Das Projekt Windpark Wisnerhöchi steht seit der Lancierung 2012 unter einem ungünstigen Stern. Schon bald nach Bekanntwerden der Baupläne haben die Einwohner von Wisen an der Gemeindeversammlung dem Gemeinderat deutlich den Auftrag erteilt, sich gegen einen Windpark einzusetzen.

Später sah sich die federführende Trianel Suisse AG mit Vorwürfen konfrontiert, wonach ihre Illustrationen der Windräder nicht der Realität entsprächen. Die Höhe der Masten und die breite der Rotorblätter seien nicht realistisch dargestellt, fanden die Windpark-Gegner und liessen kurzerhand eine eigene Illustration anfertigen.

Konsterniert nahm man im letzten Sommer schliesslich Kenntnis von der Auflösung von Trianel Suisse, die das Projekt im Auftrag eines Konsortiums leitete. Als Ansprechpartner wurden die IBB Energie AG in Brugg und die Energie Service Biel vorgestellt, welche ebenfalls am Konsortium beteiligt sind. Eine treibende Kraft hinter dem Projekt Windpark ist seither aber nicht mehr zu erkennen.

Die Trianel-Auflösung erfolgte noch vor Abschluss der Messungen auf der Wisnerhöchi. Im Frühling 2015 hatte Trianel zu diesem Zweck einen 99 Meter hohen Messturm aufstellen lassen. Dieser sammelte Daten über Wetterverhältnisse und zeichnete die Ultraschall-Aktivitäten von Fledermäusen auf. Mittlerweile sind die Messungen abgeschlossen, der Turm wurde im vergangenen Herbst demontiert. Seither ist es sehr still um den Windpark geworden.

Messmast für geplante Windkraftanlage auf der Wisnerhöchi Windräder Alternative Energien Energiegewinnung Strom

Der Messmast auf der Wisnerhöchi für die geplante Windkraftanlage wurde in der Zwischenzeit wieder abgebaut.

Messmast für geplante Windkraftanlage auf der Wisnerhöchi Windräder Alternative Energien Energiegewinnung Strom

Folgen der Energiestrategie 2050

Die Projektfirma aufgelöst, die Messstation abgebaut – ist damit das Projekt Windpark Wisnerhöchi gestorben? «Ich bin sicher, dass das Thema nicht vom Tisch ist. Allein schon wegen des investierten Geldes», sagt Wisens Gemeindepräsident Matthias Geiger auf Anfrage.

Über die Resultate der Messungen, die immerhin rund 18 Monate dauerten, kann Geiger nichts Genaueres sagen. «Der Gemeinderat hätte einen Einblick in Messergebnisse begrüsst», so der Gemeindepräsident. Man sei lediglich informiert worden, dass der Standort weiterhin als interessant angesehen werde.

Mit der Volksabstimmung über das revidierte Energiegesetz im Mai wurden die Karten im Energie-Poker neu gemischt. Die neue Energiestrategie sieht eine stärkere Förderung erneuerbarer Energien vor. «Heute darf nicht gebaut werden, wenn die Gemeinde nicht die nötigen Grundlagen schafft», erklärt Matthias Geiger. Konkret: Es braucht eine Umzonung.

Geiger schliesst nicht aus, dass mit dem neuen Energiegesetz auch bald die Spielregeln für Windparks ändern. Landschaftsschützern könnte demnach bald ein rauerer Wind entgegenblasen.

Neue Verbündete

Stefan Mutti, Präsident des Vereins Wisnerhöchi ohne Windpark (WoW), bereitet das kein Kopfzerbrechen. «Als Einzelperson wird man keine Chance haben, ein solches Projekt zu verhindern», sagt Mutti. «Aber als Gemeinde schon.» Auch Mutti ist aufgefallen, dass es seit längerem still geworden ist rund um das Projekt Windpark.

Kein Grund für den Verein, die Hände in den Schoss zu legen. «Wir waren nicht untätig», sagt er. Die Windpark-Gegner haben sich in den letzten Monaten neue Verbündete gesucht. So wird der Verein neu von der Stiftung Landschaftsschutz beratend unterstützt und hat sich dem Verband Freie Landschaft Schweiz angeschlossen, einem Zusammenschluss von über 25 lokalen Gruppierungen, die sich gegen ähnliche Projekte wehren, hauptsächlich in der Westschweiz. Aber auch die Windpark-Gegner aus Grenchen und dem Thal sind hier vertreten.

Bundesgericht stützt Gegner

Vor kurzem konnte Freie Landschaft Schweiz vor Bundesgericht einen Erfolg verbuchen. In einem wegweisenden Entscheid hielten die Bundesrichter fest, dass Swissgrid – die Betreiberin des Schweizer Stromnetzwerks – Einsicht in die Liste der Bezüger der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) gewähren muss.

Die KEV dient zur Förderung der erneuerbaren Energien und soll im Rahmen der Energiestrategie 2050 aufgestockt werden. KEV-Entscheide unterliegen laut Bundesgericht dem Öffentlichkeitsprinzip. Für die Landschaftsschützer und Windparkgegner ist das wichtig. Dadurch erfahren sie, welche Windkraft-Projekte im Hinblick auf die KEV bewilligt wurden.

Derzeit sind laut Verband rund 500 Maschinen bewilligt, weitere 360 befinden sich auf der Warteliste. «Wie es um Wisen steht, hängt davon ab, ob ein Gesuch auf KEV gestellt wurde», sagt Mutti. Es komme auf die Messergebnisse an, ob ein solches Gesuch genehmigt würde. Diese liegen den Windkraftgegnern aber nicht vor, da die Messungen auf privater Basis durchgeführt wurden.

Bis auf weiteres sistiert

In naher Zukunft werden auf der Wisnerhöchi jedoch keine Windräder drehen. Dafür spricht alleine schon die Tatsache, dass das Gebiet ebenso wie die Gegend um den Passwang vom Kanton als zweitrangig eingestuft wird für die Gewinnung von Windenergie.

Im kantonalen Richtplan haben die Regionen Scheltenpass, Schwängimatt, Homberg, Burg und Grenchenberg Priorität. Für Letztere hat der Regierungsrat im Juli die Nutzungsplanung genehmigt und eine Einsprache des Vogelschutzverbandes abgelehnt.

Am wichtigsten scheint jedoch, dass auch das Projektkonsortium hinter dem geplanten Windpark Wisnerhöchi etwas das Interesse verloren hat – zumindest vorläufig. Die Teilnehmer haben sich entschlossen, das Projekt zu sistieren. Mindestens so lange bis der Kanton Solothurn seine Ausbaustrategie konkretisiert hat.