Niederamt

«Wir sind recht gefordert»: Die Offene Jugendarbeit muss mit weniger Ressourcen auskommen

In mehreren Niederämter Gemeinden dient ein umgestalteter Bauwagen (im Bild jener der Offenen Jugendarbeit Lostorf/Obergösgen) als mobiler Jugendtreff.

In mehreren Niederämter Gemeinden dient ein umgestalteter Bauwagen (im Bild jener der Offenen Jugendarbeit Lostorf/Obergösgen) als mobiler Jugendtreff.

Seit Anfang Jahr muss die Offene Jugendarbeit mit einem reduzierten Pensum auskommen.

Filmabend, gemeinsames Kochen, «Midnight Sports», Ausflug in den Europapark: Das Programm der Offenen Jugendarbeit im unteren Niederamt (OJUN) ist vielseitig und attraktiv. Die Frage ist: Wie lange noch? Seit Anfang Jahr muss das OJUN-Team, bestehend aus den beiden Jugendarbeitern Philippe Burrell und Fatima Boulahna, nämlich mit weniger Geld auskommen als bisher. Auch das Pensum wurde von 120 auf 100 Stellenprozente gekürzt.

Die Redimensionierung der Jugendarbeit wurde nötig, weil die Gemeinde Däniken per Ende 2017 aus der OJUN ausgetreten ist. Die drei verbliebenen Gemeinden Schönenwerd, Gretzenbach und Eppenberg-Wöschnau haben daraufhin eine neue Zusammenarbeitsvereinbarung ausgehandelt, um den Fortbestand der OJUN zu sichern.

Neu beträgt das Budget 126'650 Franken. Im Jahr 2017, als sich die Gemeinde Däniken noch an den Kosten beteiligte, waren für die offene Jugendarbeit 147'450 Franken budgetiert. Eine Reduktion des Stellenpensums auf Anfang 2018 war daher unumgänglich. «Diesen Einschnitt merken wir extrem», sagt Burrell dazu. «Obwohl wir erst seit wenigen Monaten unter den neuen Bedingungen arbeiten, sind wir bereits recht gefordert.»

Es müssten Lösungen gefunden werden – denn nur, weil die Gemeinde Däniken offiziell ausgestiegen sei, bedeute dies nicht, dass nun auch weniger Arbeit anfalle, wie Burrell erklärt: «Die Jugendlichen aus Däniken nutzen die Angebote der OJUN auch weiterhin. Die Gemeindegrenzen sind für sie nicht von Bedeutung.»

Schliesslich gehen die Däniker Jugendlichen in Schönenwerd in die Oberstufe und pflegen dort weiterhin Kontakte zu ihren Schönenwerder Klassenkollegen. Dasselbe trifft auf die Oberstufenschüler aus Niedergösgen zu. Deren Gemeinde hatte sich nach Ablauf der Projektphase im Jahr 2009 gegen eine Weiterführung der offenen Jugendarbeit ausgesprochen.

Das Angebot, das die Niederämter Jugendlichen am häufigsten nutzen, ist der regelmässig stattfindende Jugendtreff in Schönenwerd. Wie Burrell zur Auskunft gibt, besuchen jeweils 30 bis 50 Jugendliche den Treff. Aufgrund des grossen Zulaufs müssten immer beide Jugendarbeiter anwesend sein. Der zeitliche Aufwand für den Betrieb des Treffs sei beachtlich. Daneben bleibe kaum Zeit, im Dorf Präsenz zu zeigen und die sich dort aufhaltenden Jugendlichen aktiv anzusprechen, wie Burrell erklärt: «Eine aufsuchende Jugendarbeit können wir mit dem gegebenen Pensum nicht anbieten.»

Grösseres Einzugsgebiet

Im Niederamt gibt es drei weitere Gemeinden mit einer offenen Jugendarbeit: Lostorf und Obergösgen (Offene Jugendarbeit Lostorf/Obergösgen) sowie Trimbach (Offene Kinder- und Jugendarbeit Trimbach). Dort spielt die aufsuchende Jugendarbeit eine wichtige Rolle und wird vor allem in den Sommermonaten rege betrieben.

Allerdings müssen die dort beschäftigten Jugendarbeiter sich um weniger Gemeinden respektive Jugendliche kümmern, obwohl sie annähernd über dasselbe Stellenpensum verfügen wie die OJUN: Trimbach hat 6715 Einwohner, Lostorf und Obergösgen kommen zusammen auf 6199 Einwohner. Das Gebiet, das die OJUN abdeckt – das heisst inklusive Däniken und Niedergösgen – umfasst dagegen 14'349 Einwohner. Johannes Brons ist nicht sonderlich glücklich mit dieser Situation.

Er ist Präsident der Regionalen Jugendkommission (RJK), die die OJUN im Auftrag der Gemeinden führt. «Wir können und wollen die Jugendlichen aus Däniken und Niedergösgen nicht wegschicken, wenn sie unseren Treff aufsuchen», erklärt Brons und verweist auf eine mögliche Lösung: In der Zusammenarbeitsvereinbarung sei vorgesehen, dass Dritte an den Kosten des OJUN-Angebots beteiligt werden könnten. Vielleicht werde man von diesem Passus Gebrauch machen und den Gemeinden Däniken und Niedergösgen eine Rechnung zukommen lassen, sagt Brons.

Immerhin läuft es innerhalb der OJUN rund: Wie Burrell betont, sei die Zusammenarbeit zwischen Jugendarbeit, RJK und Schulsozialarbeit sehr gut. Es fände ein reger Austausch statt und man halte sich gegenseitig auf dem Laufenden. Auch mit dem Netzwerk der Jugendarbeit Region Aarau sei man zufrieden: Durch die Kooperation mit anderen regionalen Jugendarbeitsstellen sei die OJUN in der Lage, ein attraktives Angebot auf die Beine zu stellen. Ob dies auch in Zukunft möglich sein werde, hänge aber von den Ressourcen ab, sagt Burrell.

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