Ein rosa Zug steht da. Die Räder sind aus Korken, die Achsen aus farbigen Röhrchen. Gummibänder verbinden die Waggons. Daneben liegt ein gelbes, gestrandetes Schiff. Es hat Antriebsräder aus Glace-stängeln, allfällige Passagiere können sich unter Cocktail-Schirmchen ausruhen. Die 11-jährige Chiara hält ein Kabel an eine aufgeklebte Batterie, und die Antriebsräder drehen sich munter im Kreis.

Chiara, Rita und Malea haben dieses Schiff gebaut. Ganz alleine. Zuerst haben sie eine zu starke Batterie genommen, erzählen die drei. «Da hat es die Räder abgespickt.» Also haben sie es mit einer Schwächeren versucht. Und prompt hat es diesmal geklappt. Mehrere Dritt- und Fünftklässler der Primarschule Feld in Schönenwerd haben solche Gefährte gebaut.

Zwischen Herbst- und Weihnachtsferien stand nämlich unter anderem das Thema Technik auf dem Programm. Um Stromkreisläufe ging es, um genau zu sein. Dieses Thema ist vom neuen Lehrplan 21 vorgeschrieben. Mehrere Lehrpersonen, unter ihnen Martina von Arx, wollten es jedoch nicht einfach nur theoretisch abhandeln. Die Kinder sollten etwas in den Händen halten können, etwas selber gestalten. «Das ist spannender und auch nachhaltiger», ist von Arx überzeugt.

Mädchen für Technik begeistern

Das Problem dabei: Der Aufwand ist für Lehrpersonen zu gross. Teure Materialien müssten eingekauft werden, teilweise aus verschiedenen Läden. Kindgerechte Bauanleitungen müssten die Lehrer selber schreiben und zeichnen. Anders gesagt: Dafür besteht im sowieso vollgepackten Stundenplan nicht auch noch Zeit. Doch von Arx hat deshalb nicht die Hände verworfen, sondern sich bei «Explore-it» Hilfe geholt (siehe unten). «Ich bin begeistert davon», sagt sie. «Es ist ein einfaches Instrument für Lehrpersonen. Es braucht nur wenig Vorarbeit. Und es ist günstig.»

Für von Arx geht es dabei um mehr, als «nur» die Lernziele abzuklappern. «Ich hoffe schon, insbesondere bei Mädchen Interesse für Technik zu wecken.» Dabei hat sie selber gar keinen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Sie hat die Kanti mit Schwerpunkt alte Sprachen gemacht. «Eigentlich hätte ich was Technisches machen sollen», sagt sie heute. Doch das sei ihr damals gar nicht in den Sinn gekommen. Erst durch «Explore-it» habe sie sich selber fürs Tüfteln und Basteln begeistern können.

Eine Begeisterung, die sie nun an einigen ihrer Schüler hat weitergeben können. Da sind etwa die neunjährige Mia und die elfjährige Celina, die zusammen ein «Raketenauto» gebaut haben. «Dass wir selber tüfteln durften, hat mir sehr gefallen», meint Mia. Ob es denn schwierig gewesen sei, selber einen Stromkreislauf zu bauen? Darauf antworten die beiden gleichzeitig mit Ja und Nein. «Wenn man weiss, wie es geht, ist es einfach», einigen sie sich dann.

Für ihr Engagement sind die Primarschule Feld und der Verein «Explore-it» nun gemeinsam für den nationalen Building-Award im Bereich Nachwuchsförderung nominiert. Diesen Donnerstag reist die fünfte Klasse nach Luzern, um an der Preisverleihung teilzunehmen. «Die Kinder sind schon sehr aufgeregt», erzählt von Arx. Offenbar auch, weil der Abend von Christa Riggozi moderiert wird. Den Preis zu gewinnen, wäre eine tolle Anerkennung, ergänzt sie. «Die Kinder haben sehr viel Engagement gezeigt. Ich bin stolz auf sie.» So oder so, von Arx wird auch weiterhin mit «Explore-it» versuchen, Technik für Kinder fassbar zu machen. Gleichzeitig hofft sie, dass das Thema Technik grundsätzlich an Primarschulen stärker zum Zuge kommt. «Ich wünsche mir, dass Kinder möglichst früh mit Technik in Berührung kommen. Und nicht erst in der Oberstufe.»