Rohr/Stüsslingen

Zwei Versammlungen unter demselben Stern

Am Jurasüdfuss liegt Stüsslingen. Die Gemeinde ist rund zehnmal so gross wie der Fusionspartner Rohr.

Am Jurasüdfuss liegt Stüsslingen. Die Gemeinde ist rund zehnmal so gross wie der Fusionspartner Rohr.

An den Gemeindeversammlungen von Rohr und Stüsslingen wurden das Budget verabschiedet und Vorbereitung für die Fusion getroffen.

Am Montagabend fanden die Budgetgemeindeversammlungen in Rohr und in Stüsslingen zur selben Zeit statt. Beide Gemeinden hatten ein Traktandum gemeinsam: Der Eintretensbeschluss ohne Schlussabstimmung zum Zusammenschluss der Gemeinde Rohr mit der Gemeinde Stüsslingen per 1. Januar 2021. Dieses aussergewöhnliche Traktandum wurde in Rohr und Stüsslingen einstimmig angenommen. Folglich wird am nächsten 9. Februar an der Urne entschieden, ob Rohr und Stüsslingen per 2021 eine Gemeinde sein werden.

Trotz diesem wichtigen Posten war das Interesse an den Budgetversammlungen durchschnittlich. In Rohr kamen mit 16 Stimmberechtigten etwas mehr Leute als gewöhnlich. «Ich bin schon etwas erstaunt, dass nicht mehr Leute gekommen sind», meint André Wyss, Gemeindepräsident von Rohr. Seine Erfahrung spiegelt sich mit derjenigen in Stüsslingen. Mit 38 Stimmberechtigten wurden auch dort die Erwartungen untertroffen.

Die beiden Budgetgemeindeversammlungen standen ganz im Zeichen der Fusion. Geschäfte waren traktandiert, die eine reibungslose Fusion erst ermöglichen: Stüsslingen wechselt von der Sozialregion Oberes Niederamt zur Sozialregion Unteres Niederamt, da Rohr schon bei Letzterer dabei ist. Die Finanzierung der Administration kostet bei dieser weniger. In Rohr wird der Steuerfuss um 4 Prozentpunkte auf 121 Prozent gesenkt werden. «Wir konnten die Steuern senken, weil die letzten Jahre gut ausgefallen sind», erklärt Wyss.

Beim Festlegen des Steuerfusses habe man sich aber klar an Stüsslingen orientiert. Durch die gute finanzielle Lage in Rohr werden nun überfällige Projekte in Angriff genommen: So wird nächstes Jahr die Ortsplanungsrevision in Angriff genommen. Dafür wurde am Montag das räumliche Leitbild verabschiedet. Das Leitbild wird als Grundlage für die Revision dienen. «Die letzte Ortsplanrevision hatten wir 2002», erklärt Wyss. So will man die Revision noch vor der Fusion verabschieden, damit «gemeindespezifische Anliegen explizit einfliessen», wie es in den Kurzinformationen zur Traktandenliste steht.

Das abgebaute Rohrer Defizit erlaubt auch eine Investition in die Schulstrasse: «Die Schulstrasse ist schon lange ein Thema», erklärt Wyss. Er ist froh, werden nächstes Jahr die Leitungen saniert und die Strasse asphaltiert. Kostenpunkt: 150'000 Franken.

Den Gürtel ein wenig enger schnallen

«Wir werden in nächster Zeit nur die nötigsten Investitionen tätigen», sagt Georges Gehriger, Gemeindepräsident von Stüsslingen. Denn Stüsslingen rechnet mit Einnahmensbussen: «Zum einen rechnen wir mit 3 Prozent weniger Steuereinnahmen. Zum anderen wissen wir, dass 50000 Franken weniger vom Kanton kommen», erklärt der Finanzverwalter von Stüsslingen, Matthias Deppeler. Gehriger erklärt im Anschluss an die Versammlung, dass die fehlenden Gelder des Kantons spürbar sind. Für kleine Gemeinden wie Stüssling, die viel Infrastruktur haben, sei das System, wie die Gelder verteilt werden, nicht gut. Denn die Gelder werden pro Kopf verteilt. «Da muss beim Kanton ein Umdenken stattfinden», meint er.

Trotz den Einbussen wird die Gemeinde nächstes Jahr das 13-jährige Flachdach der Schule sanieren und neue Türen einsetzen. Kostenpunkt: 360000 Franken. Die Gemeindeversammlung gewährt diese Investition einstimmig.

Beide Gemeinden sind nun bereit für den nächsten Volksentscheid an der Urne am 9. Februar 2020.

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