Prozess
Nur drei der fünf Beschuldigten am «Prostituierten-Prozess»

Am Bundesstrafgericht in Bellinzona ist heute der Prozess gegen einen 60-jährigen Solothurner und seine Helfer fortgesetzt worden. Sie sollen 143 Frauen zur Prostitution in die Schweiz gelockt haben. Erschienen sind nur drei der fünf Beschuldigten.

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Die Jugendprostitution in Polen nimmt zu (Symbolbild)

Die Jugendprostitution in Polen nimmt zu (Symbolbild)

Keystone

Gemäss der Anklageschrift müssen sich aber fünf Personen vor Gericht verantworten. Erschienen waren aber nur der mutmassliche Haupttäter, ein 60-jähriger Bordellbetreiber aus Solothurn, sowie ein 63-jähriger Kollege und eine aus Kap Verde stammende 57-jährige Frau. Zwei ebenfalls beschuldigte Brasilianerinnen fehlten zur Verhandlung. Der Prozess werde ohne sie fortgesetzt, teilte das Gericht am Morgen mit. Es sei davon abgesehen worden, Zwangsmassnahmen zu ergreifen. Die Brasilianerinnen würden durch ihre Anwälte vertreten.

Erster Prozesstag bereits im Juni

Einen ersten Prozesstag hatte es bereits im Juni gegeben. Damals musste sich der Hauptangeklagte zu den allein ihn betreffenden Anklagepunkten Geldfälschung, Drogenhandel und Pornografie äussern. Ab Montag stehen nun die zentralen Anklagepunkte Menschenhandel, Prostitution, Freiheitsberaubung und Geldwäscherei im Mittelpunkt. Die Bundesanwaltschaft wirft den Beschuldigten in erster Linie vor, gemeinschaftlich zwischen 2001 und 2006 in Brasilien 143 Frauen aus ärmsten Verhältnissen angeworben und ihnen Jobs als Kindermädchen und Haushaltshilfen in der Schweiz versprochen zu haben. Sie wurden aber dann in Bordelle in Wolfwil, Olten und Wangen eingesperrt und aufgefordert, die vermeintlichen Reisekosten durch Prostitution abzuarbeiten.

Sechs Verhandlungstage sind angesetzt. Die Urteilseröffnung ist nach Angaben des Gerichts für den 1. Dezember vorgesehen. (sda/san)