Das kann passieren, wenn ein Zug nach einem Unfall noch weiter und über eine Kantonsgrenze rollt. Und es garantiert im Übungsfall, dass man guten Gewissens Polizisten und Rettungskräfte aus Bern und Solothurn aufbieten kann. So wurde die Grossübung «Triangel 2010» zu einer interkantonalen Angelegenheit.

Das «Tri» im Namen rechtfertigte aber die Stadt Zofingen, die ihre Feuerwehr für «Beobachterdienste» nach Inkwil entsandte. Wie mit den beiden Kantonen unterhalten die SBB mit Zofingen eine Leistungsvereinbarung.

Insgesamt standen gestern etwa 350 Personen im Einsatz. SBB, Polizei, Feuerwehren, Rettungsdienste und Care-Teams versuchten, den Ernstfall zu simulieren. Das sorgte für ziemlich viel Trubel, und auch wenn es nur ein Test war, machte sich im Dorf mit 650 Einwohnern so etwas wie Ausnahmezustand breit.

Aufgeschlitzte Züge

Am Morgen um 10 Uhr wurde Alarm geschlagen. Gemäss dem 16-seitigen Drehbuch sah die Ausgangslage so aus: Ein Zug mit 90 Passagieren, von Solothurn nach Olten unterwegs, sei von einem Mähdrescher aufgeschlitzt worden und dann in der Inkwiler «Wanne» stehen geblieben. Verletzte, Traumatisierte und Tote habe es gegeben.

Die «Wanne» wird von einer Strasse überführt. Die Brücke bot sich Beobachtern und Zuschauern als idealer Ausguck an. Von da konnten sie mitverfolgen, was danach geschah – und das war zunächst nicht viel.

«Das ist die Realität», sagte Arthur Deiss, der Gesamtprojektleiter der SBB. Das besondere Problem bestand darin, dass die Fahrleitung unter Strom stand. Zuerst musste die Übungsanlage stromlos gemacht und dann geerdet werden. So hörte man zuerst vor allem Schreie und Rufe der Simulanten, und man sah sie hinter den Zugfenstern bluten. Dann erst rollte ein Lösch- und Rettungszug an. Nach und nach wurden die Leidenden geborgen und versorgt.

Manfred Stauffer vom Katastrophenmanagement des Kantonsarztamts Bern war als Übungsleiter der Sanitätsdienste vor Ort. Was die eigentliche Aufgabe der Sanität betrifft, hielt sich die Anforderung in Grenzen. «Wichtig ist aber, dass die Übergabe der Patienten durch die Feuerwehr an die Sanitäter geübt wird», so Stauffer. Gut sei auch die Übung mit dem elektronischen Patientenleitsystem, das zum Einsatz komme. «Früher wurde alles von Hand erfasst.»

Auswertung bis Ende Jahr

Um 11.30 Uhr fand der erste Übungsrapport mit den Einsatzleitern der verschiedenen Organisationen statt. Die Retter waren offenbar auf der Höhe der Aufgabe. Die Erdung sei durchgeführt worden, sagte der Feuerwehrchef, ein minimaler dreifacher Brandschutz sei aufgebaut. Der Chef der Polizei sagte, das Gebiet sei weiträumig abgesperrt, und er verlangte, die Transportkapazität von der Unfallstelle zum Mehrzweckgebäude zu erhöhen. Fünf Tote bilanzierte der Leiter der Sanität, und jener der SBB hoffte, dass bald ein Gleis in Betrieb genommen werden könne. «Für Verpflegung ist gesorgt», sagte Bänz Marti von der Kantonspolizei Bern, der Einsatzkoordinator.

Wie die Probe verlaufen ist, wo es Schwächen gibt, was verbessert werden muss, das wird ein Bericht zeigen. «Bis Ende Jahr», sagte Deiss, «werden wir die Übung auswerten.»