Gretzenbach

«Zahlen sind unglaublich kreativ»: Nach 25 Jahren als Finanzverwalter geht er in Pension

Hans Vögeli war Fussballspieler, Buchhalter, Unternehmensberater – die Collage hinter ihm soll sein Leben zusammenfassen.

Hans Vögeli war Fussballspieler, Buchhalter, Unternehmensberater – die Collage hinter ihm soll sein Leben zusammenfassen.

Hans Vögeli wird nach 25 Jahren auf der Gretzenbacher Gemeindeverwaltung pensioniert. Warum hat er sich damals für den Job entschieden?

Eine Collage an der Wand in seinem Büro fasst seine Leidenschaften zusammen. Trekkingschuhe, schneebedeckte Berge, ein majestätisch in der Luft schwebender Raubvogel, die Stadt Lausanne auf einem Landkartenschnipsel und ein Ausschnitt: «Budgetgemeindeversammlung», heisst es darauf in alten Lettern.

Die in Blau gehaltene Collage hängt im Büro von Hans Vögeli, dem Finanzverwalter der Gemeinde Gretzenbach. «Meine Frau und meine beiden Töchter meinten, ich solle mal etwas Kreatives machen», sagt Vögeli. An einem Sonntagnachmittag habe er sich zu dieser Bastelarbeit überreden lassen. «Ich wollte einfach um vier Uhr fertig sein, dann spielte Roger Federer», meint der Gretzenbacher und lacht.

«Wissen Sie, ich liebe Zahlen»

Seit ziemlich genau 25 Jahren verwaltet Vögeli die Finanzen der Niederämter Gemeinde. In wenigen Wochen wird er pensioniert. «Wissen Sie, ich liebe Zahlen. Sie sind unglaublich kreativ», meint der 65-Jährige. «Bei den Jahresabschlüssen darf ich mich zwar nicht ausleben, dafür sind die Budgets umso kreativer.»

Vögeli lebt für seinen Job, die Liebe zu den Zahlen – und vor allem zur Buchhaltung – musste jedoch wachsen. In der Primarschule sei er «überhaupt kein Zahlenhirsch» gewesen. Wegen ihm habe sogar die ganze Klasse das Thema Bruchrechnen nochmals wiederholen müssen, erzählt Vögeli, der mit zwei Schwestern in Aesch BL aufwuchs.

«Fussball war damals mein Leben»

Die Sprache war eher sein Ding: Nach der KV-Lehre in einem Industriebetrieb im Baselbiet verliess der junge Mann die Deutschschweiz, um im Welschen Französisch zu lernen. Er blieb in Lausanne hängen. Sieben Jahre lang lebte, arbeitete und «schuttete» er dort. Vögeli war nicht nur Buchhalter, sondern auch Fussballprofi: Einige Jahre lang stand er für den FC Lausanne-Sports und den FC Stade Lausanne-Ouchy im Tor. «Fussball war damals mein Leben», sagt er heute.

Dennoch gab er seine Leidenschaft einige Jahre später auf. In Schönenwerd baute er für den Nabholz-Textilkonzern die Finanzabteilung auf. Mit seiner Frau – er lernte Susanne in Lausanne kennen – lebte er in Gretzenbach und sie bekamen drei Kinder: Mädchen, Bub, Mädchen. Eine «sehr intensive Zeit», wie Vögeli erzählt. «Abends brachten wir die Kinder ins Bett und lernten anschliessend die halbe Nacht für unser Fernstudium.» Seine Frau war in der Ausbildung zur Katechetin, er bildete sich im Finanzwesen weiter. Und sie beide befanden sich «in der Rushhour des Lebens», beschreibt Vögeli.

«Hans, das wäre etwas für dich.»

1988 suchte sich der dreifache Familienvater einen anderen Job. «Ich sah den Untergang meiner Branche kommen», sagt er heute. Bis 1994 reiste er als Unternehmensberater durch die Nordwestschweiz. Sein grosser Vorteil: «Ich bin fast bilingue.» Seine Kunden hatten meist finanzielle Schwierigkeiten und mussten eng begleitet werden. Aber: «Der Job war nicht familientauglich.» Der nächste und letzte Wechsel: Finanzverwaltung von Gretzenbach. «Ein Bekannter meinte zu mir: ‹Hans, das wäre etwas für dich.›»

«Fussball war damals mein Leben», sagt Hans Vögeli heute.

«Fussball war damals mein Leben», sagt Hans Vögeli heute.

Tatsächlich: Vögeli entschied sich «für mehr Lebensqualität», dafür, seine Frau zu entlasten, dafür, jeden Tag zu Hause zu Mittag zu essen. «Aber natürlich war es ein Karriereknick», sagt Vögeli. Sein Sohn habe ihm öfter gesagt, er könne doch mehr als das. Doch Vögeli gefällts: «Hier konnte ich auf der grünen Wiese anfangen, und ich war wieder operativ tätig.» So habe er im Jahr 1999 beim damaligen Gemeinderat einen Antrag auf eine eigene E-Mail-Adresse gestellt. Der Rat segnete den Wunsch des Finanzverwalters ab. «Und als ein Jahr später eine Verwaltungsstelle öffentlich ausgeschrieben war, lautete ein Argument im Inserat: ‹Sie erhalten eine eigene E-Mail-Adresse.›» Vögeli lacht über die heute absurd klingende Anekdote.

Ein Abschied in Raten

Trotz der vielen positiven Erinnerungen an das vergangene Vierteljahrhundert: «Es war nicht einfach ein Schoggi-Job.» Es habe auch schwierige Momente gegeben, und als Finanzverwalter sei er «im Schaufenster der Öffentlichkeit» gestanden. Vögeli: «Aber die letzten fünf Jahre waren wie eine Kür für mich.»

Nun hat Vögeli noch einen Abschied in Raten vor sich: Er wird seinen Nachfolger einarbeiten, alle Dossiers übergeben und die Verwaltung bis im Frühling 2020 in einem kleineren Pensum unterstützen. «Das passt so für mich. Jetzt kann ich es gelassener nehmen.»

Der Gemeindepräsident lässt ihn ungern gehen

Gemeindepräsident Daniel Cartier freut sich, dass Vögeli den Ruhestand antreten darf. «Auch wenn ich nur ungern auf ihn verzichte», so der Gretzenbacher. Zehn Jahre lang habe ihn der Finanzverwalter mit seiner Fachkompetenz «entscheidend entlastet». Sein motiviertes Mitwirken in der Gemeinde, der Region und auch bei kantonalen Angelegenheiten habe ihm «auf allen Ebenen grosses Ansehen» eingebracht, sagt Cartier.

Hans Vögelis Job als Finanzverwalter ist nur ein Teil seines Lebens. Auf die übrigen Aktivitäten will er sich nach der Pension Ende September konzentrieren. «Bisher war immer der Samstagmorgen für Sport reserviert. Bald kann ich jeden Tag joggen, schwimmen, wandern oder Velo fahren, wann ich will», sagt Vögeli. Ausserdem besucht er zusammen mit seiner Frau einen Tanzkurs, er will mehr Zeit mit seinen sechs Enkeln verbringen, mit der Gretzenbacher Männerriege trainieren und eine achtwöchige Reise durch Portugal planen. Und vielleicht hängen neben der Collage, die Vögeli bald aus dem Büro nach Hause zügelt, bald weitere Kunstwerke.

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