Zwischen 1888 und 1890 kam es zur Erweiterung von Ballys Fabrikkanal (vgl. Teil III der Serie) und damit verbunden zur Entstehung der Neuen Anlagen, also demjenigen Teil des Parks, der noch heute existiert.

Laut den Eintragungen Carl Franz Ballys in seinem «Tagebuch» (Memoiren) wurde im Januar 1888 mit dem Ausgraben der Teiche auf dem neuen, grösseren Parkareal begonnen. Parallel dazu wurde ab März an der Vertiefung und Verbreiterung des Kanals gearbeitet.

Für das Jahr 1890 notiert Bally: «In diesem Jahr wurden die Anlagen mit den Teichen, Pavillons, [der] Kapelle, Grotte und den Pfahlbauten gemacht. Am 1. Mai konnte man die Teiche füllen.»

Die Quellen legen nahe, dass der Park dem damals 69-jährigen Grossunternehmer und Politiker Carl Franz Bally eine Herzensangelegenheit gewesen sein muss. So berichtet Sohn Eduard in der «Geschichte der C. F. Bally AG» (1915-1925) über die Parkerweiterung von 1890: «Herr Franz Bally hat sich persönlich um diese Anlage interessiert, dieselbe disponiert und überwacht.»

Und: «Wie dieser in seinen späten Jahren sich sehr eingehend und unermüdlich mit den Parkanlagen beschäftigte, schien er unglücklich, als das Werk vollendet war und ihm keine Arbeit mehr verschaffte.»

Pfahlbauten als Freilichtmuseum

Auf dem 14 Hektaren grossen Areal zwischen Kanal und Aare liess Bally eine Reihe von Parkbauten und Staffagen erstellen. Die grösste Wirkung erzielt wohl das Pfahlbaudorf im Massstab 1:2 auf dem Grossen Weiher. Es wurde nach einem Modell errichtet, das die damals gültige Vorstellung der Pfahlbausiedlungen an den Schweizer Seen wiedergab.

Die Pfahlbauten im Park waren anfänglich mit Elementen wie einem Einbaum, Fellen und Werkzeugen nach Art eines Museums eingerichtet. Eduard Herzog, christkatholische Bischof und enger Freund Carl Franz Ballys, schilderte 1907 seine Eindrücke: «Ein primitiver Steg gestattet uns, in die bescheidene Wohnung der Pfahlbauer einzutreten (...) Das Innere ist einfach genug, das Schilflager nicht besonders einladend; aber Hirschgeweih, Bärenschädel und Steinäxte zeigen uns einigermassen, womit sich die Ureinwohner des Landes beschäftigten und womit sie sich ernährten.» Am Teichrand gegenüber den Pfahlbauten wurde eine Aussichtskanzel über einer künstlichen Grotte aus Flusskieselsteinen errichtet.

Privatbereich mit Waldkapelle

Eine kleine Pfahlbausammlung war auch in der aus Holz gebauten «Waldkapelle» untergebracht, die heute nicht mehr existiert. Diese befand sich im Arboretum mit exotischen Bäumen auf einer Halbinsel beim Grossen Weiher. Die Kapelle diente nie einem religiösen Zweck.

Im Dachreiter hing eine Glocke, deren Relief die Namen der acht Enkelkinder C.F. Ballys trägt. Die Glocke befindet sich heute im Entrée des Hauses zum Felsgarten. 1976 war die Kapelle so morsch und baufällig, dass sie abgetragen werden musste. Im Arboretum sind heute noch die steinernen Fundamente sichtbar.

Arboretum und Kapelle waren die einzigen Teile des Parks, die mit einem Zaun abgesperrt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich waren. Eine Legende von Eduard Bally zur Kapelle bezeichnet dieses Gelände als «Privat Park», dazu existieren private Fotos aus den 1890er Jahren von Mitgliedern der Familien Bally in diesem Bezirk.

Später wurde er jedoch offenbar kaum mehr privat genutzt. Der abgesperrte Bereich im Innern des Bally-Parks verwilderte vollständig. 1996 wurde er wiederhergestellt und der Zaun entfernt, seither ist er öffentlich zugänglich wie der gesamte übrige Bally-Park.

Badeanstalt für die Arbeiter

Ein weiteres Gebäude, das heute nicht mehr steht, ist die Badeanstalt. Im Jahr 1884, noch vor der Gestaltung der Neuen Anlagen, liess Bally am linken Ufer des Kanals diese Einrichtung erbauen, 1895 wurde sie erweitert. Äusserlich in der Form eines klassizistischen Tempels, enthielt sie Garderoben, Duschen und Wannenbäder. Da der Bau gleich gegenüber dem Turbinenhaus und der Gasfabrik lag, war die Anmutung möglicherweise nicht derart idyllisch, wie es auf den erhaltenen Bildern scheint.

Die Badeanstalt diente den Bally-Arbeitern und ihren Familien, die damals noch kaum über solche Einrichtungen in ihren Wohnungen verfügten. Eduard Bally hielt fest: «Die Badanstalt war von jeher dem Publikum zugänglich und im Jahre 1915 sind die Verhältnisse folgende: In 3 Badebassins sind Schwimmbäder eingerichtet, wofür 5 Cts. pro Person verlangt wird. Die Douchen kosten 10 Cts. & die Wannenbäder 20 bis 30 Cts., letztere beiden incl. Badtuch. Während der Arbeitszeit darf von den Arbeitern nicht gebadet werden, wohl aber von den Angehörigen. Die Frequenz pro Tag ist ungefähr 80 im Sommer. Die Schwimmbäder werden auch von den Schulen unentgeltlich benutzt.»

Hatten die «Alten Anlagen» von 1869 (vgl. Teil II der Serie) nur den schmalen Streifen zwischen Kanal und Bahn belegt, dehnten sich die «Neuen Anlagen» ab 1890 über ein weit grösseres Areal bis ans Aareufer aus. Etwa zwischen 1900 und 1945 wurde rund ein Drittel des Parkareals von 1890 für neue Gebäude des wachsenden Unternehmens geopfert.