Lostorf

Zwei Frauen erfüllten sich mit dem Laden ihren Traum

Barbara Müller und Andrea König zeigen in ihrem Laden in Lostorf, wie sich Gegensätze ergänzen können.

«Mit Härzbluet för Sie usgsuecht.» Das Schild steht auf dem Trottoir neben Flamingos, Windrädern und einem Herz aus Holz. Es lädt zum Betreten des kleinen Lostorfer Ladens an der Hauptstrasse ein. Gleich zwei Namen stehen an der Eingangstüre: «Krönchenstube» und «Brönnkunscht».

Im Verkaufslokal zieht sich die Zweiteilung durch. Links erscheint der Raum in strahlendem Weiss. Das ist die «Krönchenstube». Hier kann die Kundin stöbern, hier gibt es einiges zu entdecken: von Kleidungsstücken, Kerzenhaltern und verschiedenen Teesorten über kleine Dekorationsfiguren bis hin zu Blechschildern mit schlauen Sprüchen drauf. Der Gegensatz dazu folgt auf der rechten Seite: Dieser Raum wirkt wärmer, die Wände sind dunkelbraun gestrichen. Das ist der Teil der «Brönnkunscht». Hier brennen Kerzen in den Laternen aus Blechdosen, hier geht es rustikaler zu und her.

Sie spielen mit den Gegensätzen

Hinter dem zweigeteilten Laden stehen Andrea König und Barbara Müller. Mit «Härzbluet» eröffneten sie ihren gemeinsames Ladenlokal vor genau zwei Jahren. Die Freundschaft zwischen den beiden Frauen existiert aber schon viel länger. Dennoch könnten die beiden Frauen nicht unterschiedlicher sein: «Ich bin eher die Romantische mit den Frauensachen», sagt König. «Ich habe lieber Werkzeuge in der Hand», meint Müller. Aber das ergänze sich, schieben die beiden Verkäuferinnen nach.

Andrea König von der «Krönchenstube» erzählt: «Ich habe mit dem Verkaufen von ‹Shabby Chic Möbeln› und Accessoires schon vor fünf Jahren begonnen.» Damals habe sie in ihrer Freizeit so viele Möbelstücke restauriert, dass ihr Mann ihr gesagt habe: «Das wird zu viel, jetzt musst du sie verkaufen», sagt König, die in der Administration und Kundenbetreuung bei einer Schreinerei arbeitet. Während dreier Jahre stellte die 48-Jährige ihre Stücke dann bei sich zu Hause aus, «in unserer Stube».

Müller verkaufte derweil ihre «Brönnkunscht»-Gegenstände in Königs Stube oder an Weihnachtsmärkten. Das Handwerk des «Plasmaschweissens» habe sie von ihrem Vater gelernt. In Ledermontur, mit Helm und Schutzbrille fertigt sie ihre Werke draussen vor dem Haus an. «Es ist eine Drecksarbeit», sagt die 47-Jährige. Aber sie mache sie gerne. Am liebsten mag sie verrostete, gebrachte Metallstücke, die sie in etwas Neues, Dekoratives verwandeln kann. Als ehemalige Innendekorateurin kennt sie sich damit schliesslich aus.

Heute arbeitet sie als administrative Mitarbeiterin in einer Physiotherapiepraxis. «Seither ist mein Hobby gewachsen, da ich nun meinen eigenen Stil entwickeln konnte», sagt Müller.
Nach den Jahren im improvisierten Verkaufslokal in Königs Stube haben sich die Freundinnen schliesslich den Traum eines gemeinsamen Ladens erfüllt. Für König aus Stüsslingen und für Müller aus Winznau sei Lostorf nun die «perfekte Mitte». «Und mit der Raumaufteilung passt dieses Lokal einfach sehr gut zu uns», so Müller. So könnten sich beide in ihrem Reich ausleben.

Den Laden bezeichnet König als ihr «erweitertes Hobby». Die Haupteinnahmequelle sei noch immer der Job, den Laden würden sie nebenbei betreiben. Immer wieder auch mithilfe ihrer Kinder — Andrea König hat drei Töchter, Barbara Müller hat einen Sohn und eine Tochter.

«Bis nach Neuseeland»

Auch wenn die Freundinnen nicht vom Ladenbetrieb leben können, stehen sie mit «Härzbluet» dienstags, mittwochs, freitags und samstags hinter dem Verkaufstresen. «Wir haben zwar keine wirkliche Laufkundschaft, dafür kommen unsere Kunden gezielt zu uns», sagt König. Diesen Stammkunden wollen die beiden Frauen immer wieder Neues bieten: «Wir suchen Sachen heraus, die es nicht überall zu kaufen gibt», erklärt Müller.

Das mache ihren Laden aus. Und locke auch schon mal Kundschaft aus Winterthur, dem Aargau oder dem Gäu nach Lostorf. König erzählt von einer Hose, die sie ins Bündnerland geschickt hatte. Und Müller ergänzt stolz: «Eine meiner Laternen reiste sogar schon bis nach Neuseeland.»

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