Trimbach
Wie sich die WG Treffpunkt zur Organisation entwickelte

Die WG Treffpunkt, welche ihren Ursprung in Trimbach hat, besteht seit zwölf Jahren. Heute ist die Organisation in der gesamten Region vertreten und beschäftigt 110 Mitarbeiter. Immer noch wichtig sind die christlichen Werte, welche auch schon zu Kritik führten.

Kelly Spielmann
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Michael Häfeli, Geschäftsführer der WG Treffpunkt, im internen Gasthof Löwen der Wohngruppe auf dem Hauenstein.

Michael Häfeli, Geschäftsführer der WG Treffpunkt, im internen Gasthof Löwen der Wohngruppe auf dem Hauenstein.

Bruno Kissling

Leidenschaftlich, verbindlich, einfach, herzlich – das sind die vier Worte, mit denen Michael Häfeli, Geschäftsführer der WG Treffpunkt, die Institution beschreibt. «Man muss kein besonderes Kriterium erfüllen, um unsere Hilfe zu erhalten. Wir wollen jedem Menschen helfen, der ein Problem hat – und wenn wir selber nicht helfen können, dann begleiten wir ihn beim Prozess, den richtigen Ort zu finden. Wir schaffen Lebensräume, vernetzen und bieten Chancen.»

Klare Regeln des Kantons

Dies war schon so, als der Verein WG Treffpunkt 2004 von Kurt Widmer in Trimbach gegründet wurde. Als früherer freiwilliger Mitarbeiter einer Jugendarbeit hatte er oft mit Jugendlichen und Erwachsenen zu tun, die zu Hause Schwierigkeiten hatten oder einen Ort zum Wohnen brauchten. Dabei ging es ihm nicht um eine bestimmte Zielgruppe, sondern er wollte allen helfen, die mit ihren Problemen und Herausforderungen auf ihn zukamen. Waren dies psychische, familiäre, Sucht-, Schul- oder andere Probleme, dies spielte Widmer keine Rolle.

«Kurt Widmer nimmt die Menschen bedingungslos an und sieht im Nächsten das Potenzial, das in ihm steckt und hilft, dieses zu entdecken und zu entfalten», erklärt Häfeli die Sicht des Gründers. Viele der Jugendlichen hatten damals keinen Ort zum Schlafen, und so bot Widmer ihnen im eigenen Zuhause einen Schlafplatz an. Als im Haus, welches ihm und seiner Frau gehört, Platzmangel entstand, kaufte Widmer mithilfe eines Freundes in Trimbach ein Haus und liess Leute einziehen, die sich in schwierigen Lebenslagen befanden. Dies war der Anfang der WG Treffpunkt, wie man sie heute kennt.

Zwei Jahre später stiess der heutige Geschäftsführer Michael Häfeli dazu. Gemeinsam bauten sie die Institution weiter aus, mieteten Wohnungen, kauften mehr Häuser und holten offizielle kantonale Bewilligungen ein. Die Bewilligungen, welche das kantonale Amt für soziale Sicherheit (ASO) der WG Treffpunkt und dem Kleinheim Christhof erteilten, unterliegen der interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE) und sind an strikte Regeln gebunden. «Wollen Institutionen einen IVSE-gelisteten Betrieb führen, so setzt dies die Erfüllung strengerer Voraussetzungen voraus», heisst es bei der ASO. Die IVSE wird in verschiedene Bereiche unterteilt: IVSE A betrifft Kinder, während sich IVSE B auf Behinderung bezieht.

Angebot kontinuierlich vergrössert

Weiter kamen zu den stationären Wohnangeboten für Erwachsene ambulante Angebote, die berufliche Integration sowie Angebote für Kinder und Jugendliche hinzu. Fragt man Häfeli, nach welchem Konzept die beiden vorgegangen sind, antwortet dieser lachend: «Wir hatten nie den Plan, eine Organisation zu bauen, es geschah alles einfach irgendwie.»
Mittlerweile hat sich die WG Treffpunkt zu einer Organisation entwickelt, welche rund 110 Arbeitnehmer beschäftigt. So ist auch die Institution in den letzten Jahren stark gewachsen: «Wir haben uns laufend weiterentwickelt, neue Projekte und Angebote gestartet.» Insgesamt bietet die WG Treffpunkt heute verschiedene Bereiche an: sozialtherapeutisches Wohnen für Erwachsene, einen Kinder- und Jugendbereich, die Tagesstätten mit beruflicher Integration sowie ambulante Angebote. Zudem werden in Sonderfällen Individuallösungen angeboten, wenn die gängigen Dienstleistungen nicht genügen.

Wohngruppen für Erwachsene gibt es insgesamt fünf: Auf dem Hauenstein, auf der Hupp (Wisen), auf der Haselweid (Hauenstein-Ifenthal), in Luterbach und in Trimbach. Insgesamt werden 65 stationäre Therapieplätze angeboten, welche von Menschen mit psychischen Erkrankungen aller Art besetzt werden. Das Kleinheim «Christhof», welches sich auf dem Areal der Hupp befindet, beherbergt momentan neun Kinder.

Im «Jugendhaus» in Trimbach wohnen zurzeit acht Jugendliche. «Wir wollen langfristige und nachhaltige Lösungen bieten. Die Kinder können bei Bedarf bis nach der Lehre bei uns bleiben», so Häfeli. Zudem sind in den Regionen Olten und Solothurn ambulante Wohnmöglichkeiten vorhanden. Im Anschluss an einen stationären Aufenthalt ist auch eine ambulante Nachbetreuung möglich.

Sinnvolle Arbeit für die Teilnehmer

Die grösste Palette an Angeboten hat die WG Treffpunkt jedoch im Bereich der Tagesstätten und beruflichen Integration. Insgesamt stehen den Betreuten zehn verschiedene Arbeitsbereiche zur Verfügung, durch welche sie sich wieder in die Arbeitswelt eingliedern können. Von handwerklichen Berufen über die Landwirtschaft bis zu hauswirtschaftlichen Arbeiten ist fast alles dabei.

Die ausgeführten Aufgaben sollen jedoch nicht nur der Beschäftigung der Teilnehmenden dienen, sondern diesen auch Freude bereiten und sie inspirieren. «Wir gestalten in den Arbeitsbereichen Produkte, mit denen sich die Teilnehmenden identifizieren können. Wir wollen ihr Potenzial herausholen, es entwickeln und ihnen auch Verantwortung übergeben», erklärt der Geschäftsführer.

Aber nicht nur die internen Betriebe bieten den Teilnehmenden der WG Treffpunkt Arbeitsplätze. Sie hat auch Partnerorganisationen wie beispielsweise das Bloomell Coffeehouse in Olten. «Wir haben das Bloomell aufgebaut, jetzt ist es aber eine eigene Firma», erklärt Häfeli die Kooperation. «Das ist für uns aber trotzdem noch ein Vorteil. In den Partnerorganisationen gibt es immer wieder freie Stellen oder auch Ausbildungsplätze, in denen wir die teilnehmenden Erwachsenen sowie die Jugendlichen integrieren können», fügt er an. Die Organisation streckt ihre Fühler also in alle Richtungen aus.

WG mit christlichen Grundwerten

Was Besuchern der Internetseite der WG Treffpunkt auffallen dürfte: Sowohl auf der Homepage als auch in den Stellenausschreibungen ist immer wieder von den christlichen Werten der WG Treffpunkt die Rede. Laut Häfeli seien diese jedoch auf eine ganz andere Art wichtig, als man sich dies vielleicht vorstellt. «Ja, Kurt Widmer und ich sind Christen», bestätigt er. «Das heisst aber nicht, dass wir erwarten, dass unsere Mitarbeitenden oder Teilnehmenden den christlichen Glauben teilen», differenziert der Geschäftsführer. «Die Grundwerte, welche wir durch unseren Glauben in uns tragen, beeinflussen unsere Führung. Diese sind unsere Leidenschaftlichkeit, unsere Verbindlichkeit, die Einfachheit und auch die Herzlichkeit.» Die Kernwerte sollten auch die Mitarbeitenden teilen. Ob und wie diese glauben, sei aber völlig unwichtig. Was ihnen wichtiger sei, sei die Menschlichkeit, die Persönlichkeit eines Menschen.

2015 hat die Organisation ihren Hauptsitz von Trimbach nach Olten verlegt. Dies sei nötig gewesen, um das gesamte Netzwerk besser koordinieren zu können. Der Zukunft der WG Treffpunkt blickt Michael Häfeli positiv entgegen. Eines der wichtigsten Themen für die Zukunft sei die Freiwilligenarbeit: «Diese soll in den nächsten Jahren weiterhin wachsen. Wir schätzen es sehr, wenn Menschen ihre wertvolle Zeit und ihr Know-how mit uns teilen.» Welche neuen Projekte momentan in der Planungsphase sind, dazu kann sich Häfeli noch nicht äussern. Was er jedoch lachend bekannt gibt: «Die WG Treffpunkt ohne laufende Projekte –das gibt es gar nicht.»