Das Firmenareal ist mit Stacheldraht umzäunt, Zugang wird nur auf Anmeldung und gegen Ausweis gewährt. Die seltene Gelegenheit zu einem Einblick in die Munitionsproduktion der seit 2002 in Dulliken, seit 2013 auch in Däniken ansässigen Saltech AG erhielten gestern Freitag etwa 30 eingeladene Behördenvertreterinnen und -vertreter.

Am Firmensitz in Däniken begrüsste Unternehmenschef Andreas Stauffer unter anderen die Solothurner Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler und Gemeinderäte der Standortgemeinden Däniken und Dulliken, aber auch hohe Offiziere der Armee wie Divisionär Claude Meier (Chef Armeestab), Divisionär Hans Peter Walser (Kommandant Territorialregion 2) und Brigadier Rolf Siegenthaler (Chef Armeeplanung), Vertreter von armasuisse (Bundesamt für Rüstung), fedpol (Bundesamt für Polizei) oder der Kantonspolizeien Solothurn und Basel-Landschaft.

Die Schweizer Armee ist eine Hauptkundin von Saltech, aber auch schweizerische Polizeikorps sowie Armeen von europäischen Staaten versorgen sich mit der qualitativ hochstehenden Munition aus dem Solothurner Niederamt. Weitere Saltech-Produkte wie die pyrotechnischen Wirkmittel werden in Ungarn hergestellt.

Hülsen, Pulver und Patronen

In Däniken werden Patronen und Hülsen in mehreren Verarbeitungsschritten in die richtige Form und Grösse gebracht, vom Kaliber 5,56 mm bis zur grossen 12,7-mm-Maschinengewehrmunition. 450 Tonnen Messing pro Jahr werden von Saltech verarbeitet, wie Geschäftsführer Roger Berger mitteilte.

Mit den Ausbauplänen der Firma soll diese Menge auf 900 Tonnen steigen, was ein grosses Lagervolumen erfordert, aber auch viel Kapital bindet: Der Preis des Rohmaterials Messing schwankt zwischen 6000 und 9500 Euro pro Tonne.

In Dulliken werden die Hülsen «angefeuert», das heisst mit Treibladungspulver gefüllt, und die Patronen aufgesetzt. 150 Tonnen Pulver aus dem Nitrochemie-Werk in Wimmis werden jährlich von Saltech verarbeitet; hier steuert die Firma eine Zunahme auf 250 Tonnen an. In den Produktionshallen, in Dulliken wie in Däniken, müssen die Mitarbeiter – darunter viele Frauen – einiges an Maschinenlärm aushalten können.

Insofern ist es klassische Fabrikarbeit, allerdings in einer blitzsauberen Umgebung. Die pingelige Sauberkeit, die beim Rundgang sofort ins Auge sticht, dürfte mit den extrem hohen Sicherheitsanforderungen zusammenhängen. Saltech ist stolz darauf, bisher keine Unfälle zu verzeichnen.

Auch scharf geschossen wird in Däniken: Im unterirdischen 100-Meter-Schiesskanal testet Saltech real, ob die Präzision der Munition den Anforderungen entspricht. Davon ist über der Erde nichts zu hören oder zu spüren.

Ebenfalls in Däniken sind die mit modernen CAD-Anlagen bestückten Arbeitsplätze der Entwicklungsabteilung. Saltech sucht den Geschäftserfolg im Eingehen auf spezielle Kundenwünsche. Erfolg scheint die Däniker Firma zu haben: Die Mitarbeiterzahl hat sich seit 2009 von 35 auf demnächst 80 mehr als verdoppelt.

Bis 2020 soll der Umsatz von heute 40 auf 80 Mio. steigen, die Mitarbeiterzahl auf 110 steigen. Infolge ihres Wachstums hat die Firma dieses Jahr ein benachbartes Areal von rund 23 000 m2 an der Güterstrasse in Däniken zugekauft und will ihre Anlagen aus Dulliken hierher verlegen.

Sinn und Berechtigung von Munitionsproduktion liegen in der Sicherheit. Diesen Kontext stellte am Saltech-Behördentag der bekannte Experte Prof. Albert A. Stahel mit einem Referat zum Terrorismus her. Den abschliessenden Höhepunkt setzte alt Bundesrat Adolf Ogi: Mit Herzblut wie eh und je liess er die Besucher an seinem einmaligen Weg «von Kandersteg über Bern nach New York und zurück» teilhaben.