Das letzte Jahr stand im Zeichen des 15-Jahr-Jubiläums der Institution Ballyana. Die Stiftung für Bally Familien- und Firmengeschichte, seit 2010 ergänzt mit dem Verein Ballyana, bildet den Kern der Bemühungen, das historische Erbe der Industrialisierung im Niederamt zu erhalten.

Um dieses Stück Geschichte für die Nachwelt zugänglich zu machen, ist die Institution auf Schenkungen angewiesen. Leider sei es bis heute nicht möglich, mit den Eigentümern der grossen Sammlungen der Firma Bally ins Gespräch zu kommen, schreibt die Institution in ihrem Jahresbericht.

Ziel sei es, Schuhmuseum sowie Werk- und Firmenarchiv als einmalige kulturhistorische Schätze dauernd für die Gegend und die Nachwelt zu erhalten. Es sei zwar in den letzten 15 Jahren eine runde Sammlung entstanden, jedoch fehle weiterhin das Herzstück, wie Philipp Abegg, Präsident vom Verein Ballyana und der Stiftung, gegenüber dieser Zeitung im letzten Jahr vermerkte.

Schuhe und ein Schreibheft

Die Sammlung wuchs mit historisch bedeutenden Stücken weiter an.So war unter den Schenkungen ein sehr seltener Zeuge aus der Geschichte der Bandindustrie. Dabei handelt es sich um ein einfaches Schreibheft, in welchem Gottlieb Gisi aus Niedergösgen seine Arbeit von 1855 bis 1872 verzeichnet hat. Gisi war Bandweber und wob während dieser Zeit für verschiedene Patrons. Im Schreibheft notierte er Aufträge, Einnahmen und Ausgaben seiner Arbeit. Interessant sei das Dokument vor allem, weil es den Arbeitsalltag eines Webers illustriert, und nicht aus der Sicht eines Patrons geschrieben ist, lässt die Institution in ihrem Jahresbericht verlauten.

Weiter bekam Ballyana verschiedenes historisches Schuhwerk. Unter anderem auch einen weissen Lederschuh für Damen, welcher um 1900 hergestellt wurde. Er ist aus weichem, weissen Leder produziert. Seit rund sechs Jahren besitzt Ballyana zudem das Archiv der ehemaligen Firma «Bally Band». Dieser Bestand ist von Bedeutung, weil er die Bally-Geschichte bis in die Anfänge in den 1810er-Jahren dokumentiert. In der umfangreichen Sammlung der Buchhaltungsunterlagen fehlten jedoch bis vor kurzem einige Hauptbücher.

Die nun Ballyana überlassenen Ergänzungen bestehen aus 16 Bänden und verschiedenen Einzeldokumenten. Unter den Büchern ist auch ein Hauptbuch, welches mit dem Jahr 1815 einsetzt und somit die ersten Jahre und Jahrzehnte der Firmen- und Familiengeschichte zahlenmässig dokumentiert. Eine spezielle Schenkung sind auch zwei Aquarelle von Otto Bally (1839–1908). Die beiden Aquarelle zeigen Ansichten der ehemaligen Bandfabriken der Familien Bally in Säckingen (DE). Die Schönenwerder und die deutschen Bandweber der Familie Bally trennten sich nach dem Tod des Gründervaters Peter BaIly 1849. Danach führten Bally-Nachkommen die Bandweberei in Säckingen bis in die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg weiter. «Leider besitzen wir nur wenige Informationen und kaum Bilder oder Objekte zu den Säckinger Bally-Firmen. Die Aquarelle Otto Ballys schliessen diese Lücke teilweise», schreibt die Institution in ihrem Tätigkeitsbericht.

Die Ausstellung der Ballyana-Sammlung in der Shedhalle Schönenwerd ist jeden ersten und dritten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Auf Voranmeldung sind Führungen jederzeit auch ausserhalb der Öffnungszeiten möglich.