Live-Rollenspiel
Wie in einer anderen Welt: Diese Familie bringt «LARP» in die Region

Die Familie Scharwächter führt in Kienberg das «Larporium». Seit letztem Sommer verkaufen sie im im Restaurant Hirschen Artikel für Live-Rollenspiele.

Kelly Spielmann
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Larporium Kienberg
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 Im Restaurant Hirschen in Kienberg ist seit Sommer 2017 Larporium zuhause.
Larporium Kienberg
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Larporium Kienberg

Bruno Kissling

«Leben. Larpen. Larporium.» So werden die Besucher der Homepage des «Larporium» in Kienberg begrüsst. Für Laien erst mal ein Rätsel: Larpen – was ist das? Für Carsten Scharwächter, der mit seiner Frau Regula das «Larporium» führt, ist es nicht das erste Mal, dass er diese Frage beantworten muss: «LARP steht für Live Action Role Play.»

Ein Live-Rollenspiel also, bei welchem die Spieler ihre Spielfigur physisch selbst darstellen. Die Spielenden erhalten zwar eine Rolle, können diese im Verlauf des Spiels aber mehr oder weniger frei und nach ihren Wünschen gestalten. Und das Zubehör dafür kann bei der Familie Scharwächter gekauft werden – im Kienberger Larporium eben.

In einer anderen Zeit

Eröffnet haben Carsten und Regula Scharwächter das Larporium im Juni 2017 – höchste Zeit also, den beiden einen Besuch abzustatten. Das Geschäft befindet sich mitten im Dorfzentrum im Restaurant Hirschen, welches ebenfalls von Scharwächter geführt wird. Bei der Ankunft rennen sogleich zwei Jungen auf einen zu, beide in typischer Larp-Gewandung angezogen. Joschua und Noah, die Söhne der Geschäftsinhaber, sind im zarten Alter von zwei und vier selber schon begeisterte Larper.

Es dauert nicht lange, und man ist als Besucher von den Spielzeugschwertern dem Gelächter der Buben umzingelt. «Die sind nicht zum Spielen da», ruft Carsten Scharwächter lachend seinen Kindern zu, bevor Mutter Regula die Jungen an der Hand nimmt und sich alle ins Verkaufsgeschäft begeben.

Betritt man dieses, findet man sich in einem anderen Jahrhundert wieder. Verblüffend echt wirkende Klingen-, Hieb- und Wuchtwaffen aus Kunststoff sind in Regalen ausgestellt, Lederschuhe und mittelalterliche Bekleidung hängen an Kleiderstangen und Wänden, hinter der Verkaufstheke sitzt ein Mann in Gewandung und mit geflochtenem Bart.

Die ähnlichen Gesichtszüge erwecken einen Moment lang den Eindruck, Carsten Scharwächter sei kurz im Mittelalter gewesen, um sich umzuziehen. Doch der Mann an der Kasse ist Hans Scharwächter, Bruder des Inhabers. Sein Outfit hat er selber hergestellt.

Schweizer Szene eher klein

«Das ist mein Charakter, wenn ich an eine Larp-Veranstaltung gehe», erklärt Hans Scharwächter. Das Hobby liegt hier also deutlich in der Familie. Verantwortlich dafür sei aber der grössere Bruder, wie Hans Scharwächter lachend erzählt: «Er hat mich damals einfach mitgeschleppt. Ich wollte erst gar nicht gehen, aber dann hat es mich gepackt.»

«Damals» ist rund 18 Jahre her, denn wie Carsten Scharwächter erklärt, larpt er seit Anbeginn dieses Jahrtausends. Besonders in Deutschland kam er mit der Szene in Kontakt, denn die Brüder stammen aus dem Nachbarsland. «Dort ist die Larp-Szene schon viel grösser», erzählt Carsten Scharwächter.

Die «Conquest» beispielsweise, eine der grössten Larp-Veranstaltungen Europas, lockt jährlich zwischen 8000 und 10'000 Menschen nach Deutschland. Zu den Besuchern gehört jeweils auch die gesamte Familie Scharwächter. «In der Schweiz gibt es so etwas nicht», stimmt Hans Scharwächter seinem Bruder zu.

Kienberg – offen, aber bestimmt

Die beiden sind jedoch einig und zuversichtlich, dass das Larpen in der Schweiz zunehmend an Beliebtheit gewinnt. Doch trotzdem stellt sich die Frage: Ist Kienberg der richtige Ort für ein Geschäft wie dieses? Für die Gemeinde haben sich die Scharwächters entschieden, als sie auf der Suche nach einem grossen Haus für die ganze Familie waren und der Hirschen in Kienberg frei war.

«Viele Leute aus dem Dorf sind schon vorbeigekommen», antwortet Carsten Scharwächter. «Die Kienberger sind sehr neugierig und offen», fügt sein Bruder an. «Aber auch sehr bestimmt», so Carsten Scharwächter lachend. Denn während des Umbaus standen immer wieder plötzlich Leute auf der Baustelle und wollten wissen, was abgeht.

«Sie haben immer gesagt, dass sie ‹ihren› Hirschen zurückwollen», sagt Carsten Scharwächter. Und so kam es, dass der «Hirschen» nun doch wieder offen ist, obwohl die Familie das Restaurant erst nicht übernehmen wollte.

Auch pädagogisch aktiv

Neben dem Führen des Ladens engagiert sich die Familie auch anderwertig im Roleplay-Bereich: Mit dem Projekt «Zeitsprung» verbinden sie Erlebnispädagogik und Larpen, wobei Rollenspiele pädagogisch angewendet werden.

Für diesen Teil sind hauptsächlich Regula Scharwächter und Hans Scharwächter zuständig, die beide schon Erfahrung im pädagogischen Bereich haben. Und Carsten Scharwächter? «Ich bin für die Verpflegung zuständig», antwortet er lachend.

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