Dulliken
Zähes Ringen um Kies: Vertrag mit Baukonzern beschäftigt Bürgergemeinde

Ein holpriger Partnerwechsel in der Kiesgrube im Hard lässt die Bürgergemeinde Dulliken nicht los. Um eine weitere Verzögerung zu verhindern, hat der Bürgerrat Massnahmen ergriffen.

Christoph Zehnder
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Bruno Kissling

Einmal mehr beschäftige die Bürgergemeinde Dulliken an ihrer ausserordentlichen Versammlung vom Mittwochabend die Kiesgrube im Hard. Die 24 anwesenden Stimmberechtigten hatten über das Vertragswerk zwischen der Bürgergemeinde und dem Baukonzern Strabag AG zu befinden, welche die Grube im Tagebau betreibt. Reine Formsache, sollte man meinen. Aber der Wechsel des Tagbau-Unternehmens vor zwei Jahren sorgt noch immer für einige Nachwehen, wie die Ausführungen von Bürgergemeindepräsident Matthias Weidmann zeigten.

Doch der Reihe nach: Vor knapp zwei Jahren hatte die Bürgergemeinde eher überraschend den Strabag-Konzern mit dem Tagebau-Betrieb der Grube beauftragt. Zuvor war die Aarekies Aarau-Olten AG für Abbau und Wiederauffüllung zuständig. Verträge mussten vorzeitig aufgelöst werden. Bis die Strabag AG mit dem Abbau beginnen konnte, verstrich ein ganzes Jahr.

Denn über die Folgekosten der vorzeitigen Ablösung waren sich Bürgergemeinde und Aarekies AG zunächst gar nicht einig gewesen: «Aarekies war der Meinung, wir schulden ihnen rund eine halbe Million wegen des entgangenen Volumens», schilderte Weidmann. «Ich war der Meinung, Aarekies schuldet uns etwa 150 000 Franken für die fehlende Rekultivierung.» Trotz ziemlich gegenteiliger Ansichten galt es, bei den Verhandlungen mit dem ehemaligen Partner mit Fingerspitzengefühl vorzugehen.

«Man muss immer im Hinterkopf haben, dass Aarekies und Strabag eng zusammenarbeiten», erinnerte Weidmann die Versammlungsteilnehmer. Am Ende einigte man sich darauf, dass beide Parteien auf Forderungen verzichten würden. Der Bürgergemeindepräsident machte keinen Hehl daraus, dass er froh war, mit einer Nullsumme aus der Sache herauszukommen.

Es fehlen 225 000 m3

Damit war das Kapitel aber noch nicht abgeschlossen. Wie die Bürgergemeinde später beim Aktenstudium feststellte, war bei der zweiten Bau-Etappe zusätzliches Auffüllvolumen vorhanden – insgesamt über 225 000 m3. So verhandelte man mit der Strabag AG über das Auffüllen und Rekultivieren der Etappen 2 und 3. Strabag wiederum machte die Bürgergemeinde darauf aufmerksam, dass durch das erheblich grössere Auffüllvolumen die vereinbarten Auffüllmengen in der vierten und fünften Etappe nicht möglich sein würden.

Dies könnte zu Forderungen der Grundeigentümer führen, deren Interessen die Bürgergemeinde beim Kiesabbau vertritt. Denn die jährlichen minimalen Abbau- und Auffüllmengen sind vertraglich festgelegt. Wenn nun die Strabag bei Etappe 2 einspringt, kommt es bei den späteren Etappen zu Verzögerungen. Sprich: Die betroffenen Grundeigentümer bekommen ihr Geld später als vereinbart. Dabei geht es um etwa 68 000 Franken. Mit einer sogenannten Schadloshaltung will die Bürgergemeinde solche Forderungen ausgleichen.

«Damit sagen wir Strabag, dass die Bürgergemeinde das Geld im Fall einer Klage vorschiessen würde», erklärte Matthias Weidmann. Er sei aber sehr zuversichtlich, dass es gar nicht so weit kommen werde. Die Grundeigentümer hätten bereits ihr Einverständnis signalisiert. Für die Bürgergemeinde entsteht durch die Verschiebung ohnehin kein finanzieller Schaden, da die Auffüllmenge ja gleich gross bleibt und lediglich in einer anderen Etappe verwendet wird.

Weitere Verzögerung verhindern

Ohne diese Schadloshandlung müsste das gesamte Vertragswerk zwischen Bürgergemeinde und Strabag AG neu erstellt und auf dem Grundbuchamt unterzeichnet werden. Dadurch käme es zu einer weiteren Verzögerung und damit verbundenen Kosten. Um dies zu verhindern, hat der Bürgerrat das Unternehmen bereits mit dem Auffüllen der Etappe 3 beauftragt.

Da der Vertrag für längere Zeit beim Rechtsanwalt liegen blieb, hatte die Bürgergemeindeversammlung im Frühling noch nicht darüber abstimmen können. Dies wurde am Mittwoch nun kurzfristig nachgeholt. Die anwesenden Ortsbürger genehmigten den Vertrag für Aushub und Wiederauffüllung mit der Strabag AG für die Etappen 2 und 3 sowie die dazugehörige Vereinbarung für die Rekultivierung mit 23 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Auch der Schadloshaltung stimmte die Versammlung zu.

Bevor Matthias Weidmann auf die weiteren Aktivitäten der Bürgergemeinde einging, die nichts mit dem Haupttraktandum des Abends zu tun hatten, liess er vor der versammelten Gemeinde durchblicken, dass das Hickhack um die Kiesgrube doch eine ziemliche Herausforderung sind. «Es ist manchmal ärgerlich, aber auch spannend», sagte er und wies darauf hin, dass man mit der Aarekies AG noch nicht ganz im Reinen sei. «Über den Schlammweiher und die Endgestaltung werden wir noch diskutieren müssen», so der Bürgergemeindepräsident.