«Schöner chasch aso ned ufe Rügge gheie.» Dieser Kommentar, anerkennend von einem Besucher an einen Verlierer gerichtet, ist nur an einem Ort möglich, ohne dafür mit negativen, schmerzvollen Konsequenzen rechnen zu müssen: im Kreise der Schwinger im Sägemehl. So gehört am 109. Nordwestschweizerischen Schwingfest in Fulenbach.

Nordwestschweizer Schwingfest

Nordwestschweizer Schwingfest: Schlussgag 2016: Bruno Gisler gegen Michael Bless

125 Schwinger massen sich am letzten Samstag und Sonntag auf der Salzmatt in Fulenbach – an einem Sportwettbewerb, bei dem sich Sieger und Verlierer beim Verlassen des Kampfplatzes gegenseitig das Sägemehl von den Schultern wischen. Oder wie es ein Besucher aus dem Thal ausdrückte: «Schwingfeste sind wunderbar; nur Natur, Kraft und Frieden – kein Doping da.» Ausserdem treffe man viele Politiker an, mit denen man dort «per Du» sei. «An Orten wie einem Schwingfest geht das». Einem anderen Thaler gefällt am Schwingen besonders, «wenn Männer zugreifen und man sehen kann, wer flinker ist. Nicht immer gewinnt der Grössere, Schwerere.»

Wen immer man am Wochenende fragte, die Antworten gingen stets in diese Richtung: «Die Arena ist schön eingerichtet; alles ist nicht zu weit weg. Die Organisation ist super. Die Stimmung und die Leute sind toll.» In der Tat präsentierte sich das Festareal an den beiden trockenen, sonnigen Tagen von seiner einladenden, sehr familiären, freundlichen und offenen Seite. Völlig entspannt bewegten sich Männlein und Weiblein mit Hund, Kind und Kegel zwischen Tribünen in der Kampfarena, Zelten, Souvenir-, Essens- und Getränkeständen hin und her oder liessen sich gemütlich an den Tischen und auf den Grasflächen nieder. Ein grosser Teil der Besucherinnen und Besucher war in Edelweisshemd oder -bluse unterwegs.

Hauptprobe für die Bösen

Hauptprobe für die Bösen

Das Nordwestschweizer-Schwingfest ist für die regionalen Schwinger der letzte grosse Formtest für das Eidgenössische in drei Wochen.

Derweil vergnügten sich ihre Kinder nebenan im und ums Bächlein herum – oder schwangen herzhaft und mit viel Kampfgeist im Gras mit- beziehungsweise gegeneinander. Fazit: Um den Nachwuchs muss sich der Nordwestschweizerische Schwingerverband nicht die geringsten Sorgen machen. Dies zeigte sich auch an der Schnupperschwinget am Samstagnachmittag, an der laut Thomas Blum, OK-Vizepräsident und Medienverantwortlicher des NWS 2016, rund 50 Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren teilnahmen.

Dafür - und natürlich für die 125 antretenden Schwinger – hatten die Mitglieder und Helfer des Schwingklubs Thal-Gäu im Vorfeld in der Kampfarena vier Sägemehlkreise eingebaut. Dies ist für die Schwingergemeinde eine fast schon heilige Prozedur. Nach Angaben von Thomas Blum wurden dafür insgesamt rund 100 Kubikmeter Sägemehl eingebracht, gewalzt, gewässert und immer wieder eine neue Schicht darübergelegt; am Ende waren es deren drei.

«Für uns lief das Schwingfest absolut perfekt», stellte der OK-Vizepräsident gestern Abend zufrieden fest. Als Hauptursache dafür nennt er «das schöne Wetter». Nicht ganz unschuldig daran dürften aber auch die rund 350 grossmehrheitlich aus den Dorfvereinen heraus agierenden Helferinnen und Helfer gewesen sein, die freiwillig viele Stunden und Kräfte zur Verfügung stellten, um die Infrastruktur aufzubauen und den Betrieb sicherzustellen – als «Recheler» in den Sägemehlringen, im Gabentempel, an den Ständen, mit Bierwagen, am Büffet, als Ehrendamen, Eingangskontrolleure und Platzanweiser, in den Festwirtschaften, Kaffeewagen oder im Rechnungsbüro.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer dankten es mit einem laut Blum überwältigenden Aufmarsch. Am Samstag wurden rund 2000 Gäste gezählt, gestern Sonntag waren es rund 4600 Personen.

Umfrage: Kraft, Technik und Köpfchen oder Sport, Stimmung und Geselligkeit – Was ist das Besondere am Schwingen und an Schwingfesten?

Patricia Dietschi, 28, und Andrea Jäggi, 27, beide Fulenbach, Ehrendamen: «Das Schwingfest wurde super organisiert. Das ganze Dorf half mit bei diesem traditionellen Fest; Traditionen mögen wir in Fulenbach.»

Patricia Dietschi, 28, und Andrea Jäggi, 27, beide Fulenbach, Ehrendamen: «Das Schwingfest wurde super organisiert. Das ganze Dorf half mit bei diesem traditionellen Fest; Traditionen mögen wir in Fulenbach.»

Beat Suter, 54, und Margrit Buffat, 58, beide Obergösgen, Jodlerdoppelquartett Rothrist, Eingangskontrolle: «Mit den Schwingern hat man überhaupt keine Probleme; das ist der Vorteil an diesen Festen.»

Beat Suter, 54, und Margrit Buffat, 58, beide Obergösgen, Jodlerdoppelquartett Rothrist, Eingangskontrolle: «Mit den Schwingern hat man überhaupt keine Probleme; das ist der Vorteil an diesen Festen.»

Adrian Kamber, 35, Ramiswil, Jodlerklub Passwang Mümliswil, SängerJodler: «Für mich ist das Besondere die Verbindung zwischen Kraft und Technik; nicht immer gewinnt beim Schwingen der Grössere, Schwerere.»

Adrian Kamber, 35, Ramiswil, Jodlerklub Passwang Mümliswil, SängerJodler: «Für mich ist das Besondere die Verbindung zwischen Kraft und Technik; nicht immer gewinnt beim Schwingen der Grössere, Schwerere.»

Paul Brunner, 76, Balsthal, Besucher: «Das Schöne an Schwingfesten ist, dass es dort kein ‹Gstürm› gibt, es ist immer friedlich.»

Paul Brunner, 76, Balsthal, Besucher: «Das Schöne an Schwingfesten ist, dass es dort kein ‹Gstürm› gibt, es ist immer friedlich.»

Ev Gertsch, 53, Niedergösgen, Besucherin: «Beim Schnupperschwinget für die Kinder am Samstag konnten sich die Kleinen einmal gross fühlen.»

Ev Gertsch, 53, Niedergösgen, Besucherin: «Beim Schnupperschwinget für die Kinder am Samstag konnten sich die Kleinen einmal gross fühlen.»