Niedergösgen
Zeitdokument aus Niedergösgen: Er verschafft Fritz Erni späten Ruhm

Markus Hoser hat Filmaufnahmen eines verstorbenen Niedergösgers digitalisiert, bearbeitet und neu vertont. Der Film bildet einen Teil der Geschichte der Gemeinde ab.

Judith Frei
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In seinem Studio in Niedergösgen digitalisiert und vertont Markus Hoser die Filmaufnahmen.

In seinem Studio in Niedergösgen digitalisiert und vertont Markus Hoser die Filmaufnahmen.

Remo Fröhlicher

Der Arbeiter im grauen Overall steht auf einer Leiter. Er hilft seinen Kollegen, eine Glocke an einem Holzträger anzumachen. Dabei wackelt die Leiter gefährlich. Er und seine drei Kollegen tragen keinen Schutzhelm und sind auch nicht gesichert. «So zu arbeiten, wäre heute undenkbar», sagt Markus Hoser. Denn die Arbeiter haben die Glocken 1962 in Niedergösgen befestigt.

Heute sehen wir diese Arbeiter dank Fritz Erni, der die Filmaufnahmen gemacht hat. Der Niedergösger Bürger ist 1916 geboren und hat sein Leben lang bei Bally als Mechaniker gearbeitet. Schon in den 1930er-Jahren hat er Fotografien gemacht, weiss sein Sohn Fritz Erni. Die ersten Filmaufnahmen hat er Mitte der 1950er-Jahren realisiert. Die Fotografien blieben auch wichtig. «Er hatte eine enge Beziehung zum Wald, so war er auch jahrelang in der Forstkommission. Seine besten Bilder hat er vom Wald gemacht», sagt sein Sohn. Als er 2003 verstorben ist, hat er viele Filmaufnahmen und Fotografien der Bürgergemeinde Niedergösgen geschenkt.

Faszination Film seit den Jugendjahren

«Mich hat der ehemalige Bürgerpräsident Otto Meier angefragt, ob ich die Filmaufnahmen überspielen und neu vertonen könnte», sagt der Niedergösger Markus Hoser. Überspielen heisst im Fachjargon digitalisieren. Der Filmspezialist Hoser hat Ende der 1960er-Jahre eine Lehre zum Radioelektriker gemacht.

Noch während der Lehre hat ihn die Filmerei gepackt. «Das habe ich meinem Lehrmeister zu verdanken», meint Hoser. Denn dieser habe ihm für drei Wochen frei gegeben, damit er eine Reise nach Korsika machen konnte. Er gab ihm sogar eine Kamera mit. Sein Vater habe ihm die teuren Filme geschenkt. Daraus ist ein 20-minütiger Film über seine Reise entstanden. «Seither ist die Filmerei mein Hobby», meint der 66-Jährige.

«Vor 30 Jahren haben wir uns selbstständig gemacht»

Nach seiner Lehre hat er als Tontechniker beim Schweizer Radio und Fernsehen gearbeitet. Dank einem Abstecher als Flugzeugmechaniker zu SR Technics — die Flugzeuge der Swissair wartete — konnte er an verschiedenen Arbeitsstellen im Ostblock und Manaus in Brasilien arbeiten.

Zurück in der Schweiz hat er, nach einem kurzen Intermezzo als Techniker im Kernkraftwerk Gösgen, mit seiner Frau Pia sein eigenes Geschäft Radio-TV Hoser eröffnet: «Vor knapp 30 Jahren haben wir uns selbstständig gemacht», sagt er. Sein Unternehmen hat sich auf die Reparatur von Fernsehern und Radios spezialisiert.

Vertonen sei grösster Aufwand

Gleichzeitig hat er damit angefangen, Filme zu digitalisieren: «Ich habe schon diverse Projekte für Privatpersonen gemacht, die ihre Familienaufnahmen digitalisieren lassen wollten», sagt er und zeigt diverse DVDs, welche er realisiert hat.

Dabei sei der grösste Aufwand das Vertonen: «Bei einer Aufnahme sieht man eine Person auf den Skier. Das Geräusch der Skier auf dem Schnee habe ich dann nachvertont, indem ich ein Blatt Papier zerissen habe. Das ist aufwendig», sagt er.

«Ein Film ohne Ton langweilt den Zuschauer»

Als Markus Hoser gefragt wurde, ob er die Aufnahmen von Fritz Erni neu aufbereiten könne, habe er sofort Ja gesagt: «Die Aufnahmen waren in einem schlechten Zustand», erklärt er. Da er sie unentgeltlich aufbereitet habe, habe er schlussendlich fast vier Jahren daran gearbeitet. «Die effektive Arbeitszeit kann ich aber nicht beziffern», meint er.

Die Bilder seien ohne Ton aufgenommen worden, so habe er die Musik und die Geräusche im Nachhinein eingefügt. «Ein Film ohne Ton langweilt den Zuschauer.» Auch mussten die Bilder digital bearbeitet werden.

Körnige Aufnahmen aus den 1960er-Jahren

Nun hält er das Produkt in der Hand: Eine Doppel-DVD mit dem Titel «Us eusem Dorf...». Auf der ersten DVD sind die Aufnahmen des Jugendfestes von 1986 zu sehen. Bei diesen sind die Originalaufnahmen noch vorhanden. So hört man den ehemaligen Lehrer Ruedi Cartier das Fest kommentieren. Auf der zweiten DVD sind diverse Aufnahmen zu sehen. So auch die eingangs beschriebenen Arbeiter, die währen des Glockenaufzugs 1962 in Niedergösgen das Kirchengeläut befestigten.

Die körnigen Aufnahmen zeigen dem Zuschauer, wie das Dorf damals ausgesehen hat, was sich verändert hat und was gleich geblieben ist. Auf den unaufgeregten Bildern erkennt man auch Personen. So kann der eine oder andere Niedergösger bestimmt seine Familie oder gar sich selber in den Aufnahmen erkennen.

Am Freitag, 8. November, um 19.30 Uhr wird der Film in der Aula des Schulhauses in Niedergösgen gezeigt.