Schönenwerd

«Wichtig ist, dass wir die Kinder genau beobachten»

Sylvia Leck erklärte Gründe für Lernprobleme.

Sylvia Leck erklärte Gründe für Lernprobleme.

Sylvia Leck referierte an der SIS Schönenwerd über Lernschwierigkeiten. Ein Zuhöreraufmarsch blieb wegen Corona-Angst aus.

Die meisten der Stühle, die vorgestern im Esssaal der bilingualen Privatschule SIS Swiss International School Schönenwerd stehen, bleiben leer. «Viele Eltern haben abgesagt wegen des Corona-Virus», erklärt Schulleiterin Pia Mathes. Sie wollten den Workshop aber dennoch nicht absagen. Noch fünf Minuten vor Beginn sind neben Mathes, der Lehrerin Ora Melles und der Referentin Sylvia Leck erst zwei Gäste anwesend. Zwei weitere kommen dann doch noch, und der englischsprachige Workshop zum Thema «Understanding Learning and Learners» kann starten.

Leck verteilt weisse und schwarze Bänder. Jeweils zu zweit müssen die Teilnehmer nun den Anweisungen auf einem Blatt Papier folgen, wie diese ineinander verknotet werden sollen, was einigen Schwierigkeiten bereitet. Etwas leichter wird es, als Leck Bilder verteilt, wie der Knoten aussehen muss. «Obwohl das eine einfache Aufgabe ist, braucht es verschiedene Kenntnisse und Fähigkeiten», erklärt die Referentin. Der Schwerpunkt der Arbeit von Leck und ihrer Zürcher Organisation «Foundations for Learning» ist es, Kinder mit Lernschwierigkeiten abzuklären und zusammen mit der Schule und den Familien Strategien zu entwickeln, wie diese gelöst werden können.

In ihrem Vortrag erklärt sie, was die Basis für Lernen ist, welche Lernschwierigkeiten auftauchen können und wann es sinnvoll sein kann, diese abzuklären. Die Teilnehmer erfahren, dass es für Aufmerksamkeitsschwierigkeiten viele Gründe geben kann. Dasselbe gilt für Schwierigkeiten des Erinnerns oder der Sprache. Oft hängen alle drei Bereiche zusammen. «Wenn ich nicht aufmerksam sein kann, kann ich mich nachher auch nicht daran erinnern, was die Lehrperson gesagt hat», erklärt Leck.
In einer bilingualen Schule wie die SIS Schönenwerd können Schwierigkeiten mit den unterschiedlichen Sprachen auftreten, die sich in Aufmerksamkeitsproblemen äussern. «Es ist wichtig, dass wir die Kinder genau beobachten und nicht vorschnell urteilen, was das Problem sein könnte», betont sie.

Die Anwesenden stellen viele Fragen. Trotz der wenigen Leute empfand Leck den Abend als angenehm. In der Pause diskutieren Edyta und Lukas Syrnik rege über das Gehörte. «Unsere Tochter geht hier zur Schule und wir überlegen uns jetzt, ob es Signale gibt, die wir sehen sollten», sagt Lukas Syrnik. «In der Schule lernt sie Englisch und Deutsch, zu Hause reden wir Polnisch. Wenn sie etwas lesen muss, tut sie dies im Moment aber am liebsten auf Englisch», erzählt Edyta Syrnik. Im zweiten Teil beschwichtigt Leck das Elternpaar: «Wir sehen, dass Kinder, die in einer Sprache gut schreiben und lesen können, dies auch in den anderen Sprachen besser lernen.»

Die Situation, in der sich das Ehepaar Syrnik und deren Tochter befinden, ist keine Ausnahme: «An diesem Standort haben wir zwar vor allem deutschsprachige Eltern, aber auch viele Eltern mit einer anderen Muttersprache als Deutsch oder Englisch», erklärt Mathes vor dem Workshop. Viele Kinder sind also mit drei Sprachen konfrontiert, später allenfalls mit vier, wenn der Französischunterricht dazukommt.

Es war der zweite Vortrag in diesem Rahmen. Mathes rief das Format ins Leben, als sie vor rund zwei Jahren den Posten der Schulleiterin übernahm. Der nächste Anlass ist der Tag der offenen Tür, der am Vormittag des 12. März 2020 stattfindet.

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