Lostorf
«Zu wenig Entscheidungsfreiheit»: Wird die fehlende Variante zum Verhängnis?

Am Montag wurde dem Gemeinderat von Lostorf das Projekt «Hauptstrasse Nord» präsentiert. Eine zweite Variante wurde vermisst.

Fabio Baranzini
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Rolf Ackermann erklärt den Anwesenden die Pläne für die neue Hauptstrasse in Lostorf.

Rolf Ackermann erklärt den Anwesenden die Pläne für die neue Hauptstrasse in Lostorf.

Fabio Baranzini

Montagabend kurz vor 20 Uhr im ersten Stock des Gemeindehauses Lostorf: Die bereitgestellten Sitzgelegenheiten für die Gäste im Sitzungszimmer des Gemeinderates reichten nicht aus. Obwohl noch einige Stühle geholt wurden, mussten einige Besucher stehen. Der Grund für das überdurchschnittlich grosse Interesse an der Gemeinderatssitzung wurde beim Blick auf die Traktanden schnell klar. Punkte 1: Vorstellung des Projekts Hauptstrasse Nord und weiteres Vorgehen.

Beinahe über die gesamte Breite des Sitzungszimmers erstreckte sich der Plan, den Rolf Ackermann von der Firma Rothpletz, Lienhard + Cie AG und Stephan Karlen von den SKK Landschaftsarchitekten an diesem Abend präsentierten. Detailliert informierten sie den Gemeinderat und die anwesenden Lostorferinnen und Lostorfer darüber, wie das Projekt «Hauptstrasse Nord» umgesetzt werden soll.

Das Objekt der Debatte: Die Hauptstrasse. Ausbau Hauptstrasse Nord und Dorfplatz, Lostorf Drohnenfoto Hauptstrasse Nord mit Dorfplatz und Wendeplatz der BOGG-Fahrzeuge (links geht's gegen das Lostorf Bad, rechts Richtung Schmittenbrücke/Dorfzentrum)

Das Objekt der Debatte: Die Hauptstrasse. Ausbau Hauptstrasse Nord und Dorfplatz, Lostorf Drohnenfoto Hauptstrasse Nord mit Dorfplatz und Wendeplatz der BOGG-Fahrzeuge (links geht's gegen das Lostorf Bad, rechts Richtung Schmittenbrücke/Dorfzentrum)

Bruno Kissling

Was bisher geschah

Rückblende: Im Frühling 2014 hat der Gemeinderat einen Kredit für die Planung der Sanierung der Hauptstrasse bewilligt. Im Herbst 2016 wurde dann ein Konzept präsentiert, das die Strassensanierung, die Leitungssanierung, den Hochwasserschutz, eine höhere Sicherheit und eine Optimierung der Situation beim öffentlichen Verkehr beinhaltete. Kostenpunkt: rund 4,7 Millionen Franken. Dieses Konzept wurde der Bevölkerung vorgelegt, die sich teilweise kritisch dazu geäussert hat.

Auch an der Gemeindeversammlung Ende des Jahres 2016 regte sich Widerstand gegen den Planungskredit in der Höhe von 175’000 Franken. Dieser blieb jedoch erfolglos, aber der Gemeinderat versprach damals, dem Souverän zwei Varianten – eine Maximalvariante und eine kleinere Variante des Projekts – zu präsentieren. Im vergangenen Jahr wurde das Projekt weiter vorangetrieben, sodass es nun am Montagabend dem Gemeinderat präsentiert werden konnte.

Sicherheit als Hauptkriterium

Das wichtigste Kriterium bei der Umsetzung des Projekts ist für Ackermann und Karlen die Sicherheit. Mit vier Verengungen auf der etwas mehr als 900 Meter langen Strecke soll das Tempo der Fahrzeuge auf der neuen Hauptstrasse reduziert werden, wodurch sich automatisch auch die Sicherheit erhöht. Angenehmer Nebeneffekt: Auch die Lärmemissionen sinken. «Wir haben beim gesamten Projekt darauf geachtet, dass die Strasse eine klare Linienführung hat und zudem alle Anforderungen des Gemeinderats erfüllt sind. Dabei hatten wir immer auch die Kosten im Hinterkopf, schliesslich wollen wir die Strasse nicht vergolden», erklärte Ackermann den Anwesenden.

Im Bereich des Dorfplatzes präsentierten die Planer zwei Optionen: Eine mit Tempo 50 und eine mit Tempo 20. Der Clou daran: «Wir können die Strasse genau gleich bauen und je nach Bedarf entweder mit Tempo 50 oder Tempo 20 versehen. Das einzige, was dafür nötig ist, sind zusätzlich Verkehrsschilder und ein Fussgängerstreifen. Mit dieser Lösung wird eine zweite Variante überflüssig», erläuterte Ackermann.

So geht es weiter

Nachdem der Gemeinderat am Montag einstimmig Kenntnis genommen hat vom aktuellen Stand des Projektes «Hauptstrasse Nord», werden bis Mitte März die Kosten berechnet. Danach wird die Bevölkerung informiert und das Projekt wird Ende Juni der Gemeindeversammlung vorgelegt. Am 23. September ist die Urnenabstimmung geplant. Diese wird nötig, da das Projekt mehr als eine Million Franken kosten wird. (fba)

Zweite Variante fehlt

Diese Meinung teilten jedoch nicht alle Gemeinderäte. Die einen sprachen von einer «sehr eleganten» Lösung, die anderen vermissten dagegen die zweite Variante, die man der Bevölkerung versprochen hatte. Zu Letzteren gehörte Yannic Lüthi, der das Ressort Finanzen leitet und an der Sitzung festhielt: «Ich finde die beiden Varianten zu ähnlich, vor allem, weil sie auch praktisch gleich viel kosten dürften. So hat die Bevölkerung zu wenig Entscheidungsfreiheit.»

Ein berechtigter Einwand, wie sich nach der Besprechung des Traktandums, das mit der einstimmigen Kenntnisnahme des aktuellen Projektstandes durch den Gemeinderat endete, zeigen sollte. Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern, die sich nach der Sitzung vor dem Gemeindehaus versammelt hatten, war die Präsentation des Projekts nicht gut angekommen. Man sei enttäuscht und vermisse die zweite Variante, die versprochen worden sei, so der Grundtenor der Anwesenden. Das Projekt «Hauptstrasse Nord» dürfte in Lostorf also weiter für Gesprächsstoff sorgen.

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