Der Herbstwald lockt mit seinen Pilzen. Für Sammler gibt es wohl kaum Schöneres, als mit einem Korb von selbst gesammelten Schwämmen heimzukehren. Doch sind alle Pilze auch essbar? Viele Sammler vertrauen deshalb klugerweise auf die Pilzkontrolleure, die aus dem Sammelgut giftige und ungeniessbare Pilze aussortieren. Um die grosse Verantwortung ihrer Tätigkeit im Dienste des Gesundheitsschutzes tragen zu können, bilden sie sich Jahr für Jahr weiter. «Unsere Pilzbestimmungsübungen, der Erfahrungsaustausch und die Generalversammlung finden auch dieses Jahr wieder in der Pilzsaison und zum ersten Mal in Bettlach statt», sagt Lilian Theurillat, Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane (VAPKO).

«Im Zweifelsfall nie»

Irren ist menschlich. Aber wenn sich Pilzkontrolleure irren, kann dies tödlich sein. Von den hierzulande rund 5500 Grosspilzarten sind die meisten ungeniessbar. Nur etwa 200 sind essbar und ungefähr ebenso viele sind mehr oder weniger giftig.

«Selbst ein ausgewiesener Kontrolleur kennt nicht alle Wald- und Wiesenpilze. Oft bekommt man seltene Arten gar nie zu Gesicht. Und es gibt solche, die sich so sehr gleichen, dass man schon ein Mikroskop und ein geschultes Auge braucht, um sie sicher zu unterscheiden», sagt Pilzkontrolleur Franz Forster. Seit vielen Jahren betreut er gemeinsam mit seinen Kollegen Rolf Keller und Seleno Campagna die Pilzkontrollstelle der Gemeinde Grenchen. Seleno Campagna ist zusätzlich mit Pilzkontrolleur Andreas Baumgartner für die Kontrollstelle Bettlach zuständig. Rasch und vor allem sicher müssen sie visuell erkennen: essbar oder giftig?

Um für die Tätigkeit der Pilzkontrolle fit zu sein, bilden sich die vier Kontrolleure bei den regelmässig angebotenen Weiterbildungen in Verbandskursen, beim Kantonalen Labor Solothurn und im Verein für Pilzkunde Grenchen weiter. Das Motto für den Pilzkontrolleur lautet deshalb: «Im Zweifelsfall nie», betonen die Bettlacher und Grenchner Pilzexperten.

Eine schwere Vergiftung in diesem Jahr

Trotz der hierzulande vielen Pilzkontrollstellen ereignen sich jedes Jahr leichte und schwere Vergiftungen durch nicht kontrollierte Pilze. Verwechslungen, Unwissenheit, Nachlässigkeit und Selbstüberschätzung spielen bei diesen Vergiftungen die wesentliche Rolle. So gingen beim Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum in Zürich (Tox-Zentrum) letztes Jahr 733 Anfragen zu Pilzvergiftungen ein.

Darunter war eine schwere Vergiftung mit tödlich giftigen Grünen Knollenblätterpilzen zu verzeichnen. Diese enthalten gefährliche Zellgifte, genannt Amanitine oder Amatoxine, die zu starken Schädigungen der Leber und gar zum Tod führen können. Die Patientin ging nur knapp am Tod vorbei.

Auffallend seien unter anderem die vermehrten Vergiftungen mit dem Riesen-Rötling gewesen, berichtet Katharina Schenk-Jäger, die Ärztin und Pilzexpertin des Tox-Zentrums. Von den 15 Betroffenen mussten 8 ins Spital. Die Patienten litten an starkem Erbrechen und Durchfall. Vor allem anhaltender Durchfall kann schon bald zu einem beunruhigenden Flüssigkeitsverlust führen. Mit dieser Austrocknung des Körpers geht ein Verlust an lebensnotwendigen Stoffen wie Natrium-, Kalium-, Magnesium- und Chloridionen (Elektrolytverlust) einher.

Bei Kindern und älteren Leuten kann dies rasch zu schweren Krämpfen und andern Körperfunktionsstörungen und in schweren Fällen sogar zum Tod führen. Doch selbst wenn eine solche Pilzvergiftung glimpflich endet, so ist sie für die Betroffenen doch immer ein scheussliches, lange Jahre prägendes Schmerz- und Angsterlebnis.

Dichtes Kontrollstellen-Netz

Beim leisesten Zweifel sollten Pilzsammler ihre ganze Ernte von einer Pilzkontrollstelle prüfen lassen, umso mehr, als dies ja bequem und in den meisten Fällen kostenlos ist, wie VAPKO-Präsidentin Theurillat anmerkt. Um Pilzliebhaber vor Vergiftungen mit wild gewachsenen Pilzen zu schützen, hat die VAPKO in Zusammenarbeit mit den Gemeinden seit 1925 ein dichtes Netz von Pilzkontrollstellen aufgebaut, das inzwischen rund 400 Mitgliedsgemeinden umfasst. Die so gebotene Möglichkeit, geerntete Wildpilze von ausgebildeten Fachleuten kontrollieren zu lassen, hat zweifellos schon viele Leben gerettet.