Wussten Sie, dass wir vier Museen haben?

Verena Fallegger:
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Der Herbst ist angekommen. Alles wird bunt. Blätter fallen und Stürme kommen auf. Wenn kleine Wanderungen auf den Jurahöhen wegen des Wetters nicht mehr möglich sind, dann lassen sich die Wochenenden mit Museumsbesuchen gestalten. Da hat Schönenwerd doch einiges zu bieten.

Kürzlich blätterte ich im neu erschienenen Buch anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums des Paul-Gugelmann-Museums: Da fiel mir auf Seite 68 ein Slogan ins Auge «5012 Schönenwerd – das Dorf mit den drei Museen». Zu sehen ist ein gestempeltes Sondercouvert gezeichnet und signiert vom Künstler Gugelmann. Unsere Gemeinde ist kulturell auf der Höhe, eins, zwei, drei respektive sogar vier Museen sind im Angebot. Genau genommen gibt es das Bally-Prior Museum nicht mehr. Das unter Heimatschutz stehende Gebäude ist heute mit ganz anderen Exponaten gefüllt. In eben diesem genannten Gebäude stellte Eduard Bally-Prior 1910 seine umfangreiche private Sammlung aus. Ein Sammelsurium aus den Bereichen Mineralogie, Meteoritenkunde, Zoologie, Ethnologie Ur- und Frühgeschichte sowie Heimatkunde der hiesigen Umgebung waren vom 1923 bis Ende 2002 für die Öffentlichkeit zu sehen.

In diesen Gemäuern könnte man jetzt ruhig Mani Matters Lied: «Eg ha es Zündhölzli aazönd ond das het en Flamme gäh…» singen. Es beherbergt seit Frühling 2015 ein «Zündhölzli-Museum». Ein Rundgang zeigt, wie ein vermeintlich banales Produkt hergestellt wurde und heute hergestellt wird. In den 37 Vitrinen erlebt der Besucher von der ersten Zündholzfabrik über das soziale Umfeld der damaligen Fabriken auch Kurioses. Zu bestaunen ist auch die 20 Tonnen schwere und rund zehn Meter lange Zündholzmaschine aus dem Jahr 1930. Heute unmöglich, an die früheren Arbeitsbedingungen überhaupt zu denken. Gezeigt werden unter anderem Hunderte von Zündhölzli-Briefli und -schachteli – alles Raritäten, die es heute nicht mehr oder nur noch selten gibt.

Mit dem Kinderlied «Schuehmächerli, Schuehmächerli / was choschte mini Schuhe…» können die Stimmbänder weiter aktiviert werden. Denn es passt hervorragend zur Geschichte der Familie Bally. Im ehemaligen Wohnhaus des Firmengründers Carl Franz Bally auf dem Felsgarten ist seit 1942 das «Bally-Schuhmuseum». Es zeigt die Entwicklungsgeschichte des Schuhwerks von der Antike bis zur Gegenwart. Fussbekleidungen aus allen Herren Ländern und unterschiedlichsten Epochen sind hinter Vitrinen zu bewundern. Doch die Geschichte der Firma Bally geht im neuen «Ballyana» weiter. Von der Industrialisierung der Firma, dem Aufschwung des Dorfes bis in die Neuzeit wird im hinteren Teil der ehemaligen Bändeli-Bally-Fabrik erzählt.

Doch wer sich für Poesie interessiert, ist im Paul Gugelmann bestens aufgehoben. Hier drehen Rädchen, Spiralen, es hämmert, dängelet und glöggelet. Jede Maschine erzählt mit ihren Tönen die Geschichte, die der Künstler ihr gegeben hat. Ab 30. Oktober findet die Sonderausstellung: «Aus dem Privatbesitz von Paul Gugelmann» statt.

Die Gemeinde zählt heute vier Museen, die weit über die Ortsgrenze hinaus bekannt sind. Wenn es nun draussen stürmt, regnet oder gar schneit, dann husch in eines dieser Orte, um sich durch Geschichten berieseln zu lassen, welche die Museumsführerinnen und Museumsführer zu erzählen wissen.

Nun kurz zum Anfang zurück: Der Poststempel existiert noch. Auf der Post wird er auf Wunsch aus dem Safe geholt. Der Kunde kann sich auf dem eigenen Couvert einen Sonderstempel klopfen lassen – aber eben mit nur drei Museen.