Eine Raststätte ist kein Flughafen. Und doch versprüht sie an der Autobahn ein fast internationales Flair.

Reiseromantik entlang des Highways wird in unzähligen Hollywood-Filmen wiedergegeben.

Nur, dass es in der Schweiz keine endlosen, menschenleeren Strassen gibt, sondern meist überfüllte – wie hier am Jurasüdfuss. Die beiden Raststätten in Deitingen sind dabei die einzigen Halte- und Verpflegungsmöglichkeiten zwischen Gunzgen und Grauholz.

Gerade jetzt in den Ferien herrscht in den Tankstellenshops und Restaurants Hochbetrieb. Die Autos, Reisebusse und Lastwagen parkieren wenige Meter von der Aare entfernt, getrennt nur durch einen mannshohen Maschendrahtzaun und eine abschüssige Waldzeile.

Praktisch alle Kantonswappen sind auf den Parkplätzen vertreten, dazu Autoschilder aus Deutschland, Holland, Belgien, Slowakei, Ukraine, Spanien, Frankreich oder Lettland.

Viele stoppen für eine kurze Rauchpause, einen Fahrerwechsel, einen Snack, oder um ein paar Tafeln Schweizer Schokolade zu kaufen. Denn womöglich ist dies hier der letzte Halt, bevor es über die Grenze in ein anderes Land geht.

Maximal 15 Stunden Parkzeit – das dürfte für die beiden deutschen Lastwagenfahrer reichen, die bei halb offener Fahrertür in der schwülen Abendsonne dösen.

Daneben, hinter dem Tankstellenshop auf der Südseite, sitzt eine ukrainische Familie bei einem schon fast festlichen Gelage. Der ganze Steintisch ist gedeckt mit kleinen Happen, die sie genüsslich verspeist.

Die Raststätte mit dem geschwungenen Steinbogen-Dach scheint oft besucht von allerlei Sportfans. Parolen und Kleber von Genfer, Zürcher oder St.  Galler Fussballclubs schmücken Fassade und Container.

An der Autobahn ist die Verpflegung 24/7, also 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche. Viele Junge, vor allem Pärchen und einige Arbeiter, sind an diesem Sommerabend unterwegs.

Doch nur selten bleiben sie lange, denn oft liegt noch ein gutes Stück Weg vor ihnen. Die Raststätten sind nur ein kleiner Tupfer auf der Karte ihrer Tagesroute. Trotz der internationalen Besucher sind auf beiden Seiten auch erstaunlich viele Einheimische anzutreffen.

Sie sind eigentlich nur wegen der Burger hier. Gemütlich eine Cola trinkend, sitzen Andreas Schwab aus Arch und Reto Ledermann aus Langendorf auf einer Bank neben den Parkplätzen der Raststätte in Fahrtrichtung Wangen.

«Das Essen hier ist cool, Amerika-mässig halt.» Wenn, dann verreisen sie meist mit dem Auto in die Ferne – aber jetzt nicht mehr: «Wir haben unsere Ferien bereits durch.»

«Mein Nachname? Den sage ich nicht. Du könntest ja von der CIA sein!» Roman lacht. Zusammen mit seinen drei Freunden aus der Ukraine und der Slowakei ist er heute bereits seit 1300 Kilometern unterwegs.

In Deitingen Nord gibts Fahrerwechsel und Kaffee. Ihr Ziel ist Lyon, danach Barcelona, Venedig, Mailand, Budapest ... «Wenn du was Schönes erleben willst, musst du unbedingt in die Ukraine kommen», sagt Roman, bevor er den Motor startet.

Eigentlich ist Gabriel Hopf ja Triathlet. Heute ist er mit dem Auto unterwegs, laboriert er zurzeit doch an einer hartnäckigen Knieverletzung.

Von einer Therapie-Massage in Herzogenbuchsee her kommend, will er sich im Marché-Shop nur rasch eine Dose Red Bull kaufen, bevor er heim nach Biel fährt. «Ferien stehen für mich momentan leider keine an, genauso wenig wie Wettkämpfe.»

Sie ist schon fast wieder zu Hause, die Familie aus Bäriswil. Während Vater mit Tochter und Plüsch-Teddy die Abendsonne geniesst, besorgt Mutter das Abendessen. Denn schliesslich sind alle hungrig, und die Fahrt von Erfurt her dauert schon lange.

Vier- bis fünfmal pro Jahr fährt die Familie nach Deutschland, um Verwandte zu besuchen. So kehren sie immer mal wieder an Raststätten entlang der viel befahrenen Autobahnen ein.

Beide sind sie schier am Verhungern. Dabei sind Daniel Trutt und Rebecca Kellerhals aus Solothurn eigentlich auf dem Weg zu einer Grillade in Wolfisberg. Sie wollen das schöne Wetter geniessen.

«Wir nehmen daher das Arbeiten easy», sagt Trutt. Lässig sitzt er auf seinem glänzenden Ford Falcon, einem argentinischen Modell, Baujahr 1963. Der Hotdog von der Tankstelle ist schnell verzehrt. Weiter gehts.