Am 18. August jährt sich die Inbetriebnahme des Offenen Bücherschranks im Kreuzacker. Initiant Hartwig Roth freute sich über einen erfolgreichen Start des Projekts – kam aber dann während der letzten Wochen doch ins Grübeln. «Statt dass wir laufend Bücher nachfüllen müssen, kamen in der Regel mehr Bücher rein. Und da gab es leider Spezialisten, die gleich sackweise Bücher in den Schrank stopften, kreuz und quer, rücksichtslos. Sodass wir das Vergnügen hatten, über mehrere Tage jeweils 20 bis 30 Bücher täglich aus dem Schrank nehmen und zwischenlagern zu müssen.»

Jemand habe regelmässig alte Amateurfunkerzeitschriften, Bauzeitschriften und «diverses Gerümpel, effektiv Altpapier», in den Bücherschrank gestopft; wegen des Formats natürlich immer quer auf die Buchreihen. Und auch im offenen Bücherschrank in der Badi seien diese Zeitschriftenstapel anzutreffen gewesen. «Es waren etwa 30 Bände einer dicken französischen Zeitschrift («Les Temps Modernes») mit Jahrgängen von etwa 1945 bis 1965, die meisten Exemplare ziemlich zerlesen, vergilbt, zerfleddert», erinnert sich Roth. Das sei nur noch Littering gewesen – «doch jetzt hat sich die Situation plötzlich gebessert. Und wir wissen nicht warum».

Alle vier Minuten eine Person

Wenige Tage später hat Hartwig Roth wieder mit dem Littering-Problem zu kämpfen. Doch dann gibts wieder Tröstliches. «Oft ist recht gute Literatur im Schrank», verweist Roth auf 15 Klassiker von Suhrkamp, die eines Tages fein säuberlich eingereiht dort standen – und bereits nach zwei, drei Tagen wieder weg waren. Was beweist, das Prinzip «Geben und Nehmen» funktioniert.

«Wenn ich Leute beim Bücherschrank antreffe, sind die Reaktionen jeweils durchwegs positiv», verweist der Initiant auf einen arbeitslosen Schrank-Benützer, der froh ist, dort Lesestoff vorzufinden. Auch die Frequenz sei recht erstaunlich: «Wenn ich mich 45 Minuten in der Nähe des Bücherschranks aufhalte, schaut im Durchschnitt alle vier Minuten eine Person in den Schrank.» So sei der Bücherumschlag vor allem an Grossanlässen wie am slowUp markant gewesen. Insgesamt schätze man anhand von Stichprobenbeobachtungen, dass «der Schrank im Kreuzackerpark bei gutem Wetter von täglich etwa 100 Leuten genutzt wird. Das bedeutet auch, dass sicher täglich 50 bis 100 Bücher ‹umgesetzt› werden.»

Soziale Kontrolle ist wichtig

Zehn bis zwölf Personen teilen sich die Betreuung des Ganzjahres-Bücherschranks im Kreuzacker, daneben gibts noch einen saisonalen, der nach den Literaturtagen in der Badi installiert wurde. «Jeden zweiten Tag muss man vorbeischauen», meint Hartwig Roth, der über gleich zwei Bücherdepots verfügt – ein privates und eins im Gewerbeschulhaus. Kein Problem sei dagegen der Vandalismus, «aber die soziale Kontrolle am Kreuzacker ist wichtig».

Agenda: Am Sonntag, 21. Juli, sind tagsüber Lesungen beim Offenen Bücherschrank im Kreuzacker vorgesehen.