wach behält, der ist bald reif für einen Marathon. Das mag zwar nicht für jede oder jeden gelten, für Rolf Arber schon. Die Anregung zum ersten Marathon kam aus der Laufgruppe, das Angebot einer Vorbereitung ebenfalls. Arber war dabei. Die dreimonatige Vorbereitungszeit hat er bruchstückhaft in Erinnerung: «Leichte, mittlere und harte Wochen wechselten sich ab.» Steigerungsläufe, Krafttraining, Dauerläufe. Die letzten seiner Longjogs – eben Dauerläufe – verliefen gut, ja gar stets besser. «Ich hatte kein Zweifel mehr, den Marathon überstehen zu können», hält Arber fest.

Budapest – die Nagelprobe. «Die Strecke war fast ein bisschen eintönig», so seine Erinnerung. Viele lange Geraden, Schlaufen, Mehrfachpassagen. Aber der Volksfestcharakter, der dem Laufspektakel innewohnte, half darüber hinweg. «Es gab Musikgruppen, die dich anspornten, Zuschauer am Strassenrand klatschten dich ab. Es hatte auch was Berauschendes, im Pulk zu laufen. Die Möglichkeit, den einen oder andern noch einzuholen und stehen zu lassen hatte ebenfalls ihren Reiz», weiss Arber. Seine Erinnerungen schweifen an den Start zurück und verraten, dass die finale Vorbereitung einer generalstabsmässigen Abfolge gleicht: Schuhbändel nochmals kontrollieren. Bauchtasche checken: links Verpflegungsgel, rechts Magnesium und Koffein-Shot. «Letzteres ist so etwas wie ein Espresso für Läufer», sagt Arber. Ein pflanzliches Stimulans. Dazu kommt eine Kilometerplanung: Kilometer 15 und 30 je ein Gel, bei Kilometer 38 der Koffein-Shot. Getränke und weitere Verpflegung stellte der Organisator, dem Arber übrigens ein Kränzchen windet. «Alles perfekt vorbereitet», sagt er. Und: Im Wesentlichen sei alles aufgegangen. Auch wenn er bei Kilometer 25 feststellte, dass er von seinem anfänglich eingeschlagenen Tempo abwich und langsamer wurde. «Ich musste mir selbst gut zureden, mich motivieren», sagt er. Mental stark sein heisst solcherlei im Fachjargon.

Schnell mal anhalten

Arber war stark. Bei Kilometer 32 dann ein Zwicken im Oberschenkel: Ein Krampf drohte. «Das zwang mich, ein erstes Mal anzuhalten», erzählt der Marathonneuling. Lockerungsübungen, Massage und ein paar Schritte im Gehen halfen, die kurzzeitige Indisponiertheit zu überwinden. Dennoch, die letzten Kilometer schienen ihm endlos. Ab Kilometer 40 nimmt er den Platzspeaker wahr. Noch nicht mal mehr 2 Kilometer. Arber beisst die Zähne zusammen. Dann, ein letzter Schritt, geschafft. Stolz, Glück, Erleichterung. Die Schmerzen hätten sich in Grenzen gehalten, normales Gehen absolut möglich. Hinsetzen sowieso. Und aufstehen mit ein etwas steif gewordenen Bewegungsapparat? «Musste nicht sofort sein», sagt Arber lächelnd. Selbst bei Liegen mahnte sein Körper noch eine bequeme Position an. Aber anderntags war vieles davon wieder verschwunden, Arber fühlte sich gut und genoss Budapest.

Eine interne Hochrechnung hatte ergeben, der Oltner würde den Marathon in Budapest in 3 Stunden 45 Minuten laufen. Bei einer Kilometerzeit von gut 5 Minuten. «Es hat nicht ganz gereicht», sagt Arber relativ gelassen ob der Hochrechnerei. Und wer ihn über seinen Erstlingsmarathon reden hört, weiss: Es wird ihm keine Ruhe lassen, die Schallmauer von 4 Stunden knacken zu wollen. Mehr als das. Er wirds schaffen. «Denn Läufer», sinniert Rolf Arber, «sind vielleicht leidensfähiger als andere Sportler.»

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