Problem in Kläranlage
Noch keine Entwarnung an der Wasserfront in Obergösgen und Lostorf

In Lostorf und Obergösgen sollte Leitungswasser weiterhin abgekocht werden. Erste Ergebnisse der Wasserproben sind zwar negativ, die Behörden geben jedoch vorsichtshalber noch keine Entwarnung.

Toni Widmer
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Mögliche Verschmutzung des Grundwassers:

Mögliche Verschmutzung des Grundwassers:

Toni Widmer

Offiziell wird das Trinkwasser in den Solothurner Gemeinden Obergösgen und Lostorf allenfalls im Verlauf vom Mittwoch wieder freigegeben.

Inoffiziell machten sich viele schon am Dienstagmorgen keine Sorgen mehr: «Die Versorgung ist umgestellt worden, das Trinkwasser wird jetzt aus Dulliken in unsere Leitung gespiesen. Für uns gibt es zum Glück keine Einschränkung mehr», erklärte eine Wirtin kurz vor Mittag.

Eine Vorsichtsmassnahme

Die am Montagabend von den örtlichen Feuerwehren mit Flugblättern sowie vom Mediendienst der Kantonspolizei über die Medien verbreitete Empfehlung, Trinkwasser nur noch in abgekochten Zustand zu geniessen, ist eine reine Vorsichtsmassnahme.

Eine Verunreinigung ist bis dato nicht nachgewiesen worden. Die Empfehlung wurde am Dienstagabend dennoch aufrechterhalten. Die Gefahr wegen einer Panne in der Abwasserreinigungsanlage Winznau sei nicht allzu gross, aber sie bestehe: «Es sind in einer ersten Analyse keine Kolibakterien gefunden worden. Wir wollen aber kein Risiko eingehen und warten vorerst noch weitere Untersuchungen ab», erklärte der Obergösger Gemeindepräsident Christoph Kunz.

Das Vorgehen ist mit dem Amt für Umwelt abgesprochen und findet auch die Unterstützung von Kantonschemiker Martin Kohler: «Die Gemeinde hat völlig richtig reagiert. In solchen Fällen darf man kein Risiko eingehen.»

Mikrobiologie ausser Funktion

Das Risiko einer Trinkwasserverschmutzung bestand, nachdem Ende der vergangenen Woche aus bisher ungeklärten Gründen die Mikrobiologie in der ARA Winznau versagte. Darauf floss kurzzeitig verschmutztes Wasser in den Aarekanal.

An diesem Kanal steht die Grundwasserfassung der Gemeinden Obergösgen und Winznau. Obwohl man davon ausgehen durfte, dass das aus der ARA fliessende Schmutzwasser im Kanal stark verdünnt worden war, liess sich eine Kontaminierung des Grundwassers letztlich nicht mit absoluter Sicherheit ausschliessen. Die Verantwortlichen der Wasserversorgung entschieden sich deshalb für die unpopuläre Massnahme.

Exponierte Lage am Aarekanal

Schon beim verheerenden Aare-Hochwasser im August 2007 konnte eine Verschmutzung der Obergösger Grundwasserfassung nicht ganz ausgeschlossen werden. Damals begegnete man der Gefahr mit einer Not-Chlorierung.

1993 hat der Kanton Solothurn alle Wasserfassungen in Aarenähe mit Färbversuchen untersucht. Dabei zeigte sich, dass jene von Obergösgen etwas exponiert liegt. Die Infiltration mit Wasser vom Kanal ist aus geologischen Gründen leicht höher als anderswo. Die Situation ist allerdings nicht beunruhigend und es drängt sich auch keine Sanierung auf.